Das Engagement in Zivilgesellschaft und im Ehrenamt werde vom Staat gefördert und gewürdigt - "zu Recht, weil damit die demokratische Gesellschaft gestärkt wird", wie Oberbürgermeister Dirk Vogel bei der Verleihung der Bürgermedaille der Stadt Bad Kissingen meinte und ergänzte: "Auch auf kommunaler Ebene ist das richtig und wichtig."

Dem Festakt voran erläuterte Vogel die Überlegungen, ob man absagen solle oder sogar müsse. Doch habe man sich dafür entschieden, "weil sicher gestellt ist, das sich jeder an die AHA-Regeln hält". Von daher freue er sich, "Menschen zu würdigen, die sich über Jahre beziehungsweise Jahrzehnte für unsere Stadt in unterschiedlichen Funktionen eingesetzt haben". Weil im Jahre 2020 die politischen Ehrenamtsträger im Mittelpunkt stehen, betonte das Stadtoberhaupt die besonderen Erwartungen, die an Stadträte gerichtet sind. Man soll eine komplexe Materie nach kurzer Einarbeitungszeit sachgerecht entscheiden, dabei die Wünsche aller berücksichtigen und setzt sich eventuell einem Unmut aus, den der OB in seiner Extremform als "toxische politische Un-Kultur" und als Gefahr für die Demokratie bezeichnete. "Dafür gibt es in Bad Kissingen keine Anzeichen", so Vogel, der bedauerte, dass keine Übergabe bereitliegender Bürgermedaillen, Urkunden und Präsente stattfindet - dafür eine musikalische Begleitung auf dem Marimbaphon durch Jascha Bauer-Heilmann von der Städtischen Musikschule. Die Wertschätzung des Landkreises für die Geehrten übermittelte Landrat Thomas Bold in seinem Grußwort, der an die verantwortungsvollen Aufgaben der politischen Mandatsträger erinnerte, mit persönlichen Erinnerungen Edmund Seller würdigte und bei "Alt-Oberbürgermeister" Kay Blankenburg wehmütig wurde: "Ich werde ihre kurzweiligen Grußworte vermissen."

54 Jahre

Insgesamt 54 Jahre kommunalpolitische Arbeit wurden mit der Bürgermedaille der Stadt Bad Kissingen gewürdigt - verteilt auf vier ehemalige Stadtratsmitglieder. Birgit Eber war zwölf Jahre lang Mitglied des kommunalen Parlaments und jeweils sechs Jahre Stadtratsbeauftragte für Soziales bzw. für das Städtepartnerschaftskomitee - für das Stadtoberhaupt nicht verwunderlich, der sie in seiner Laudatio als "bekennende Europäerin" würdigte. Darüber hinaus war sie Mitglied in Finanz-, Bau-, Sozial-, Rechnungsprüfungs und Geschäftsordnungsausschuss. Stadtwerke, Zweckverband Sparkasse und Stadtwerke standen ebenfalls auf ihrer "To-Do-Liste". Ihr persönliches Fazit: "Politisches Engagement lohnt sich immer!"

Karin Reinshagen war in ihrer zwölfjährigen Tätigkeit unter anderem Stadtratsbeauftragte für Integration und Familien sowie im Wirtschafts-, Sozialausschuss- und im GEWO-Aufsichtsrat. OB Vogel würdigte ihr Engagement beim Frauenring und ihre Fähigkeit, "Menschen zusammenzuführen, die sonst nicht zusammen kommen" als Betrag für eine offene Stadt. In ihrem Dank erinnerte sie an die Zeit der sogenannten "Flüchtlingskrise", die sie als "sehr intensive Phase" mitgestaltet habe - ihr Fazit dazu: "Der Einsatz hat sich gelohnt."

Dr. Reinhard Höhe war in seiner zwölfjährigen Stadtratstätigkeit im Finanzausschuss und beim Zweckverband Sparkasse vertreten und der OB hob besonders das Engagement beim Hospiz-Verein hervor.

Nach 18 Jahren ist Klaus Lotter nicht mehr im Stadtparlament vertreten und in dieser Zeit war er Mitglied vom Finanz-, Bau-, Sozial- und Rechnungsprüfungsausschuss sowie bei den Stadtwerken, beim Zweckverband Sparkasse und bei der Gesellschafterversammlung der Staatsbad GmbH aktiv. Vogel erinnerte auch an das Engagement des "echten Kissingers" als Jugendschöffe, in Kirchenvorständen und auf Landkreisebene. Klaus Lotter erinnerte in seinem Dankeswort daran, dass sich der Stadtrat über die politischen Grenzen hinweg für das Allgemeinwohl einsetze und er dankte den Bürgern für das entgegengebrachte Vertrauen: "Ich fühle mich ausgezeichnet."

