Fasching steht vor der Tür und die Kräppelsaison läuft gerade an. Nach dem Hochbetrieb an Weihnachten folgt gleich der nächste Höhepunkt. Die Zeit ist knapp und es muss noch viel organisiert werden. "Früher wurden die Säcke Mehl noch auf dem Rücken transportiert", erklärt Mario Schneider. In der Backstube steht die große Mischmaschine, die mit mehreren Mehltanks verbunden ist.

Seit über 60 Jahren mischt sie das Mehl und erleichterte bereits Großvater Hermann Schneider und den Helfern die Arbeit. Daneben steht eine 40 Jahre alte Teigknetmaschine. "Sie hat nur einen Knopf: An und aus", merkt der 46-jährige Bäckermeister an. Sie laufe jeden Tag zwei Mal und funktioniere besser denn je.


Umzug in Altengronauer Straße

Begonnen hat alles im Jahr 1938 in der Wassergasse 7. Dort errichtete der Großvater die Bäckerei Schneider. Sein Sohn Bruno wurde im Jahr 1946 geboren und übernahm Ende der 1970er Jahre den Betrieb. Doch das in die Jahre gekommene Gebäude erfüllte nicht mehr die Anforderungen und schließlich wurde im Jahr 1994 die heutige Bäckerei in der Altengronauer Straße gebaut. Das Mehl gelangt hier ebenerdig in das Gebäude. Die große Backstube mit den Öfen bietet ideale Bedingungen für das Handwerk. "Wir machen alles selbst. Das sieht man unseren Waren natürlich auch an. Es ist reine Handarbeit und nicht jedes Gebäck gleicht dem anderen. Das ist ein Unterschied zu den Tiefkühlbäckern", sagt Mario Schneider etwas verärgert.

Die Weihnachtszeit sei besonders stressig, denn auch die Plätzchen sind von Hand gebacken. "Unser Geschäft läuft gut, viele Menschen besinnen sich auf das Handwerk", berichtet er. Außerdem liege die Bäckerei strategisch günstig für diejenigen, die jeden Morgen nach Hessen fahren, fügt seine Frau Anja hinzu. Auch sie arbeitet seit 16 Jahren voll in dem Betrieb mit. Ihr Mann hat 1996 die Meisterprüfung absolviert und das Geschäft 2012 übernommen.


Bäcker als Lebensmittelladen

Neben zwei Gesellen und sieben Teilzeitkräften ist auch Mutter Lydia Schneider im Laden dabei. Bis zum plötzlichen Tod letztes Jahr erledigte Vater Bruno die Büroarbeiten. "Wir haben hier auch Verantwortung. Da hängen Familien mit dran", sagt Mario Schneider. "Das kann man nicht ohne Herzblut machen." Neben Backwaren gibt es einen Kühlschrank mit Wurstwaren der Metzgerei Schuhmann aus Weißenbach sowie ein Regal mit regionalen Produkten. "Das ist uns wichtig", kommentiert Schneider. "Schauen Sie sich um, es gibt kein Lebensmittelgeschäft und keinen Metzger hier", meint Ehefrau Anja. Viele Alte aus dem Ort suchen nach Möglichkeiten für den Einkauf.

Zwei große Verkaufsfahrzeuge fahren wöchentlich die frischen Backwaren in der Umgebung aus und ein Auto beliefert das Haus Waldenfels, das Kurstift, die Sinntalklinik, die Mittelschule und die Prümmer Klinik sowie einige Pensionen.

Doch sei es schwierig, Azubis zu finden. Die Arbeitszeiten und die körperliche Arbeit schrecken ab, denkt Mario Schneider. "Uns fällt auf, dass immer mehr Mädchen Interesse an dem Handwerk zeigen", berichtet er. Zum nächsten Ausbildungsjahr beginnt ein Mädchen die Ausbildung bei Schneiders. Auch die 16-jährige Tochter hat bereits reingeschnuppert. Möglicherweise wird es eine 4. Generation geben. "Wir haben es dem Vater versprochen, dass es weitergeht", sagt Mario Schneider.

Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) betont die Wichtigkeit der Bäckerei im Ort: "Wir hatten einst zwei Bäckereien, drei Lebensmittelläden, mehrere Kneipen, Metzer, Apotheke, Blumenladen. Doch davon ist nicht viel geblieben. Deshalb ist der Bäcker Schneider absolut in den Mittelpunkt gerückt. Den Menschen ist ein Treffpunkt wichtig und den finden sie hier", sagt Friedrich.


Blick in die Backstube

Termin Zum Faschingsumzug am Sonntag, 19. Februar, bietet Familie Schneider einen Einblick in die Backstube. Dort können die Gäste miterleben, wie der Bäcker die Kräppel backt.