Mal wieder tanzen gehen, ein Konzert besuchen, durch eine Messe streifen oder sich auf dem Dorffest vergnügen? An sich sind öffentliche Festlichkeiten wieder erlaubt. Bei drinnen stattfindenden Events dürfen derzeit in Bayern 100 Menschen kommen, draußen dürfen es 200 sein.

Was sich in der Theorie gut anhört, klappt in der Praxis laut Veranstaltungstechniker Marcus Karrlein (Mac) nicht: "Es sind zwar wieder Veranstaltungen möglich. Aber unter Auflagen, die in dem Sinn nicht einzuhalten sind." Denn um die Abstände zu gewähren, müsse der Raum entsprechend groß sein.

Wie sind die Vorgaben?

Jürgen Wehner gehört die Stangenrother Firma Top Eventservice, ein Eventausstatter. Er erklärt: "200 Leute bekommt man derzeit prinzipiell auf jedem Sportplatz unter." Für Veranstaltungen im Innenbereich wird es schwer, eine Halle zu finden, die groß genug ist:

"In die Rhönfesthalle In Stangenroth dürfen derzeit 50 Leute rein. Es gilt die Zehn-Quadratmeter-Regel." Also: Pro Zehn Quadratmeter eine Person. Für Veranstaltungen im Innenraum bräuchte es bei 100 Personen den Regentenbau oder die Wandelhalle. Normal passen in den Regentenbau 1200 Personen.

Mehr Material und Arbeitskraft benötigt

"Das ist absoluter wirtschaftlicher Irrsinn", findet Mac, der Veranstaltungstechniker. Events mit gutem Sicherheitskonzept wären für Mac möglich - es würde sich jedoch nicht rechnen: "Wir brauchen mehr Technik, mehr Platz, mehr Security. Wer will das denn bezahlen?"

Beispielsweise bräuchte er in einem größeren Raum mehr Musikboxen und Lichter. Ab einer bestimmten Größe seien Videowände sinnvoll, dass die Leute ganz hinten sehen, was auf der Bühne passiert. Ebenso bei einer Veranstaltung draußen. Zudem brauche es bei einem größeren Platz mehr Absperrgitter, um das Gelände einzuzäunen.

Somit braucht es durch die Abstandsregeln pro Person mehr Material. Er rechnet vor: "Sagen wir, ich habe eine Veranstaltung mit 200 Leuten, bei der ein Kostenvolumen von 20 000 Euro entsteht." In den Kosten hat er das Mehr an Material und Arbeit schon miteingerechnet, das durch die coronabedingten Vorgaben hinzukommt.

Kosten nicht mehr gedeckt

Durch die geringere Anzahl an Besuchern würden die Einnahmen die Ausgaben nicht decken. Die Veranstaltung wäre ein Minusgeschäft. Normalerweise würden 3500 Besucher bei einer Veranstaltung dieses Kostenvolumens kommen. Die einzige Möglichkeit, dass das Event rentabel würde: "Die Tickets oder die Getränkepreise müssten wahnsinnig teuer sein." Er sieht daher solche Veranstaltungen in nächster Zeit kaum realisierbar.

Der Selbstständige fordert Hilfen von der Politik. "Was ich nicht verstehe: Selbst Politiker machen Veranstaltungen. Es braucht eine Band, Techniker, Caterer, jemanden für die Deko, Geschirr, das ich vielleicht mieten muss, vielleicht eine Spülmaschine. Dann noch Leute, die alles aufbauen und betreuen müssen."

Messeabsagen bis April

Er verstehe nicht, wie Politiker, die oft auf Events seien, diese große Branche vergessen können. Der Fuchsstädter glaubt, dass 50 bis 60 Prozent der Branche die Krise nicht übersteht. Eventausstatter Wehner schätzt, dass die Veranstaltungsbranche um 30 Prozent schrumpft.

"Vor allem im Messebereich. Wir haben Messeabsagen bis in den April", sagt Wehner. Seine Firma wird zwar die Kissinger Gesundheitstage betreuen, aber: "Das Hygienekonzept lohnt nicht, die Veranstaltung überhaupt zu beginnen." Es dürften beispielsweise nur 225 Besucher die Halle betreten, der Rest müsse warten.

400 Besucher bei Michl Müllers Auftritt

Wehner ist skeptisch, ob die Besucher so geduldig seien, sich für den Eintritt zur Messe anzustellen und zu warten. Ebenso skeptisch ist er über die Wirtschaftlichkeit des Auftritts von Michl Müller im September, den seine Firma organisiert.

Hier seien 400 Besucher zugelassen, weil das Luitpoldbad eine anerkannte Kulturstätte sei. Dennoch reiche die Anzahl der Besucher nicht aus, um die Kosten des Bühnenaufbaus oder der Bestuhlung zu decken. "Ohne Sponsoren lohnt es sich nicht", bilanziert Wehner.

#AlarmstufeRot

Bündnis Zu "Alarmstufe Rot" gehören Initiativen und Verbände der deutschen Veranstaltungswirtschaft. Sie haben sich im Kontext der Corona-Beschränkungen zusammengeschlossen. Das Bündnis fordert beispielsweise Überbrückungs- und Kreditprogramme.

Aktion Am 22. Juni leuchteten über 8000 Gebäude in Deutschland rot. Durch die "Night of Light" wollte die Branche auf sich aufmerksam machen. Ziel war es, mit der Politik ins Gespräch darüber zu kommen, wie eine Rettung der Branche möglich sei.emue