Als Markus Wittenberg und Nadine Dittmeier im November das Forsthaus Klaushof eröffnet haben, ahnten sie nicht, dass ihnen eine schwere erste Saison bevorstehen würde. Das Geschäft lief zwar zunächst gut - bis zum Corona-Schock im März, als die Regierung den Lockdown verhängte und die Gastronomen das Traditionsgasthaus erst einmal für zwei Wochen zusperrten. "Wir sind in diesen Wochen richtig lethargisch gewesen. Wir hatten so viel Geld und Herzblut hineingesteckt und wussten dann plötzlich nicht mehr: Was sollen wir machen", sagt Wittenberg.

Inzwischen hat sich der Klaushof wieder einigermaßen gefangen, auch dank der staatlichen Soforthilfen und weil die Stadt bei der Pacht mit Stundungen entgegenkam. "Wir mussten keine Mitarbeiter entlassen", berichtet der Koch. Nach der kurzen Schließung entschied das Paar, Essen zum Mitnehmen anzubieten und sie öffneten den Kiosk für Wanderer und Spaziergänger. Das stellte sich als Glücksgriff heraus: "Das Kioskgeschäft hat uns über Wasser gehalten", meint Dittmeier. Der Umsatz sei dennoch um 50 Prozent eingebrochen.

Gäste haben Berührungsängste

Nachdem der Lockdown schrittweise gelockert wurde, ist wieder so etwas wie ein Alltag eingekehrt. Den Kiosk haben die Betreiber in der vorigen Woche renoviert und auf einen modernen Stand gebracht. Biergarten, Terrasse und Innenbereich des Forsthauses haben wieder geöffnet, allerdings läuft das Geschäft bislang noch verhalten. Wittenberg: "Wir merken, dass die Gäste noch Berührungsängste haben. Das verstehen wir natürlich."

Die Gastronomen hoffen, dass sich die Lage im Sommer weiter normalisiert, auch wenn keine größeren Feste und Veranstaltungen stattfinden. "Es ist nichts geboten und da wollen wir etwas tun. Das ist auch unser Dank an die Stadt und die Leute hier", sagt Wittenberg. An dem Wochenende, an dem normalerweise Zehntausende in Bad Kissingen das Rakoczy-Fest gefeiert hätten, veranstaltet deshalb das Forsthaus Klaushof ein Weinfest (24. bis 26. Juli) in seinem Biergarten, mit Weinständen vom Winzer, Livemusik und sogar einem Festgottesdienst am Sonntagvormittag.

Security im Biergarten

Der Biergarten wird dafür so abgesperrt, dass es nur einen Ein- und Ausgang auf das Grundstück gibt. "Eine Security regelt den Einlass und achtet darauf, dass die Leute die Hygieneregeln einhalten", sagt Wittenberg. Tanz und Rambazamba vor der Bühne sind nicht gestattet. Das Weinfest solle eher dafür sorgen, einmal wieder in gemütlicher Atmosphäre zusammenzukommen - natürlich mit den in der Gastronomie üblichen Coronavorkehrungen.

Freitags und samstags ist um 21.30 Uhr Ausschankschluss, um 20.30 Uhr und 21.30 Uhr gibt es einen kostenlosen Shuttleservice mit der Geckobahn nach Bad Kissingen. Bis zu 999 Gäste dürfen die Gastronomen nach eigenen Angaben auf dem Gelände bewirten. Damit die genug Platz haben und die Mindestabstände wahren können, wird ein Teil des Parkplatzes für das Weinfest mitgenutzt. "Für uns ist das Fest eine Erweiterung unseres normalen À-la-carte-Geschäftes", erklärt Dittmeier. Deshalb darf die Biergartenveranstaltung trotz des nach wie vor gültigen Verbotes für Großveranstaltungen stattfinden.

Das Weinfest haben die Gastronomen bei der Polizei angekündigt und sie haben sich mit der Stadt Bad Kissingen abgestimmt. "Die geplante Veranstaltung findet im Rahmen der bestehenden Gaststättenkonzession statt. Zusätzliche Genehmigungen sind nicht erforderlich", erklärt Rathaussprecher Thomas Hack. Um die Gaststätte zu betreiben, benötige der Wirt ohnehin ein Hygienekonzept nach den Vorgaben der Infektionsschutz-Verordnung.

Frost und Corona beuteln Winzer

Die Winzer im Saaletal wurden dieses Jahr durch Frost und Corona schwer gebeutelt. Die Nachfrage nach Wein ziehe zwar allmählich wieder an, insgesamt bewertet Klaus Schäfer aus Untererthal die Lage aber zurückhaltend. Er beliefert den Klaushof und ist mit einem Stand auf dem Weinfest vertreten. "Das ist das erste und wahrscheinlich auch das einzige Fest in diesem Jahr", sagt der Winzer. Ihm bleibe aktuell nichts anderes übrig, als nach vorne zu schauen und zu hoffen, dass das nächste Jahr wieder besser wird.

Unsicherheit bei Lichterglanz

"Solche Initiativen sind wünschenswert, wenn die entsprechenden Hygienevorschriften eingehalten werden", findet Ralf Ludewig, Vorsitzender von Pro Bad Kissingen. Der Stadtmarketingverein plane für Sommer und Herbst keine Aktionen. "Da Großveranstaltungen verboten sind, haben wir alles auf Eis gelegt", sagt er. Sollten die Vorgaben gelockert werden, werde der Verein sich neue Gedanken dazu machen. Überlegt werde, verkaufsoffene Sonntag zu organisieren. Die müssten dann allerdings ohne die begleitende Märkte und ohne Livemusik auskommen.

"Die nächste Großveranstaltung, die wir planen, ist der Weihnachtsmarkt im Dezember", berichtet Ludewig. Allerdings ist hier auch noch nicht sicher, ob er stattfinden kann. Der Lichterglanz sei nur möglich, wenn das Infektionsgeschehen und die staatlichen Vorgaben es erlauben.