Alt-Oberbürgermeister Kay Blankenburg machte es bei der Präsentation der neuesten Pläne für das Kurgartenresort noch einmal deutlich: "Der Standort liegt an einem Scharnier Bad Kissingens. Dort, wo die Altstadt ins Kurgebiet übergeht. Das, was hier steht, wird jeder sehen." Wer darauf gehofft hatte, das Antlitz des neuen Hotels mit betreutem Wohnen zu Gesicht zu bekommen, wurde enttäuscht. Doch über das Innere gibt es einige neue Informationen.

Wie berichtet, soll anstelle des vor Jahren abgerissenen Steigenberger-Kurhaushotels ein neues 4-Sterne-Superior-Haus mit 132 Zimmern entstehen, acht davon Zweibettzimmer oder Junior-Suiten. Benachbart und über eine gemeinsame Küche ein Stück weit verzahnt wäre das betreute Wohnen mit 58 Wohneinheiten, mit ambulanter und teilstationärer Pflege, verteilt auf sieben Vollgeschosse. Das Hotel soll - wegen der größeren Raumhöhen - sechs Vollgeschosse aufweisen.

Am 22. April hatte der Ferienausschuss des Bad Kissinger Stadtrats den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan des Kurgartenresorts gefasst - der erste Schritt Richtung Baurecht. Im Juni beschloss der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags, das Grundstück an die Investoren zu verkaufen. Gleichzeitig wird bei der Stadt eine Voruntersuchung zur Kulturverträglichkeit erarbeitet. Dabei geht es laut der städtischen Leiterin Stadtplanung und Hochbau, Christine Schwind, unter anderem darum, welche positiven und negativen Auswirkungen das Leuchtturmprojekt auf die Unesco-Bewerbung haben kann.

Erst dann soll es in Richtung Fassadenwettbewerb - also der Gestaltung des Äußeren des Baukomplexes - gehen. Ehe der ausgelobt werden kann, müssen dafür Handlungsempfehlungen und Rahmenbedingungen festgelegt werden. Erst danach geht es in die Bauleitplanung - in der die Öffentlichkeit, Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange einbezogen werden. Insgesamt hofft Architekt Siegbert Wagner, dass das Kurgartenresort im Frühjahr 2023 fertiggebaut ist und eröffnet werden kann.

Ohne Fassadenwettbewerb konnten weder er noch die Projektentwickler Dieter Schäfer (Schäfer Projektentwicklung GmbH & Co. KG Göttingen für das Hotel) und Siegfried Schöbel (Seniosana GmbH Leipzig fürs betreute Wohnen) Aussagen zum Äußeren treffen. Fest steht nur, dass der Komplex die Höhe des benachbarten Hotels Kaiserhof Victoria aufnehmen wird. Über den Anschluss zum Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Am Kurgarten/Ludwigstraße liegen laut Christine Schwind "noch keine Aussagen vor". Die würden die Planer noch nachliefern.

Allerdings soll in diesem Bereich die Zugfahrt zur Tiefgarage und die Anlieferung entstehen, die sich Hotel und betreutes Wohnen teilen werden. Ersterem werden bis zu 100 Autostellplätze zur Verfügung stehen, teilweise mit Elektro-Ladestationen, dazu 40 Fahrrad-Parkflächen. Letzterem stehen laut Plan bis zu 40 Autoparkplätze zu.

Die Einzelzimmer im Hotel sollen eine Größe von 34 bis 43 Quadratmeter aufweisen, inklusive Balkon. Die Zwei-Zimmer-Suiten nehmen eine Fläche von 58 Quadratmeter ein, die Junior-Suiten sind 46 bis 61 Quadratmeter groß. Den Hotelgästen steht künftig ein Restaurant- und Barbereich mit 240 Sitzplätzen zur Verfügung, dazu eine Sky-Bar mit 80 Plätzen. Die Terrasse bietet 70 Plätze.

In einem SPA-Wellness-Bereich von etwa 1000 Quadratmetern können die Hotelgäste sich entspannen und etwas für ihre Gesundheit tun. Ein Eventbereich bietet auf 3500 Quadratmetern Raum für Ausstellungen und ähnliches. Drei Aufzüge führen auf die insgesamt sechs Ebenen.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Das Hotel besitzt noch keinen Namen. Es wird auch nicht unter dem Label einer der gängigen Hotelketten laufen, die meist ganz bestimmte Anforderungen (wie zum Beispiel Zimmergrößen ) erfüllt wissen wollen. Vielmehr soll es eigenständig und individuell sein, wie Lars von der Wettern vom Betreiber Pearl Management mitteilte. Letzteres will er nicht als Marke gesehen wissen, sondern eher als Dach, unter dem das Hotel laufe.

"Der Bau soll Verbindung mit den Menschen aufnehmen, sie hineinziehen". Das solle durch schöne, warme Materialien gelingen, auch durch viel Raum und Licht, aber ohne kalt zu wirken. "Das Hotel kann ohne die Stadt nicht funktionieren."

Ein Aspekt, der Oberbürgermeister Dirk Vogel sehr gefällt. "Es ist kein 08/15-Modell, sondern soll ein Betrieb werden, der in die Stadt eingebettet ist und mit ihr lebt."

Den Bewohnern des benachbarten sogenannten advita-Hauses wird laut Siegfried Schöbel eine "dem Standort angemessene Betreuung" angeboten. Es handele sich um "gehobene Mittelklasse". Der advita-Pflegedienst als Betreiber sei aber "kein Luxusanbieter".

Die Größe der Wohnungen liegt hier zwischen 37 und 110 Quadratmeter, inklusive Balkon. Das Restaurant bietet 60 Plätze, die bewirtschaftete Terrasse 30. Zwei Aufzüge führen in die einzelnen Geschosse.

Alt-OB Blankenburg war glücklich über die Einladung zur Projektpräsentation. Noch glücklicher wäre er, wenn er zur baldigen Eröffnung des "Meilensteins" geladen würde.