Allmählich naht der Herbst und die Biergartenzeit neigt sich dem Ende zu. Zeit, um einen Blick auf die Corona-Sommer-Saison der Bad Kissinger Gastronomie zu werfen. Der Tenor aus der Branche: Der Sommer war machbar, Herbst und Winter werden härter.

Für Florian Griebel hat sich die Saison gelohnt. Er betreibt zusammen mit seinem Bruder Johannes Griebel den Stadtstrand, der in seine letzten Tage geht. Nach neun Tagen Aufbau haben sie ihn am 11. Juni eröffnet. "Normalerweise machen wir Mitte Mai auf. Wir haben den Start coronabedingt nach hinten verschoben. Es war die ganze Zeit fraglich, ob wir überhaupt aufbauen", erzählt Griebel.

Vom ersten Tag an viel los

Als die Lockerungen kamen, hätten sie mit Oberbürgermeister und Stadträten besprochen, ob und wie sie die Stadtstrandsaison umsetzen. "Es ist für mich ein Privileg, dass wir wieder aufmachen durften", meint er. Vom ersten Tag an sei viel los gewesen.

"Schwierigkeiten gab es eigentlich nicht. Auseinandersetzungen haben sich mit zwei bis drei vernünftigen Worten geregelt", erinnert sich der Gastronom. Als Besitzer mache er sich täglich Gedanken: "Das schwirrt einem immer im Kopf herum: Was, wenn sich doch jemand ansteckt? Aber ich habe gelernt, nicht viel darüber nachzudenken und einfach alle Vorgaben einzuhalten", berichtet er.

Kleinere Fläche und mehr Abstand

Anders als in den Vorjahren sei neben Masken und Abstand gewesen, dass es keine Innenplätze gab. Daneben war der Eingang immer mit einer Person besetzt, die die Gäste begrüßte, eine Kontaktadresse aufnahm und auf die Hygieneregelungen aufmerksam machte. Und die Fläche des Platzes war kleiner als normal.

Durch diese Gegebenheiten seien die Einnahmen deutlich geringer ausgefallen, als in einem normalen Jahr. Unterm Strich waren es fast 50 Prozent weniger. Mit dem Verlauf der Saison ist er dennoch zufrieden: "Wir haben mehr erreicht, als wir anfangs zu hoffen gewagt haben."

Das geplante Oktoberfest ist Corona zum Opfer gefallen. "Das wird aber nächstes Jahr nachgeholt", versichert Griebel. Er sei froh, dass er überhaupt habe öffnen können. "Wir haben ein kleines Verabschiedungsfest, sozusagen ein kleines Strand-Closing, gemacht. Mit Freunden, Bekannten und Zulieferern. Wir haben noch mal angestoßen, weil die Eröffnungsfeier nicht möglich war." Bis 6. September hat der Stadtstrand noch geöffnet.

Durchwachsener Start

Auch die Gastronomen in der Innenstadt verzeichneten diesen Sommer weniger Einnahmen als üblich. Christian Hänsch, Betreiber der Kultkneipe "Zoom Eulenspiegel", sagt: "Ich lasse mich nicht unterkriegen und schaue nach vorn. Es muss weitergehen." Um das zu gewährleisten, hat er mittlerweile zwei Jobs: "Ich arbeite seit Mai wieder als Pfleger und habe noch die Eule nebenbei." Um das zu stemmen, halte ihm seine Familie den Rücken frei.

"Was das Sommergeschäft angeht: Da spielt das Wetter eigentlich immer eine Rolle", meint der Kneipier. Heuer sei die Biergartensaison für die Eule deshalb erst im Juni gestartet. "Das war eher ein durchwachsener Start", sagt Hänsch.

In reduzierter Besetzung

"Der Juli war super. Das war fast wie im vergangenen Jahr - und das ohne Rakoczy-Fest." Als Ursache für den bislang bescheidenen August sieht er die Haupturlaubszeit. "Wenn kein Biergartenwetter ist, kann ich eigentlich zu lassen." Einen Tag musste er zudem wegen Bauarbeiten vor der Türe den Biergarten geschlossen lassen. "Die Leute trauen sich glaube ich noch nicht so recht in die Kneipen", meint er.

Auf die verringerte Gästezahl hat er sich bereits eingestellt. "Wir arbeiten in reduzierter Besetzung. Unter der Woche reicht eine Person in der Eule, am Wochenende muss ich schauen, dass ich zwei Leute habe, die die Eule schmeißen."

Bedenken für die Herbstmonate

Auf einen schleppenden Beginn der Biergartensaison verweist auch Emmanuel Papadopoulos, von "Emmanuels Restaurant und Bar". "In der ersten Zeit, als wir nur bis 20 Uhr öffnen durften, war das unrentabel. Das hat sich dann ganz langsam erholt, als wir länger öffnen durften." Der August sei trotz der Ferien ein umsatzstarker Monat gewesen.

Was dem Inhaber der Bar aufgefallen ist: "Das sind nicht nur Stammkunden, sondern auch viele Gäste, die zum ersten Mal in Bad Kissingen sind." Er sieht darin eine gute Chance für Bad Kissingen und den Tourismus vor Ort.

Bedenken hat Papadopoulos für die Herbstmonate. "Ich habe im Außenbereich nicht ganz 50 Plätze. Das funktioniert mit den Hygieneauflagen. Wenn dann das schlechte Herbstwetter kommt, sitzt draußen niemand mehr." Im Innenbereich gibt es weniger Plätze. Hinzu kommen noch die notwendigen Auflagen. "Was dann den Umsatz und die Kostendeckung angeht, wird das schwierig." Die nahe Zukunft sei deshalb risikoreich. Aber: "Wir schauen es uns mal an."

Für die derzeitige Situation zufrieden

Matthias Schultheis, Inhaber vom Restaurant Platzhirsch am Marktplatz, berichtet, dass er mit einem blauen Auge durch die Saison gekommen ist. "Ich habe einige Tische rausnehmen müssen, um die Abstände einzuhalten", sagt er. Die Tische seien zwar voll besetzt, aber dem Gastronomen fehlen im Vergleich zu normalen Jahren dennoch Gäste und damit Umsatz.

"Wir sind weit von 2019 entfernt. Für die derzeitige Situation bin ich aber zufrieden", meint Schultheis. Auch er blickt skeptisch auf die kalte Jahreszeit. Im Restaurant fehlt ihm aufgrund der Hygienevorschriften rund ein Drittel der Sitzplätze. Statt 70 wird der Platzhirsch dieses Jahr nur 50 Gäste gleichzeitig bewirten können. "Aber die kriegen wir schon voll", sagt er zuversichtlich.