Der Trend ist konstant: Eine schrumpfende Zahl Schulabgänger trifft auf eine hohe Zahl freier Ausbildungsstellen. "Es hat sich nicht viel geändert. Wir haben im Landkreis Bad Kissingen zum vierten Mal in Folge mehr freie Stellen als Bewerber", sagt Walter Seit, zuständiger Bereichsleiter der Arbeitsagentur Schweinfurt. Das bedeutet zwar, dass viele Unternehmen händeringend Nachwuchskräfte suchen, aber dass auch schwache Schüler Chancen auf eine Lehre haben.

Unternehmen aus dem Kreis haben dieses Jahr 875 freie Stellen gemeldet (2015: 864 Stellen). Dem gegenüber stehen 776 junge Menschen, die sich über die Agentur für Arbeit um eine Stelle beworben haben. Vor vier Jahren waren es noch rund 900 Jugendliche, die die Ausbildungsvermittlung genutzt haben. Einerseits kümmern sich zwar viele Schulabgänger eigenständig um die Suche, andererseits sind die Schulabgängerzahlen bundesweit rückläufig. "Das Schülerpotenzial gerade für die betriebliche Berufsausbildung nimmt leicht ab", berichtet Seit.
Die Arbeitsagentur sieht das veränderte Bildungsverhalten der Jugendlichen als eine Hauptursache für den Rückgang. Insbesondere Realschüler streben eher eine höhere Schulbildung an, als dass sie eine Ausbildung beginnen. "Das Übertrittsniveau an weiterführende Schulen bleibt hoch. Jetzt haben wir aber wohl den Zenit erreicht", schätzt Seit. Dafür spricht, dass sich zuletzt wieder etwas mehr Abiturienten für eine duale Ausbildung mit begleitendem Studium interessieren.

Zwischen Stellenangeboten und Nachfrage besteht je nach Branche ein starkes Ungleichgewicht: So kommen aktuell im Baugewerbe auf 165 gemeldete Lehrstellen gerade einmal 35 Bewerber. Im Landkreis haben es zudem Handwerksbetriebe und Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen schwer, Auszubildende zu finden. Überlaufen sind dagegen Büroberufe, besonders in den Bereichen Fachinformatik und Mediengestaltung.


Frauen wollen in Männerberufe

Mit dem Industriemechaniker hat es zum zum ersten Mal eine klassische Männerdomäne in die Top Ten der weiblichen Berufswünsche geschafft. Der Experte der Arbeitsagentur wertet das als Erfolg für Informationsveranstaltungen wie den Girls Day. Seit betont, dass sich Betriebe im Wettbewerb um Nachwuchskräfte künftig noch stärker darum bemühen müssen, ihr Berufsbild und sich als Arbeitgeber attraktiv darzustellen. Der Arbeitsmarkt zeigt sich im Herbst insgesamt robust: Die Arbeitslosenquote war im Oktober deutlich zurückgegangen. Es wurde der niedrigste Stand des Jahres erreicht, insgesamt waren in der Region 8174 Erwerbslose gemeldet.

Inzwischen haben rund zehn Prozent aller arbeitslosen Menschen einen Fluchthintergrund. Der Schritt ins Berufsleben wird allerdings oft blockiert durch fehlende Sprachkenntnisse und abweichende Arbeitsstandards in den Herkunftsländern. Dabei besteht ein hoher Einstellungsbedarf der Unternehmen. Mit 4012 offenen Stellen wurde ein neuer Höchststand erreicht.