Michael Nachemia betrachtet sich als Idealist. Als jemand, der auch in kritischen Situationen nach vorn blickt. Und so entwickelt der 56-Jährige selbst in der Corona-Krise Ideen für die Nacht des Sports. Denn eines will der kommissarische Vorsitzende des TSV Bad Kissingen nicht: dass diese stirbt.

Ende September saß Nachemia mit Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD). Wichtigstes Resultat: die Absage der Nacht des Sports für dieses Jahr. Doch nach Nachemias Angaben wurde auch über die Zukunft der Sportlerehrung gesprochen. Und die sieht der TSV-Mann im Frühjahr oder Sommer, wenn hoffentlich die Zahl der Corona-Infizierten stark zurückgegangen ist.

Nachemias Idee: die Nacht des Sports als Open Air. Denn in der Bayernhalle wird sie wohl selbst im Sommerhalbjahr nicht stattfinden können. Zu dicht würden sich wohl Geehrte und Zuschauer drängen.

Die mit Showelementen verfeinerte Ehrungsveranstaltung könnte an einem Ort stattfinden, zum Beispiel im Terrassenschwimmbad, unter entsprechender Freibad-Atmosphäre. Wobei Nachemia sich bewusst ist, dass die Stadt den Organisatoren wohl große Sicherheitsvorgaben auferlegen wird. Oder die Nacht des Sports steigt "an mehreren werbeträchtigen Punkten der Innenstadt". Dem vorläufigen TSV-Chef schwebt da unter anderem der Brunnen am Rosengarten vor.

Ehrungen für ehrenamtlichen EInsatz

Bad Kissinger, die zu ehren wären, wüsste Nachemia genügend. Weniger wegen sportlicher Erfolge, wie im ursprünglichen Sinne. Dafür mehr für ehrenamtlichen Einsatz und Leistungen rund um den Sport. Aber auch "Corona-Helden".

Er hofft nun auf Rückmeldung und Ideen von anderen, seien es Vereinsmitglieder, Stadtbewohner oder Mitarbeiter der Stadtverwaltung. "Ansonsten müsste die Nacht des Sports unter Corona-Bedingungen sterben, was sehr schade wäre." Gerade in Zeiten, wo fast alle Aktivität ausgebremst sei, bräuchten die Menschen etwas, was sie ablenke. Und auch für den TSV und seine Mitglieder will der eigentliche stellvertretende Vorstand etwas tun. Schließlich sei die Nacht des Sports "Aushängeschild, Einnahmequelle und Bindeglied des Vereins. Auch wenn viele darüber geschimpft haben

Für sein Vorhaben - da macht sich Nachemia nichts vor - braucht er neben Unterstützern im Verein auch den Willen der Stadt. Beim Gespräch mit Vogel seien seine Ideen "wohlwollend aufgenommen" worden, "aber ohne, dass Konkretes besprochen wurde".

Ideen wurden ausgetauscht

Auf Nachfrage bestätigt die städtische Pressestelle, dass "im Zuge der Überlegungen zur Absage der 'Nacht des Sports' beiderseits Ideen ausgetauscht, wie es damit weitergehen kann, sollte die Pandemie auch 2021 bestehen bleiben".Denkbar wäre, die Nacht des Sports in die Breite zu führen, "etwa indem die attraktiven Gebäude und Einrichtungen unserer Stadt miteinbezogen werden und die Vereine ihr Können zeigen".

Von der Stadt bestehe "die prinzipielle Bereitschaft, diese Vorstellungen weiter zu verfolgen". Konkrete Planungen stünden angesichts der derzeitigen Herausforderungen nicht im Vordergrund - würden aber sicherlich Gegenstand von Überlegungen Anfang des nächsten Jahres sein, wenn die weitere Entwicklung der Pandemie ersichtlich sei.

Sollte es eine Nacht des Sports 2021 geben, möchte Michael Nachemia wieder Peter Bethäuser und seinen Circus Luna mit ins Boot holen. Der Langendorfer hatte den TSV schon bei der Neuerfindung und Organisation der Sportlerehrung im November 2019 unterstützt, "und zwar ziemlich selbstlos", berichtet der 56-Jährige.

Diesmal gehe es wieder um eine komplett neue Gestaltung. Sei im vergangenen Jahr das Ziel gewesen, die Beteiligten näher zusammenzubringen, soll nun trotz gebührenden Abstands Stimmung entstehen.

Unterdessen bleibt Michael Nachemias Zukunft im TSV ein Stück weit unklar. Der Vorsitzenden-Posten bleibt vakant. Der kommissarische Leiter würde ihn selbst besetzen, möchte aber die Verantwortung nicht nur im Vorstand lieber auf mehrere Schultern verteilen. "Für den Vorsitz bräuchten wir eigentlich eine Vollzeitkraft." Er hofft auf jüngere Interessenten, die sich "innovativ im Verein beteiligen, auch ohne offizielles Amt". Es gehe um ein "richtiges Vereinsleben, nicht um einen losen Zusammenschluss von Abteilungen, die wie ein eigener Verein agieren". Dass das funktioniere, habe jüngst eine Entrümpelungsaktion gezeigt.

Doch selbst wenn sich neue Kandidaten für den Vorstand - oder gar den Vereinsvorsitz - finden, bleibt unklar, wann sie gewählt werden können. Ein Mitgliederversammlung wurde mehrfach verschoben; der jetzt angesetzte Termin Anfang Dezember ist wegen steigender Corona-Zahlen und des neuerlichen Lock-downs mehr als ungewiss. Das Problem: Jedes der knapp 1000 Mitglieder muss potenziell teilnehmen können, auch wenn wohl nur ein Bruchteil tatsächlich erscheint.

Versammlung nicht virtuell

Für eine sogenannte Zoom-Besprechung über Internet-Video wäre diese Menge zu groß. Nachemia denkt nun darüber nach, mit Voranmeldung zu arbeiten. "Entweder ergibt sich eine Zahl, bei der der Infektionsschutz in oder außerhalb der Bayernhalle gewährleistet werden kann, oder eben nicht."

Als Optimist glaubt der 55-Jährige fest an eine Lösung dieses Problems. Und an eine Nacht des Sports 2021.