Mitten in Bad Brückenau klafft seit Monaten ein riesiges Loch: Wo eigentlich derzeit der Rohbau für das neue Haus Waldenfels entstehen sollte, herrscht Stillstand. Seit der jüngsten Sitzung des Stiftungsrates der Carl-von-Heß'schen Sozialstiftung ist dessen Vorsitzender Landrat Thomas Bold (CSU) aber wieder zuversichtlicher: "Wir wissen, wie es weitergeht und wie es technisch gelöst wird", sagte er gestern bei einem Pressegespräch.
Die Rohbau-Arbeiten für das 18-Millionen-Euro-Projekt sollen nun im Frühjahr beginnen.

"Dass der Baugrund ein schwieriger ist, wusste man", gestand auch Architekt Heiner Schubert gestern auf Nachfrage ein. Er ist "Local Business Unit Manager" bei der WSP Deutschland AG. Standortleiter sei eine passende Übersetzung, sagt er selbst, "Mädchen für alles" schlägt Bold vor. "Ich denke nicht, dass sich der Bauherr etwas vorwerfen lassen muss", nimmt Schubert seinen Auftraggeber, die landkreiseigene Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung in Schutz. Schließlich trage der Bauherr stets die Risiken im Untergrund. Immerhin lägen drei geologische Gutachten vor: "Wir haben die Stempel", verweist er auf die Einhaltung aller Auflagen.

Not-Versorgung und Analyse

Seine Arbeit in den zurückliegenden Monaten vergleicht Schneider mit der Behandlung eines Patienten: "Zunächst haben wir eine Not-Versorgung vorgenommen." Soll heißen: Teile des Hanges wurden aufgefüllt, die Wände des so genannten Berliner Verbaus wurden stabilisiert, Zugbänder angebracht, alles mit Folie abgedeckt und Entwässerungsrohre gelegt. In der Hartstraße wurden zudem Gasanschlüsse überprüft, eine oberirdische Wasserleitung gelegt und der Bereich für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt.

Danach wurde der "Patient" untersucht: Experten prüfen jede Menge Messpunkt - bis Ende August drei Mal in der Woche, seitdem immer noch wöchentlich. Ergebnis: "Der Hang hat sich jetzt nicht mehr bewegt", sagt Projektmanagerin Katharina Henderson-Lux von WSP. Und: "Innerhalb der Hartstraße gab es sicherlich Bewegungen, aber bei der Messung hatten wir keine Ausreißer mehr."

Zudem wurden etliche Löcher gebohrt: In zweien werden unterschiedliche Grundwasser-Spiegel ständig überprüft. Etwa sieben und mehr als elf Meter unterhalb des Hanges gibt es wasserführende Schichten. "In Bad Brückenau ist ja bekannt, dass es an dem Hang so genannte Märzenquellen gibt", berichtet Landrat Bold. Zudem reichen mehrere Rohre bis in eine Tiefe von 25 Metern, bei denen nun gemessen wird, ob sie sich verformen, also ob es Schubkräfte im Untergrund gibt.

Dritter Schritt ist nun die Therapie: "Wir stabilisieren den Hang durch eine Bohrpfahlwand", berichtet Schubert. Die Bad Brückenauer kennen die Konstruktion vom Parkdeck hinter der Remise im Staatsbad: Es werden 14 Meter tiefe Löcher mit 90 Zentimetern Durchmesser gebohrt und mit Stahlbeton ausgefüllt. "Damit sollten wir auf den Sandstein-Felsuntergrund kommen und die Gleitfuge erwischen", hofft Schubert. Wo genau aber die Gleitfuge oder auch der Fels ist, weiß auch er nicht: "Man kann da eben nicht reinschauen."

Die Wand aus Bohrpfählen soll hinter dem Erdgeschoss, also ein Stockwerk über dem Niveau der Ernst-Putz-Straße entstehen. Die drei Hangstufen darüber sollen dann mit so genannten Verdübelungen gesichert werden: Lange Anker werden schräg bis zu 15 Meter tief eingebohrt. Zudem wird vorübergehden ein Brunnen angelegt, um die Baugrube zu entwässern.

Mehrkosten noch nicht absehbar

Messungen, Gutachten, Sicherung: "Das erste Paket liegt schon bei knapp 500.000 Euro", sagt Schubert. Und: "Das wird noch deutlich mehr werden", seien Bohrpfahlwand und Verschiebungen bei der Bauzeit noch gar nicht eingerechnet.
Zudem soll eine Drainage hinter dem Gebäude den Wasserdruck wegnehmen. Wasserundurchlässiger Beton sei zwar sowieso vorgesehen und das Haus sollte die Schubkräfte des Hanges aufnehmen, aber: "Auf den Wasserdruck ist das Gebäude nicht gerechnet." Zum Einsatz komme "das gesamte Geologen-Inventar", fasst Schubert die Maßnahmen zusammen.

Bau-Grundstück An der Ernst-Putz-Straße befand sich ursprünglich das Bad Brückenauer Kreiskrankenhaus. Nach dem Neubau der Franz-von-Prümmer-Klinik stand das Gebäude ab 2001 leer. Mehrfach sollte das Grundstück des Landkreises verkauft werden, 2011 entschied sich die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung, ihr bestehendes Seniorenheim Haus Waldenfels nicht zu sanieren, sondern durch einen Neubau zu ersetzen.

Pläne Das erste Konzept für den Neubau wurde im Januar 2012 vorgestellt, ein Jahr später lagen die Detailpläne dem Hauptausschuss des Bad Brückenauer Stadtrates vor. Mit dem symbolischen Spatenstich am 11. März 2011 begann der Tiefbau.

Kosten Die Kostenschätzung liegt bei knapp 18 Millionen Euro. Anfang 2012 waren noch 10 bis 12 Millionen Euro geplant, im Laufe der Planung kamen jedoch Auflagen und Ergänzungen dazu. Mehrungen haben sich unter anderem dadurch ergeben, dass das Blockheizkraftwerk doch selbst betrieben wird.

Aufteilung Ebenerdig zur Ernst-Putz-Straße wird eine Tiefgarage entstehen. Darüber schließt sich das eigentliche Erdgeschoss an, das die drei Gebäudeteile miteinander verbindet. Untergebracht sind darin Therapie- und Versorgungsräume, Speisesaal, Kapelle sowie die Tagespflege "Vivo" und die Caritas-Sozialstation. Darüber stehen die einzelnen Gebäude: in Richtung Stadt dreistöckig Betreutes Wohnen, in der Mitte das Seniorenheim mit 90 Plätzen und westlich das Wohnheim, in das sich das Dominikus-Ringeisen-Werk einmieten will.