"Moin allerseits" - mit dem typischen Gruß eines Ostwestfalen begrüsste Bernd Gieseking die Freunde des Kabaretts im Bad Kissinger Rossini-Saal. Knapp 50 Gäste waren der Einladung gefolgt, die vom Museum Obere Saline ausgesprochen worden war und in Zusammenarbeit mit der Staatsbad GmbH umgesetzt wurde.Museumsleiterin Annette Späth begrüßte das Publikum. Den Mindener Bernd Gieseking bezeichnete sie als Freund des Museums, er hat bereits mehrere Ausstellungseröffnungen moderiert. Für den Kabarettisten war es nach eigenem Bekunden der fünfte Auftritt und für Bad Kissingen war es die erste Kabarettveranstaltung seit März. Dem Künstler war die Freude darüber anzumerken, als er mit einem "Heute trotzen wir Corona!" in den Abend einstieg.

Auf der Bühne stand ein schlichter, schwarzer Tisch, darauf einige Bücher und ein Wasserglas. Diese Utensilien zeigten, wo der Schwerpunkt des Abends liegen sollte. Gieseking bekräftigte: "Es ist nicht Kabarett, es ist nicht Comedy, es ist ein literarischer Abend über die da unten."

Passend zu Bad Kissingen hatten sich die Organisatoren für das Motto "Früher pflegte ich nur mein Motorrad" entschieden. Gieseking setzte sich humor- und gefühlvoll mit der Hilfe und dem Pflegebedarf der Älteren auseinander. Mit einem spitzbübischen Lächeln und einer angenehmen Stimme unterhält Gieseking knapp 90 Minuten die Gäste - ohne Pause und mit verkürztem Zeitbudget, damit die Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Ausgangspunkt für den literarischen Abend ist die Erkenntnis, dass Giesekings Eltern nun alt sind, dass sie manches nicht mehr machen können wie gewohnt, dass sie Unterstützung brauchen und dass er als Sohn nicht nur in der Pflicht steht, sondern auch etwas zurückgeben möchte. Symbolisch steht dafür sein schwarzes T-Shirt, das vorn einen Wohnwagen zeigt. Ein solcher stand drei Monate im Vorgarten der Eltern, damit er seinen Vorsatz auch umsetzen konnte, denn: "Wir Ostwestfalen können Nähe habe, wenn der Abstand stimmt."

Dass Ostwestfalen einen trockenen Humor haben, bewiesen seine Anekdoten. Gieseking leitete sie mit Erinnerungen aus seinem Leben ein und garnierte sie dann mit einem Text aus dem passenden Buch. Mal ging es um einen Sturz und drei gebrochene Rippen des Vaters, mal ging es um das Absägen einer Tür und die überraschende Erkenntnis: "Erstmalig durfte ich etwas tun, was die Domäne meines Vaters war."

Immer war in den Geschichten und Anekdoten die Zuneigung zu den Eltern zu spüren, die klaglos alt geworden sind, die ihre Krankheiten ohne zu jammern ertragen haben, die nun Unterstützung brauchen und erkennen: "Was ist, wenn du nach drei Monaten wieder gehst?" Daraus ergab sich der Zauber dieses wundervollen Abends: Einerseits aus den humorvollen Schilderungen der wohlbekannten Alltagsszenen und andererseits aus der leisen Mahnung an die jüngeren, die Verantwortung für eine ältere Generation zu tragen. Diese Mahnung gelang ohne erhobenen Zeigefinger, Gieseking sei Dank.