Zentimeter für Zentimeter bewegt sich die Spitze des 59 Meter langen Windrad-Flügels an einer Hauswand entlang, unter einer Überdachung hindurch und vorbei an einer Scheune. Deren Ecke wurde in den vergangenen Tagen teils abgetragen, das Dach abgedeckt, die Straßenlampe davor abmontiert. In Wülfershausen war man bereit für den Schwertransport, der die Rotorblätter für den Windpark Wargolshausen/Wülfershausen brachte.

Viele Beobachterinnen und Beobachter

Zahlreiche Wülfershäuser hatten sich dann auch Mittwochnacht für das Spektakel an den neuralgischen Punkten eingefunden. "Da muss man dabei gewesen sein", "Das ist doch ein Ereignis für unser Dorf", "Einfach nur krass", hieß es von den Beobachterinnen und Beobachtern des Schwertransports. Immer wieder wurden mit den Handys Fotos geschossen oder auch das Ereignis im Film festgehalten. Es war viel los im Ort in den Nachtstunden von Mittwoch auf Donnerstag.

Rund 20 Tonnen bringt ein Rotorblatt auf die Waage und hat eine Länge von 59 Metern. Hergestellt wurden sie in Cuxhaven und kamen dann über die Autobahn A 71 nach Wülfershausen. Das Schwerlast-Team, das den Transport begleitete, war routiniert - denn solch eine Aufgabe wird nahezu täglich von ihnen verlangt. Wichtig sei die Vorbereitung gewesen und der genaue Streckenverlauf, weshalb man vor zwei Wochen bereits vor Ort war. Ab dem Rasthof "Mellrichstädter Höhe" übernahmen Beamte der Polizeiinspektion Bad Neustadt gemeinsam mit dem Schwertransport-Team die Absicherung.

Rotorblätter auf drei Lkw verteilt

Die Rotorblätter waren auf drei Schwerlast-Transporter verteilt. Eine erste Hürde musste an der Autobahnabfahrt und dann im Bereich des Friedhofs genommen werden: Dort mussten die Lkw zurückstoßen, um auf die Straße in Richtung Spielplatz zu kommen.

Nicht nur der Fahrer musste dabei ein präzises und sicheres Augenmaß haben, sondern auch der Mann, der am Ende des Fahrzeugs die Hinterräder steuerte. "Das geschieht mit dem kleinen schwarzen Kästchen, das er in der Hand hat", erklärte dessen Kollege. Einen kurzen Halt gab es dann noch auf der Zufahrtsstraße zum Spielplatz. Dort überprüften die Fahrer noch einmal die gesamte Ladung, schauten nach den Absicherungen und ließen dann das Gefährt langsam anrollen.

In Wülfershausen selbst gab es zwei Engstellen im Wohngebiet: Zum einen war dies nach der Einfahrt in den Ort die Kurve an der Brücke über die Fränkische Saale und wenige Meter weiter eine Überdachung, eine Straßenlaterne, Straßenschilder und eine recht enge Kurve. Im Schritttempo bewegte sich das Fahrzeug, wobei der Fahrer immer im Sprechfunkkontakt mit dem Team vor, hinter und an der Seite des Transporters war.

Ein ganzes Team achtete auf den Ablauf

Diese hatten ihre Augen überall, achteten darauf, dass kein Haus beschädigt und auch sonst niemand zu Schaden kam. Immerhin gab es viele Zuschauerinnen und Zuschauer, "ein kleines Volksfest", wie einer der Fahrzeugbegleiter sagte: "Aber das kennen wir, vor allem in kleineren Ortschaften." Der Transport durch Wülfershausen sei eigentlich kaum ein Problem.

"Da haben wir schon ganz andere Transporte gehabt, unter anderem einmal durch eine lange Allee, wobei immer wieder Äste auf die Seite gezogen oder abgesägt werden mussten", erklärte er. Gute acht Stunden habe man dafür gebraucht.

Auch in Wülfershausen dauerte es eine Weile: Gegen 22.30 Uhr war der Transport im Ort angekommen, das letzte Fahrzeug wurde gegen 2 Uhr unterhalb des Windrades abgestellt. Bürgermeister Wolfgang Seifert kam beim zweiten Windrad noch dazu. Er hatte an diesem Abend noch eine Gemeinderatssitzung gehabt.

Er berichtete, dass viel Vorarbeit notwendig war: Es musste eine Probefahrt gemacht werden und ebenso einige Bäume auf dem Weg gefällt werden. Die erste Lieferung Rotorblätter für den Windpark hat mit Millimeterarbeit nun geklappt.

Weitere werden folgen: Noch neunmal werden die Schwerlast-Lkw nach Wülfershausen kommen bis alle Flügel der Windräder geliefert sind.