Ein Landwirt bat die Polizei, sein mit Menschen besetztes Feld in Bad Kissingen zu räumen. Die Beamten rückten nicht aus, woraufhin er seinen Traktor einsetzte. Würde die Polizei jetzt anders entscheiden?
Am Rande des "Kissinger Open Air 2026" sorgte ein Landwirt am Samstagabend (29. August 2026) für Verletzungen und Angst bei Zuschauern des Wincent-Weiss-Konzerts. Wie ein Zeuge berichtet, hielten sich, seinen Schätzungen nach, 75 bis 100 Menschen auf einer Wiese außerhalb des Veranstaltungsgeländes auf. Der Eigentümer verzeichnete Schäden auf der Fläche und bat die Polizei gegen Ende des Konzerts, sein Feld zu räumen. Diese entschied sich jedoch dagegen, wodurch der Bauer mit einem Traktor auf die Zuschauer zufuhr, um sie zu vertreiben. Ein Polizeisprecher sprach von einer "absolut inakzeptablen Selbstjustiz".
Auf der Fahrt zum Feld gefährdete der Landwirt laut Polizei Unterfranken zehn Menschen. Zudem registriert sie bisher acht leicht verletzte Personen. Drei wurden bei der Flucht vor dem Traktor körperlich verletzt. Dabei kamen sie demnach nicht in Kontakt mit dem Gefährt. Fünf von den acht Personen trugen einen Schock davon. Unter den verängstigt flüchtenden Zuschauern befanden sich dem Zeugen zufolge auch Kinder, führte er gegenüber der Nachrichtenagentur News5 aus. Wie ein Sprecher der Polizei Unterfranken am Dienstag inFranken.de erklärt, bewertete die Polizei die Ausgangslage unter verschiedenen Gesichtspunkten.
Landwirt in Bad Kissingen hilft sich nach Polizeiabsage selbst - so argumentieren die Beamten
Zunächst betont der Polizeisprecher, das Interesse des Landwirts, sein Feld zu räumen, sei "berechtigt" und "nachvollziehbar". Jedoch habe die Stadt im Vorfeld der Veranstaltung Grundstückseigentümern Kompensationen für entstehende Schäden angeboten. Die Veranstalter sind laut Polizei für Verunreinigungen und Trittschäden verantwortlich. Bereits am Donnerstag und Freitag hatte es Konzerte gegeben. Die Beamten wogen nach der Kontaktaufnahme des Landwirts ab, ob Ordnungswidrigkeiten, Straftaten oder eine Gefahr vorlagen.
"Es ist dunkel, laut und unübersichtlich", beschreibt er die Situation vor Ort. Mit Einzelstreifen hätte die Polizei die vielen Personen zum Gehen auffordern müssen. Die Aussicht auf Erfolg sei "gegen null" gegangen. "Welche Folgewirkungen und Wahrnehmungen entstehen bei Leuten, die weiter hinten stehen?", habe eine Frage zudem gelautet. Eine etwaige Panik müsse demnach immer berücksichtigt werden.
Auch wenn alles ruhig bleibe: "Wohin gehen die Leute dann?", sei eine nächste Überlegung. Auf eine Straße oder einen benachbarten Platz? Zudem seien weitere Maßnahmen nötig, falls Zuschauer nicht Folge leisten wollen. "Habe ich dazu aktuell die Möglichkeiten und genug Leute?", so der Polizeisprecher zu den Überlegungen.
Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und mehr - so geht es weiter
Obendrein sei es "nur noch um 30 Minuten" gegangen, wodurch Zweifel aufkamen, ob die Räumung so schnell gelingen würde. Erste Besucher seien bereits im Aufbrechen gewesen. Die Polizei habe dem Landwirt diese Abwägungen erklärt, versichert der Sprecher. Auch bei einer nächsten, ähnlichen Ausgangslage hätte die Polizei so gehandelt. Sie ermittelt weiter wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.
In den vergangenen Tagen seien einige Menschen dem Zeugenaufruf der Polizei nachgegangen. Sie werden nun vernommen. Dann wird der Sachverhalt aufgeklärt und der Staatsanwaltschaft zur abschließenden Bewertung (PLUS) vorgelegt. Der Führerschein des Mannes ist bis zum Gerichtsurteil eingezogen.
@JGMeman:
Die Polizei wäre aber auch verpflichtet die Schäden dieser Wiesenokkupanten zu beenden, dass die hundert Hansel jetzt besonders gefährdet wären, wenn sie auf die Straße zu den sowieso schon gehenden Festivalbesuchern geschickt werden, ist m.E. eine faule Ausrede.
Das urbane Milieu nimmt sich mal wieder Sonderrechte raus - Niemand rechtfertigt den Traktoreinsatz. Der Punkt ist ein: Die Polizei hat eine Lage nicht bewältigt, die sie hätte bewältigen müssen. Wenn ein Eigentümer sieht, dass 100 Leute sein Feld beschädigen und der Staat nicht eingreift, entsteht ein Eskalationsrisiko – genau das, was passiert ist. Das ist keine Solidarität mit dem Täter, sondern eine Kritik an einer Behördenentscheidung, die den Konflikt erst möglich gemacht hat.
Es ist ja schön, dass die Besucher bedauert werden, die es nicht nötig hatten, sich ein Ticket zu kaufen und auf das Festival-Gelände zu gehen, sondern sich auf einer fremden Wiese herumtreiben.
Selbstjustiz nein, aber ich verstehe auch den Bauern!
Ich würde gerne mal Bilder von der Wiese sehen, wie viel Alupapier, Plastikbecher und Glasscherben liegen denn da herum? Vielleicht auch noch ein bisschen Hundekot? Soll der Bauer das an seine Tiere verfüttern, oder den Dreck selbst aufräumen?
Hat die Polizei die Personaldaten aufgenommen, um die Umweltverschmutzer ermitteln zu können?
"Die Veranstalter sind laut Polizei für Verunreinigungen und Trittschäden verantwortlich."
Aber nachdem er komplett crash out gegangen ist und im Zickzack seinen frischen Acker selbst platt gemacht hat, sieht das wahrscheinlich nicht mehr so gut aus.
Die Polizei war wohl zu dem Zeitpunkt schon damit beschäftigt, den roadrage Bauern zu stoppen.
Mittlerweile ist bekannt, dass es sich nicht nur um eine Wiese sondern um ein frisch angesätes Feld gehandelt hat. Früher wäre man/frau gar nicht auf die Idee gekommen so ein Feld zu betreten. Dir Polizei wäre zuständig gewesen. Immerhin ist dem Landwirt Schaden entstanden und wer sollte ihm den Schaden ersetzen? Jetzt ist er der Doofe. Der Rechtsstaat hat ihm nicht geholfen ...