Im Rahmen der Veranstaltung wurden ausscheidende Stadtratsmitglieder gewürdigt. Auf die Bühne des Rossini-Saals gebeten wurde Andrea Dawn Hänsch, die von 2014 bis 2020 Ortsprecherin von Kleinbrach war und aufgrund des Brexits ihre Position aufgeben musste. Ihr folgten drei ehemalige Stadträte der letzten Amtsperiode: Günter Götz (DBK), vertreten in Finanz- und Sozialausschuss sowie im Aufsichtsrat der Stadtwerke, Michael Heppes (CSU/SPD), der in den sechs Jahren unter anderem als CSU-Fraktionsvorsitzender, als Mitglied im Wirtschafts- und Finanzausschuss sowie beim Zweckverband Sparkasse und der Gesellschafterversammlung der Staatsbad GmbH vertreten war, Dr. Hans-Joachim Hofstetter (FDP/Ausschussgemeinschaft) als Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuss und im GEWO-Aufsichtsrat.

Bürgermedaille in Gold

24 Jahre kommunalpolitisches Engagement und davon zwölf Jahre als Oberbürgermeister der Stadt Bad Kissingen - für OB Vogel ist es Anlass genug, Kay Blankenburg mit dem Begriff "Staatsmann" zu würdigen, der auf bundespolitischer Ebene genutzt werde, um besondere Leistungen hervorzuheben. Der gebürtige Bamberger und Jurist kam 1989 nach Bad Kissingen, wurde im Jahr 1996 in den Stadtrat gewählt, erkämpfte sich 2008 das Amt des Oberbürgermeisters, wiederholte den Erfolg 2014 und errang 2020 nochmals ein Stadtratsmandat - voraussichtliches Ende 2026! Diese nackten Zahlen spiegeln nicht das politische Engagement wider, das Blankenburg im Stadtrat und im Finanz-, Rechnungsprüfungs- und Geschäftsordnungsausschuss sowie bei den Stadtwerken zeigte. Sein Nachfolger im Amt würdigte vor allem das gestalterische Wirken als Oberbürgermeister in vielen Gremien und durch Anstoß und Umsetzung städtischer Projekte, um die Stadt als Wohn- und Gewerbeort und als Touristikstandort attraktiv zu machen. Beispielhaft nannte Vogel die Novellierung des Bebauungsplans Sondergebiet Kurgebiet, Erwerb und Sanierung der Sinnberg-Grundschule, Ausbau und Sanierung zahlreicher Kindergärten, das Projekt Neue Altstadt, die Sanierung des Terrassenbades und die Bewerbung um als UNESCO-Weltkulturerbe - vieles unter dem Diktat der Haushaltskonsolidierung und damit knapper Kassen. Kay Blankenburg bedankte sich für die anerkennenden Worte, "die ich voll Dankbarkeit gehört habe". Er sei glücklich mit dem Amt des Oberbürgermeisters gewesen und wer jetzt eine lange Dankesrede erwarte, den müsse er enttäuschen: "So etwas erfordert Zeit, die man als Ruheständler nicht hat." Rückblickend auf das höchste Amt in der Stadt: "Es war mir eine Ehre, diese Stadt zu vertreten."

Kurgastsingen

"In Anerkennung um die Musikkultur in Bad Kissingen, insbesondere für die jahrzehntelange Durchführung des traditionellen Kurgastsingens, mit dem den Gästen unvergessliche Momente geschenkt wurden." - sehr genau steht auf der Urkunde für Edmund Seller, wofür er die Bürgermedaille erhält. Aber die gewürdigten 30 Jahre sind nur ein Abschnitt aus dem vielfältigen Wirken Sellers, der 1937 in Waldfenster geboren wurde und als Lehrer, Dirigent, Chorleiter und aktiver Sänger seit über fünf Jahrzehnten kulturelle Kontakte geknüpft hat. Als "personifizierte musikalische Institution" - so das Stadtoberhaupt in seiner Laudatio - habe er von 1989 bis 2019 alle zwei Wochen das Kurgastsingen moderiert und gestaltet und dabei in Bad Kissingen und Bad Bocklet weit über 200 000 Gäste die musikalische Kultur der Rhön und Frankens nahegebracht. Für das Engagement, das sich auch auf kultur-historischer, kirchlicher und sozialer Ebene widerspiegelt, wurde Edmund Seller mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Goldenen Ehrennadel des Fränkischen Sängerbundes oder dem Ehrenzeichen des Bayrischen Ministerpräsidenten. In seinen Dankesworten betonte Edmund Seller, den Wert der Musik und des Singens für die Gesundheit: "Da braucht man keine Pille von einem Arzt."