Knapp 2000 Einwohner hat Poppenlauer. Einen Lebensmittelmarkt gibt es im Dorf nicht mehr. Das soll sich ändern, wenn es nach der Julius Graf e.K. (IGROS) in Salz geht. Juniorchef Johannes Graf erklärt, dass IGROS bereits einen Mietvorvertrag für die Ladenräume im ehemaligen Schleckermarkt von Popppenlauer abgeschlossen hat. Was noch fehlt, ist ein Betreiber des Marktes. Der hat sich bislang nicht gefunden.

"Wir hatten mehr Interessenten erwartet", betont Johannes Graf. Seit mehreren Wochen finden sich in wöchentlichen Werbewurfsendungen auch Flyer der Salzer Firma, die auf diesem Weg einen Betreiber für einen Nahversorgermarkt in Poppenlauer sucht. "Ja, es gibt Gespräche mit Interessenten", sagt Johannes Graf. Aber es sei noch nichts entschieden. Andere Interessenten könnten sich jederzeit noch melden.

Johannes Graf ist sich sicher, dass sich in Poppenlauer ein Nahversorgermarkt wirtschaftlich tragen kann. Die Firma kalkuliert damit, dass ab Einwohnergrößen ab 1000 oder 1200 Einwohnern aufwärts ein solcher Lebensmittelmarkt rentabel läuft. IGROS richtet dabei die Märkte komplett ein, stellt das Warensortiment und sucht sich einen Betreiber, der als Selbstständiger den Laden betreibt. Das Franchise- oder Agenturmodell gewährleiste den Einstieg in die Selbstständigkeit ohne großes Eigenkapital, erläutert Johannes Graf. Eigenkapital benötigt ein neuer Betreiber allerdings für eine Kaution zwischen 5000 und 10 000 Euro für die eingestellte Ware.

"Wir renovieren und richten den Laden ein und bestücken ihn", erläutert Johannes Graf das System der Firma. Ware und Einrichtung bleiben Eigentum des Salzer Großhändlers. Der Betreiber organisiert den täglichen Marktbetrieb vor Ort und stellt nach seinen Vorstellungen Personal ein. Die Buchhaltung, Kalkulationen etc. werden wiederum von IGROS übernommen.


Keine 37-Stunden-Woche

Das System funktioniere, meint Johannes Graf und verweist auf 25 IGROS-Läden, die in Unterfranken und Thüringen existieren. Graf verschweigt allerdings nicht, dass die Selbstständigkeit als Nahversorger keine 37-Stunden-Woche ermöglicht. "Selbstständig heißt selbst und beständig", sagt Graf. Ein IGROS-Betreiber müsse selbst mit anpacken und im Laden stehen. "Dann kann man auch davon leben", ist Graf überzeugt. Grundvoraussetzung sei natürlich immer, dass die Bürger das Angebot auch nutzen. "Die Bevölkerung muss mitspielen", meint er.

Der ehemalige Schleckermarkt in Poppenlauer sei ein idealer Standort, findet Johannes Graf. Die Größe passt - es sind 220 Quadratmeter. Parkplätze befinden sich direkt am Haus. Außerdem liegt der Kindergarten gleich nebenan, so dass Mütter einen schnellen Einkauf erledigen können. Findet sich ein Betreiber, könnte der Laden binnen vier Wochen seinen Betrieb aufnehmen, erklärt Johannes Graf. Den Einrichtungsplan gibt es bereits.
Das Konzept von IGROS ist komplett auf den eher kleineren Einkauf ausgerichtet. "Wir wissen, dass der wöchentliche Großeinkauf woanders gemacht wird", sagt Graf. Der Nahversorger sei der Laden, in dem alles das zu bekommen ist, was man für ein Essen braucht, wenn man nicht gerade eine Vorliebe für exotische Küche und Gewürze hat. Bei den Preisen könne man mit den normalen Supermarktketten konkurrieren, sagt Graf. So billig wie Discounter könne man allerdings nicht sein.

Wenn sich in Poppenlauer ein Betreiber findet, dann soll es dort Lebensmittel mit hohem Frischeanteil, Backwaren, eine Frischwursttheke, Obst, Zeitungen, Tabakwaren, Getränke und ein Zeitschriftenangebot geben. Dass Nahversorger auch in Zukunft ihr Auskommen haben, davon ist Johannes Graf überzeugt. Das liegt seiner Meinung nach schon an den hohen Benzinpreisen. "Es lohnt sich nicht mehr, für ein paar Nudeln auswärts zu fahren", sagt Graf.

Sehr begrüßen würde es 2. Bügermeister Diethard Dittmar, wenn Poppenlauer wieder ein Lebensmittelgeschäft bekommen würde. Die Gemeinde selber könne darauf allerdings wenig einwirken. Einzige Möglichkeit sieht er, dass man bei den Stellplätzen ein Entgegenkommen zeigt.