Es ist ein großer Leerstand in der Innenstadt, in den in den nächsten Jahren wieder Leben einziehen soll: das ehemalige Druckerei- und Verlagsgebäude der Familie Schachenmayer in der Theresienstraße, Stammhaus der Saale-Zeitung. "Die alten Verlags- und Druckereiräume werden komplett in ein Bürogebäude umgenutzt", sagt Niko Rotschedl, Geschäftsführer der Eigentümer-Gesellschaft Theresienstraße 17-21 Bad Kissingen GmbH.

Von dem Komplex belegt die Saale-Zeitung mit Redaktion und Anzeigenabteilung heute den südlichen Gebäudeteil (Hausnr. 21). Die Nummern 17 und 19 stehen leer und sollen saniert werden. "Wir haben schon viele Vorarbeiten erledigt", berichtet Rotschedl, der als Investor auch das Wohnprojekt Prinzregentenpark am Bahnhof verfolgt. Die ungenutzten Gebäudeteile in der Theresienstraße sind bereits entkernt, die Hausanschlüsse überarbeitet und die Planung steht. Auch die Handwerksfirmen seien schon bereit. "Wir können mit dem Umbau starten, sobald wir die Baugenehmigung haben", erklärt er.

Das Gebäude wird kernsaniert: Haustechnik, Leitungen und Fenster werden getauscht, nach Absprache mit dem Denkmalschutz wird die Fassade erneuert. Das Gebäude selbst steht zwar nicht unter Denkmalschutz, gehört aber zum geschützten Altstadt-Ensemble, deshalb sind hier Absprachen nötig, erläutert der Investor. Um den Altbau in eine moderne Büroimmobilie umzuwandeln, ziehen die Arbeiter ein neues Treppenhaus ein. "Wir brauchen eine neue Erschließung, damit es funktioniert", sagt er.

Büroflächen beleben Innenstadt

Der mittlere Gebäudetrakt besteht aus zwei Vollgeschossen sowie einem Dachgeschoss und ist damit eine Etage niedriger als die beiden anderen Gebäudeteile. Er wird deshalb um ein Geschoss aufgestockt und angeglichen. Der Raumgewinn von 100 Quadratmetern fällt bei einer freien Bürofläche von 2400 Quadratmetern weniger ins Gewicht. Die Aufstockung brauche es unter stadtplanerischen Aspekten, weil das Straßenbild dadurch homogener werde. "Wir planen die Aufstockung in Holzrahmenbauweise, um nicht zu viel Gewicht auf die alten Mauern zu kriegen", sagt Rotschedl.

Ein Mieter für den nördlichen Gebäudeteil (Nr. 17) steht bereits fest. Die Pro Care Management GmbH (PCM) gibt nach 20 Jahren ihren Standort in der Kurhausstraße auf und zieht mit ihren rund 90 Mitarbeiter in das frühere Verlagshaus. "Das Wachstum hatte uns am bestehenden Standort an die Grenzen gebracht", sagt Geschäftsführer Marcellus Scheefer. PCM erledigt und organisiert als Dienstleister die Einkäufe von Großküchen und digitalisiert deren Arbeitsabläufe. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit rund 3000 Kunden der Marktführer in Deutschland. Kunden sind vor allem Kliniken, Pflegeheime, Betriebsrestaurants sowie große Caterer. Die Büroräume in der Kurhausstraße haben mit dem Wachstum der Firma nicht mehr mithalten können. "Es war an der Zeit, unserem Team ein zeitgemäßes Umfeld zu schaffen", sagt Scheefer. Die Nähe zur Innenstadt und zur Gastronomie sieht er als zusätzlichen Vorteil für die Belegschaft. Liegt der Umbau im Zeitplan, ist der Umzug für das erste Quartal 2023 angedacht.

Dass ein seit vielen Jahren bestehender Leerstand verschwindet und gleichzeitig eine marktführende Firma aus Bad Kissingen zukunftsfähige Räume mitten in der Stadt findet, ist ganz im Sinne des Rathauses. "Somit wird nicht nur der Wirtschaftsstandort Bad Kissingen in einem wichtigen Dienstleistungs-Sektor gestärkt, sondern auch der Mikrostandort und die Innenstadt aufgewertet", kommentiert Rathaussprecher Thomas Hack. Die geplante Aufstockung füge sich gut in die Theresienstraße ein.