Was am Donnerstagnachmittag nur als Vermutung geäußert worden war, verdichtet sich immer mehr: Wahrscheinlich ist das verheerende Feuer in dem Dachgeschoss beim Verlegen von Schweißbahnen auf Gauben zurückzuführen. Dafür gebe es Hinweise.

Das teilte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt am Montag mit. Mögliche Brandursache seien Arbeiten mit einem Gasbrenner gewesen, die Beschäftigte einer Dachdeckerfirma dort ausgeführt haben. Die Kriminalpolizei ermittle jetzt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Die Fahnder hatten noch am Donnerstag mit ihren Recherchen begonnen.

Verbrettert und gesichert

Stadtbrandinspektor Harald Albert hat die Löscharbeiten geleitet. Am Freitag hatte er zusammen mit Kripo-Beamten den Unglücksort besucht. Auch er vertritt die Ansicht, dass "wohl" Schweißarbeiten ursächlich für den Großbrand gewesen seien.
Ein Kurzschluss sei auszuschließen, da der Strom im Dachgeschoss abgeschaltet war. Albert ist davon überzeugt, dass die Flammen beim Verlegen der Bahnen auf das Dämmmaterial übergegriffen haben: "Wenn das Styropor einmal Hitze hat und brennt, ist es vorbei." Das habe man auch gesehen, als am 27. Juli 2012 an der Münnerstädter Kreuzung ein Lkw-Anhänger mit Kunststoffplatten in Flammen aufgegangen ist.

Das Problem im Wohnblock: Die Retter kamen an das Feuer nicht heran. Wie Albert sagte, war innen alles verbrettert. Die Dachziegel seien besonders befestigt gewesen, damit sie bei Sturm nicht herunterfallen können. Die Wehrleute hätten sie von der Drehleiter aus mit Reißhaken zerschlagen müssen.

Albert: "Das Feuer ist durch den Dachstuhl komplett durchgelaufen." Er wurde auf einer Länge von 84 Metern total zerstört und müsse erneuert werden. Alle drei Hauseinheiten des Blocks seien betroffen.
Zur Schadenshöhe konnte der Stadtbrandinspektor keine näheren Angaben machen. Die Auswirkungen des Löschwassers hielten sie aber in Grenzen. Es stehe einige Zentimeter hoch im Keller und könne abgepumpt werden. Allerdings ist das Dach noch immer nicht geschlossen.

Ob das Parkett aus den US-Zeiten in den Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden ist, müsse sich zeigen: Wenn sich die abgeschliffenen und nicht versiegelten Bretter heben, müssen sie rausgerissen werden.
Die Polizei geht von einem Schaden in Höhe von 700 000 Euro aus. Zunächst war die Rede von 200 000 Euro gewesen.

Das Feuer in dem US-Wohnblock hatte sich am Donnerstagnachmittag schnell ausgebreitet. Das konnten die Wehren trotz ihres beherzten Einsatzes nicht verhindern. Als die 120 Feuerwehrleute aus Bad Kissingen, Winkels, Reiterswiesen, Garitz, Arnshausen, Hausen und Kleinbrach wenige Minuten nach der Alarmierung eintrafen, brannte der Dachstuhl schon auf 50 Metern Länge.

Nach einer Stunde war das Feuer unter Kontrolle. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Die Rettungsleitstelle hatte vorsorglich mehrere Fahrzeuge des Roten Kreuzes und einen Notarzt an den Brandort beordert. Wegen der starken Rauchentwicklung waren die Anrainer aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Polystyrol ist als Dämmmaterial hoch geschätzt. Der Kunststoffschaum - Handelsnamen: Styropor oder Styrodur - ist billig herzustellen und gilt nach der alten DIN-Norm 4102 als schwer entflammbar. Nach der neueren DIN EN 13501 wird er als normal entflammbar klassifiziert. Ab einer Dämmstoffdicke von zehn Zentimetern sammelt sich bei einem Brand mehr Schmelze an. Das bereitet Probleme. Trotz der Verwendung von Flammschutzmitteln kann sich ein Feuer ausbreiten, wenn keine Schutzstreifen aus Mineralwolle eingebaut worden sind. Polystyrol brennt leuchtend gelb mit einer stark rußenden Flamme.

Die Dämpfe riechend oft stechend. Die Schwelgase enthalten gefährliche Zersetzungsprodukte, die beim Einatmen Gesundheitsschäden verursachen können. Der Kunststoff schmilzt bei wenig mehr als 100 Grad und zersetzt sich bei über 300 Grad. Das Material brennt tropfend ab. Treibmittelreste entzünden sich rasch, es kann zu einer schnellen Ausbreitung durch Sekundärbrände kommen. Die hohe Brennbarkeit ist in der Fachwelt allseits bekannt (Quelle: Wikipedia).