Es ist ungewöhnlich, dass sich ein Verurteilter nach dem Urteilsspruch für die ihm auferlegte Strafe höflich bedankt. Doch genau dies geschah kürzlich im Bad Kissinger Amtsgericht nach einstündiger Verhandlung, in der sich der Angeklagte wegen sechsfachen Betrugs und Schädigung einer Person um 9550 Euro verantworten musste. Das Urteil lautete auf 16 Monate zur Bewährung und Wertersatz dieser Geldsumme.

"Stimmt alles so", gab der Beschuldigte ohne Umschweife zu, nachdem der Staatsanwalt den in sechs Einzeltaten unterteilten Betrugsfall an einer Hausbesitzerin im Landkreis verlesen hatte.

Bad Kissingen: Mann gesteht sechsfachen Betrug und bedankt sich für Strafe

Der Mann hatte gemeinsam mit einem als Haupttäter bezeichneten Bekannten im Sommer 2019 den Auftrag zum Abriss eines alten Hauses mit Entsorgung des anfallenden Altmaterials und eines Öltanks übernommen. Hierzu wurde zunächst ein Entsorgungsvertrag über 4800 Euro mit einer Vorauszahlung von 1500 Euro abgeschlossen. Dem folgte die Rechnungsstellung über Anmietung mit Kautionszahlung für einen Abrissbagger in Höhe von 1950 Euro zur sofortigen Zahlung. Weitere vier Einzelverträge in einer Gesamthöhe von 12 000 Euro schlossen sich dem an, wovon die Geschädigte anteilige Beträge als Vorauszahlung oder Darlehen ausbezahlte oder überwies.

Der Angeklagte gab vor Gericht an, er habe nur aus Gefälligkeit seinen Namen auf den Rechnungen angeben lassen und diese unterschrieben. Damals sei er auf Drogen gewesen und habe dies als Freundschaftsdienst verstanden, um von seinem Bekannten, mit dem er sich auch das vereinnahmte Geld teilte, zusätzliches Rauschgift zu bekommen. Sein Kumpel habe das Geschäftliche allein geregelt. "Ich habe mir nichts dabei gedacht."

Die als Zeugin geladene Geschädigte bestätigte dies insofern, dass nicht der Angeklagte, sondern der andere Täter in ihren Gesprächen immer der Wortführer gewesen sei. Als neue Eigentümerin eines Altbaues sei sie nach Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Umbau ebenso teuer werden würde wie ein Abriss mit anschließendem Neubau. Deshalb hatte sie sich von Abrissfirmen Angebote eingeholt, gleichzeitig aber eine Kleinanzeige geschaltet, auf die sich die beiden Männer gemeldet und das günstigste Angebot abgegeben hätten. Nach Auftragserteilung sei sie zunächst in Urlaub gefahren, denn erst anschließend sollte der Abriss beginnen, zu dem es dann aber nicht kam. Die Rechnung für den Bagger erwies sich als Fälschung, die Handynummer ihrer vermeintlichen Geschäftspartner war nicht mehr aktiv, weshalb sie Strafantrag stellte.

Angeklagter wurde wohl vom Haupttäter ausgenutzt 

Der Staatsanwalt rechnete dem Angeklagten sein Geständnis positiv an und war wie dieser der Ansicht, dass er vom Haupttäter nur ausgenutzt worden sei. Dennoch sei ihm sehr wohl bewusst gewesen, dass es niemals zur Ausführung dieses Auftrags kommen würde. Zu seinen Lasten sei zu berücksichtigen, dass der Angeklagte bereits wegen Betrugs einschlägig vorbestraft ist und der Geschädigten einen erheblichen Schaden zugefügt habe. Er beantragte deshalb eine Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung, als Bewährungsauflage 40 Arbeitsstunden, den Wertersatz der 9550 Euro sowie die Übernahme der Prozesskosten.

Die Richterin erhöhte die Freiheitsstrafe auf ein Jahr und vier Monate, da dieser Fall, wie sie ausdrücklich anmerkte, kein einfacher, sondern gewerbsmäßiger Betrug gewesen sei, der mit einer höheren Strafe zu ahnden ist. Die Aussetzung zur Bewährung begründete sie mit der Tatsache, dass der Angeklagte seit einem Jahr keine Drogen mehr nimmt und sich in Therapie befindet, außerdem gesicherte familiäre Verhältnis für eine günstige Sozialprognose sprechen.

Auf die vom Staatsanwalt beantragte Verurteilung zu Arbeitsstunden habe sie bewusst verzichtet, da der Verurteilte ohnehin aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig ist. Der Wertersatz von 9550 Euro, den die Richterin in ihr Urteil einschloss, "ist bei Ihnen natürlich schwierig", da der Angeklagte nur von einer Grundsicherungsrente in Höhe von 650 Euro lebt.

Der Angeklagte nahm sein Urteil sofort an und bedankte sich höflich beim Verlassen des Gerichtssaals.