Kaum eine Blasmusik ist so bekannt und beliebt wie die böhmische. Herz und Gemüt werden von den schwungvollen Melodien gleichzeitig angesprochen, unverwechselbar ist deren Klang. Die Egerländer Blasmusik hat sich ganz diesem Genre verschrieben. Und das kommt gut an, wie das Jahresabschlusskonzert in Bad Bocklet zeigte.
Über 200 Zuhörer waren erschienen, um den abwechslungsreichen, unnachahmlichen Melodien zu lauschen.

Und was die Musiker auf die Bühne brachten, zeugte nicht nur von deren hohem spielerischen Niveau, sondern zeigte auch, mit wie viel Freude sie bei der Sache waren. Dirigiert wurden die Egerländer in bewährter Manier von Norbert Glock, einem Urgestein der Formation, der diese 1985 ins Leben gerufen hat und seitdem mit der böhmischen Blasmusik die Besucher verzaubert. Natürlich waren dabei alle Musiker in die original Egerländer Tracht gehüllt.


Spielerische Finesse

Gleich beim ersten Stück, dem Marsch "Mens sana in corpore sano" ("dem gesunden Körper möge ein gesunder Geist [innewohnen]") ging man musikalisch in die Vollen und gab einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie schmissig und impulsiv der Abend verlaufen sollte. Von Anfang an konnten dabei die Musiker das Publikum mitnehmen, welches schon zu Beginn begeistert mitklatschte. Auf musikalische Experimente verzichtete man dabei weitgehend - wichtiger war den Egerländern die klassische, böhmisch-mährische Musik, die sie mit viel spielerischer Finesse und Freude zu Gehör brachten.

So unter anderem bei der Polka "Böhmisches Blut", welche in ihrer Komposition diese Tugenden zu vereinen wusste. Doch nicht nur der Lebenslust versteht die böhmische Blasmusik zu huldigen, sie spricht auch immer wieder das Gefühl, was beim "Drei Rosen im Wind" in fast melancholischer Manier gezeigt wurde. Sehr gefühlvoll interpretierten die Musiker das Stück, wobei sie glücklicherweise vermieden, sentimental zu werden. Die Gesangseinlagen von Elke Braungart und Edwin Schäfer wussten zu gefallen und dem ganzen noch ein i-Tüpfelchen aufzusetzen.


Mit Witz durch das Programm

Im ersten Teil führte Fabian Keller durchs Programm, welcher auch das Flügelhorn spielte. Mit lustigen Gedichten wusste er, die Stimmung aufzulockern und stellte dabei mit viel Witz auch die verschiedenen Abteilungen der Egerländer vor, was mit großer Selbstironie geschah, so dass selbst die Musiker schmunzeln mussten. Musikalisch zeigte man sich auch für außergewöhnliche Arrangements offen - flugs wurde die "Karlspolka" in die "Lokomotiv-Polka" umbenannt - für die Darbietung, die folgen sollte, hätte man keinen besseren Namen finden können.


Solo für Tuba reißt Publikum mit

Welches Instrument wäre hierfür besser geeignet als die Tuba: Thomas Fürst und Thomas Borst hatten als Tubisten hier einen Solopart zu meistern, der es in sich hatte: Langsam begann ihr Spiel und wurde immer schneller - wie das bei einer Lokomotive ebenso ist. Im Finale begeisterten sie mit einem unglaublich schnell gespielten Part, der aber dennoch sehr sauber ausgeführt wurde und begeisterten mit dem fulminanten Schluss das gebannt lauschende Publikum.

Ein würdiger Abschluss für den Tubisten Thomas Borst, der seit zehn Jahren bei den Egerländern tätig ist und im Rahmen des Abschlusskonzerts verabschiedet wurde. Weitere Polkas schlossen sich an, die es auch spielerisch in sich hatten. So beispielsweise bei der "Anna Polka", welche in den Händen der erfahrenen Musiker jedoch geradezu leicht anmutete. Die arbeiteten auch das schwerste Stück mit spielerischer Leichtigkeit aus und hatten dabei noch viel Spaß.

Nach der Pause übernahm Hornist Michael Back die Moderation und wusste dem Publikum seinem bodenständigen Humor, aber auch nachdenklichen Worten, zu gefallen. Fehlen durften musikalisch natürlich auch die "Rauschenden Birken" nicht, was beim Publikum gut ankam. Einfühlsam kam das Solo der drei Flügelhörner bei der "Bodenseepolka" daher, was für viel Applaus im Publikum sorgte. Gerade dieses Stück zeigte, wie empfindsam auch die Blasmusik sein kann. Die im Stück geforderten Wechsel wurden von den Musikern leichtfüßig gemeistert, was ein Zeichen für deren spielerisches Können war. Gleichzeitig klatschte des Publikum ausgelassen mit, was zeigte, wie gut ihm die Darbietung auf der Bühne gefiel.

Evergreens wie die "Fuchsgraben-Polka" und der "Mondschein an der Eger" fehlten ebenso nicht. Mit dem Medley "Jetzt wird"s ernst", einem Potpourri der schönsten Melodien aus der egerländischen Tradition läutete das Orchester das Finale ein, bei dem das Publikum ausgelassen mitklatschte.


Herz und Seele berührt

Die Musiker durften die Bühne nicht räumen, ohne zuvor eine Zugabe zu geben, die lautstark von den applaudierenden Zuschauern gefordert wurde. Beim Konzert in Bad Bocklet hatten sie eingelöst, was Moderator Michael Back als Anspruch der Egerländer Blasmusik formuliert hatte: nicht nur unterhalten, sondern mit der Musik auch in die Seele eindringen und das Herz der Menschen berühren.