Brauchen die Schulen mobile Luftreiniger, um Kinder und Lehrer in der Pandemie besser zu schützen? Diese Frage wird kontrovers diskutiert. Marietta Menz, die Leiterin der Sinnberg-Grundschule, hat da eine ganze klare Meinung: "Wir wollen die", sagt sie. Die Lüftungsgeräte würden zwar regelmäßiges Lüften und das Maskentragen nicht ersetzen, aber sie erhöhen den Schutz. "Sie unterstützen das Gesamtkonzept. Es ist ein weiterer Baustein für die Sicherheit", findet sie.

Kritischer bewertet ihr Kollege Hans-Jürgen Hanna, Rektor der Anton Kliegl-Mittelschule das Thema. "Hier in dem alten Schulgebäude können wir sehr gut lüften", erklärt Hanna für die Mittelschule. Er beruft sich auf eine Einschätzung der kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB), wonach eine Anschaffung nicht zwingend nötig sei. Die mobilen Luftreiniger ersparen den Kindern nicht das Maskentragen, regelmäßiges Lüften ist weiterhin erforderlich, der Einbau sei technisch herausfordernd, zudem seien die Geräte teuer und bisher sehr laut, wenn sie unter Volllast betrieben werden. "Aus meiner Sicht sind sie nicht notwendig."

Der Stadtrat entschied in seiner Sitzung am Mittwoch über die Anschaffung. Es folgte eine kontroverse, aber sehr sachliche Diskussion.

Der Geschäftsleiter des Rathauses, Gerhard Schneider, betonte, dass es keine einheitliche Expertenmeinung zur Sachlage gebe. Nach wie vor sei Lüften am effektivsten, um Infektionen zu verhindern, meinen das Umweltbundesamt und die Kommunalen Unfallversicherungsverbände. Die Luftfilteranlagen würden das Lüften allenfalls ergänzen. Er fasste es so zusammen: "Man kann nicht valide sagen, dass es eine signifikante Verbesserung gibt, aber eine Verbesserung ist es." Wenn die Stadt sich entschließt, die Geräte zu bestellen, würden die vermutlich erst im Frühjahr geliefert. Die Anschaffung brauche Zeit, weil eine europaweite Ausschreibung notwendig ist. Er berichtete, dass in Klassenzimmern, die nicht gelüftet werden können, schon jetzt Luftfilter eingesetzt werden; zudem wurden die Schulen mit CO2 -Messgeräten ausgestattet, die anzeigen, wenn gelüftet werden muss.

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) sprach sich klar für eine Anschaffung aus. Die Aerosol-Konzentration im Klassenzimmer werde laut einer Studie um zehn Prozent gesenkt. "Ich glaube, dass wir es machen sollten", sagte er. Man solle zur Prävention das Maximum des technisch Möglichen tun. "Wir wissen nicht, welche Virusvarianten noch kommen", begründete der OB. Steffen Hörtler (CSU) sagte, dass seine Fraktion geschlossen für eine Anschaffung sei. Jede Studie zeige eine Verbesserung der Situation. "Wir müssen das Größtmögliche tun, um die Sicherheit der Kinder zu garantieren", sagte er.

Bernd Czelustek, SPD-Fraktionssprecher und Schulleiter der Henneberg-Grundschule, erklärte, dass die SPD zwar hinter dem Kauf steht, er ihn jedoch ablehnt. Er begründete seine Haltung ebenfalls mit der KUVB-Einschätzung. Aber er machte auch klar: "Ich danke allen, die hinter der Anschaffung stehen, weil sie das Signal aussenden, alles für die Sicherheit der Schüler und Lehrer zu tun", sagte er.

Parteikollege und Alt-Oberbürgermeister Kay Blankenburg fand die Kritik überzeugend, erklärte aber, dennoch dafür zustimmen. Stadtrat und Verwaltung könnten sich nicht selbst Luftfilteranlagen in die Sitzungsräume stellen und selbigen den Schulen verwehren. Kritisch und uneinheitlich wertete Grüne sowie die DBK das Thema: DBK-Fraktionssprecher Alexander Koller erklärte, er persönlich werde aufgrund der sich ausbreitenden Omikron-Variante dafür stimmen. Andreas Kaiser (Freie Wähler) sprach sie ebenfalls für den Kauf aus: "Wir sind ein Stadtratsgremium, keine Virologen." Man solle den Schulen etwas an die Hand geben und alles tun, um das Risiko einer Infektion zu senken. Klar gegen eine Anschaffung sprachen sich die beiden AfD-Stadträte aus.

Zur kritisierten Lärmbelästigung merkte OB Vogel an, dass es technische Fortschritte bei den Filteranlagen gegeben habe und die neueren Modelle leiser wären.

Das Gremium entschied mit großer Mehrheit, alle 102 Klassenzimmer mit mobilen Luftreinigungsgeräten auszustatten. Wie viele Geräte dafür notwendig und mit welchen Kosten zu rechnen sind, lasse sich laut Verwaltung noch nicht abschließend sagen. Gerechnet wird mit Gesamtkosten im sechsstelligen Bereich bei bis zu 50 Prozent Förderung. Gegen die Anschaffung stimmte neben Czelustek außerdem Richard Fix und Klaus Werner (Grüne), 3. Bürgermeister Anton Schick (DBK), sowie die beiden AfD-Stadträte.