Beinahe wäre der neue Pfarrvikar im Bad Kissinger Herz Jesu einen ganz anderen Weg gegangen. "Mein Pfad ist nicht immer gerade gewesen - aber ich bereue nichts", sagt Matthias Karwath.

Dabei hatte es zunächst nach einer klassischen Priesterlaufbahn ausgesehen. Abitur in Nürnberg, wohin der heute 53-Jährige früh mit den Eltern zog. 1982 ging es an das Seminar in Bamberg, wo Karwath 1989 zum Priester geweiht wurde.

Nach vier Jahren als Kaplan in Bamberg und weiteren vier Jahren als Pfarrer in Nürnberg kam der Schnitt. "In dieser Phase habe ich überlegt, Jesuit zu werden. Ich bin viel umhergezogen", erzählt Karwath.

So kam er 1999 nach Sarajevo, wo er in einem Hilfsprojekt der Jesuiten arbeitete. "Dort habe ich gelernt, was Krieg bedeutet. Am Anfang war ich wie paralysiert", sagt der neue Pfarrvikar. Und das, obwohl es da offiziel schon vier Jahre Frieden gab.


Unvergessliche Eindrücke

"Ich kam in den Wintermonaten dahin, brachte alten Menschen Feuerholz. Wir haben Fenster und Türen repariert, Essen gebracht", erzählt Karwath. Die Menschen seien verschreckt gewesen, man musste überall auf Minen aufpassen. "So viel war zerstört. Diese Zeit werde ich nie vergessen." Schließlich landete der Geistliche in der Diözese Würzburg, machte Stationen unter anderem in Margetshöchheim, Kürnach und Estenfeld. Und nun also Bad Kissingen. Dabei ist er nur die Hälfte der Arbeitszeit als Pfarrvikar in der Pfarrgemeinde Herz Jesu unter Pfarrer Gerd Greier tätig. Die andere Hälfte der Zeit übernimmt er die geistliche Leitung im Kurhaus Bad Bocklet.
"Ich habe den Eindruck, dass ich jetzt dort angekommen bin, wo mein Herz schwingt", sagt Karwath. Er freue sich auf die neue Aufgabe.

In Bad Bocklet möchte er sich vor allem der spirituellen Arbeit widmen: Menschen begleiten, die sich eine Auszeit nehmen und zur Ruhe kommen wollen. Die Kraft schöpfen wollen. "Ich wurde stark vom spirituellen Weg der Jesuiten geprägt", sagt Karwath. "Diese Idee, zur Ruhe zu kommen und Kraft zu schöpfen, das ist genau das, was viele Menschen heute suchen."

Die Spiritualität möchte der neue Pfarrvikar wenn möglich auch in Bad Kissingen fördern. "Nicht jeder hat die Möglichkeit, in Bad Bocklet eine Auszeit vom Alltag zu nehmen", meint Karwath. Doch man könne geistliche Übungen, Exerzitien, auch in den Alltag einbauen. "Wir lassen uns so vereinnahmen, hetzen von Ort zu Ort. Und irgendwann kommt die Frage: Ist das alles? Genau da sollten wir als Kirche ansetzen und helfen." Dafür möchte Matthias Karwath in Bad Kissingen Impulse geben, "spirituelle Farbtupfer" setzen, wie er sagt.