Erst BAP und einen Tag später Peter Kraus haben den Bad Brückenauer Schlosspark gerockt. Rund 1500 Fans der Kölner Kultband waren am Freitag nach drei Stunden Konzert glücklich und traurig zugleich, als gleißendes Bühnenlicht nach der fast einstündigen Zugabe vom Konzertende kündete. Glücklich, weil die Vollblutmusiker ihr Publikum wunderbar unterhalten hatten. Traurig, weil ein Abend mit BAP gar nicht zu enden braucht. Trotz des Temperatursturzes kamen dann am Samstag rund 1000 Menschen, um zu sehen, dass Peter Kraus mit seinen 72 Jahren immer noch sein Publikum begeistern kann.
Sympathisch und beeindruckend zugleich ist die Bühnen-Präsenz von BAP-Sänger Wolfgang Niedecken, doch Starkult ist dem mittlerweile 60-Jährigen fremd. Der Frontmann steht für gehaltvolle, poetische, aber auch politische Texte. Und für eine gehörige Portion Humor - wie es sich für einen waschechten Rheinländer gehört. So bunt wie das Leben, so facettenreich sind die Lieder von BAP, in denen die Spielarten der Liebe ebenso intensiv verarbeitet werden wie Miss-Stände in der Gesellschaft oder eben auch mal ein Abenteuer im Waschsalon.
Ein echter Gewinn: Anne de Wolff. Die 40-Jährige ist mittlerweile Stammgast bei BAP und verleiht mit ihrem wunderbaren Geigenspiel gerade den Balladen noch mehr Tiefe. An der aufziehenden Kälte lag es jedenfalls nicht, dass sich bei Klassikern wie "Jraaduss", "Do kanns zaubere" oder "Helfe kann dir keiner" so manche Gänsehaut einstellte. Im Lied-Kaleidoskop durften natürlich "Verdamp lang her" ebenso nicht fehlen wie "Kristallnaach" oder "Nemm mich met".
Alle Künstler sind Virtuosen ihres Faches: Im Zusammenspiel mit Werner Kopal (Bass), Jürgen Zöller (Schlagzeug), Helmut Krumminga (Gitarre) und Michael Nass (Keyboard) werden Niedeckens Spiel und Gesang zum Gesamtkunstwerk. Dass sich Niedecken einen Spaß daraus machte, sein Publikum mal eben in kölscher Mundart zu unterrichten, wirkte denn auch keinesfalls missionarisch. War vielmehr ein Beispiel dafür, dass der bekennende Fan des 1. FC Köln nicht nur sein Repertoire abspult, sondern Wert auf Interaktion mit dem Publikum legt. Das Lob ans Auditorium kam prompt: "akzentfrei". Der einzige Sockel blieb an diesem Abend mit nur kurzem Regenschauer für König Ludwig I. von Bayern reserviert, der als Denkmal in "seinem" Schlosspark sicher staunte über die Textsicherheit der Unterfranken.
Ihr erstes BAP-Konzert erlebt Martina Jäger aus Dittlofsroda mit ihrem Partner Thomas Uebel. Die 43-Jährige gehört zu den Gewinnern einer Verlosungs der Saale-Zeitung. "Früher habe ich BAP zwar mehr gehört, aber ich freue mich jetzt richtig auf das Konzert." Echte "Profis" kamen dagegen aus Bad Kissingen, Kleinbrach und Hausen. "Wenn alle zwei Jahre BAP unter dem Kölner Dom spielt, ist das das Schönste im ganzen Jahr", findet Dagmar, die Ende Mai mit einem Dutzend Gleichgesinnter zum dritten Mal das Konzert auf der Domplatte erlebt hatte und für die ein Besuch im Schlosspark Ehrensache ist.
Mit ihrer Clique hatte die Kleinbracherin bereits das Konzert in Coburg besucht. Quasi in die Wiege gelegt wurde Monique die BAP-Passion. Die Eltern Shirley und Ralph sind Stammgäste bei der Kölner Legende und bescherten nun der Tochter das erste Live-Erlebnis. "Mit BAP verbinde ich viele Gefühle, viele Emotionen, aber auch gute Laune und Freunde", erzählt Shirley. Kumpel Matze wird das Konzert sicher ebenfalls nicht vergessen. Seinen auf die Bühne geworfenen Fanschal hatte sich Werner Kopal kurzerhand umgelegt.
Seit 35 Jahren stehen BAP auf der Bühne. 17 Alben haben Niedecken und Co. veröffentlicht. Das Gros der Zuhörer im Schlosspark hat die ersten großen Erfolge der Band in den 80er Jahren bereits miterlebt. Die Wunderkerzen und Feuerzeuge sind vielleicht weniger geworden, die klatschenden Hände über dem Kopf auf Brusthöhe gesunken, doch die Emotionen der Fan-Gemeinde sind und bleiben gefühlsecht. Was eben daran liegt, dass Niedecken und Co. in Sachen Authentizität nichts eingebüßt haben. Wolfgang, bliev su, wie de bist.
"Rock'n'roll is back" hieß es dann einen Abend später bei Peter Kraus: "Ich fühle mich, wie in meine Jugend versetzt", fasste Heinz Kopp das Gefühl vieler Konzertbesucher zusammen. Aber auch viele Jüngere klatschten mit und ließen sich von "Jailhouse Rock" oder "Twist and shout" von den Stühlen reißen.

Weitere Bilder in der BAP-Bildergalerie