Kläranlagen-Neubau, Anschluss an die Gemeinschaftskläranlage Trübenbrunn, oder vielleicht doch die dritte Lösung, die den Anschluss nach Oberbach beinhaltet? Dieses Thema beherrschte die jüngste Sitzung des Riedenberger Gemeinderates für ganze drei Stunden.

Die letzte Option, mit Anschluss an Oberbach, wurde erst kürzlich reell durch die Entscheidung der Wildfleckener Gemeinde für den Neubau einer eigenen Anlage in Oberbach und wird künftig in die Überlegungen der Riedenberger einfließen.

Doch zunächst einmal galt es in dieser Sitzung die genauen Modalitäten für einen Anschluss nach Trübenbrunn in einer Informationsveranstaltung darzustellen. Eingeladen hatte Bürgermeister Roland Römmelt hierzu den Leiter der Stadtwerke Bad Brückenau, Michael Garhammer und per Videokonferenz den stellvertretenden Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen, Uwe Seidl, sowie Hartmut Holzheimer (Wasserwirtschaftsamt).

Ein "Erfolgsmodell"

Stadtwerke Chef Michael Garhammer warb in seinen Ausführungen für einen Anschluss nach Trübenbrunn. "Die bisher angeschlossenen Gemeinden Zeitlofs, Sinntal und Oberleichtersbach haben bereits vor mehr als 20 Jahren die Entscheidung getroffen, an die Kläranlage Trübenbrunn anzuschließen und diese gemeinsam mit Bad Brückenau zu betreiben.

Die rechtliche Basis dafür bilden Zweckvereinbarungen. In den letzten 20 Jahren hat keiner der beteiligten Partner Zweifel an der politischen oder wirtschaftlichen Korrektheit des damaligen Entschlusses geäußert", betonte er.

Aus Sicht der Stadtwerke und der Einleitegäste, sei der gemeinsame Betrieb der Kläranlage ein Erfolgsmodell. Auch bestünde keine Veranlassung zu unterstellen, dass die gemeinsame Abwasserbehandlung für die bisherigen oder künftigen Einleitegäste auch in Zukunft nachteiliger wäre als bisher, führte er weiter aus.

Die Stadtwerke würden schon seit Jahren die Meinung vertreten, dass bei einem zusätzlichen Anschluss Riedenbergs ein Zweckverband die richtige Lösung sei. Gerade für Riedenberg, das eine kurzfristige Lösung benötigt, sei deshalb eine Zweckvereinbarung die sinnvollste vertragliche Variante. Diese könne mit der Option, beziehungsweise einer Absichtserklärung versehen werden, die Zweckvereinbarung in einen Zweckverband zu überführen.

Auf aktuellen Stand gehalten

Vehement widersprach Garhammer den Behauptungen, dass die Kläranlage in Trübenbrunn auch nicht mehr die allerneuste sei. "Die Anlage wird seit der Errichtung kontinuierlich auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten. Auch die baulichen Sanierungen finden kontinuierlich statt. Vor diesem Hintergrund sind die in den nächsten zehn beziehungsweise 20 Jahren anstehenden Sanierungen und Erneuerungen sehr gut abzuschätzen", erläuterte er weiter. Auch für die Riedenberger wären die Investitionen sowie die späteren Betriebskosten sehr gut planbar.

Detailliert führte er den Räten schließlich die geschätzten, zu erwartete Kosten auf. So würden die Baukosten für den 2670m langen Sammler nach Römershag mit 1.975.569 Euro veranschlagt werden. Im Laufe der nächsten zehn Jahre wäre der Kostenanteil für Instandhaltungen, Klärschlammentwässerung, Ertüchtigung der Mischwasserbehandlung Riedenbergs und weiterer Instandhaltungen mit knapp 400  000 Euro kalkuliert, sodass insgesamt 2 373 482 Euro zu erwarten wären.

Als problematisch sah Bürgermeister Römmelt jedoch, dass die Ausweitung des Bad Brückenauer Wasserschutzgebietes im Jahr 2013, bis an die Riedenberger Ortsgrenzen ja eigentlich einen Kanalbau durch dieses Gebiet verbiete, da man im sogenannten Schutzgebiet 2 handele.

"Diese, damals nicht mit der Gemeinde Riedenberg abgesprochene erweiterte Ausweisung des Wasserschutzgebietes ärgert mich bis heute noch maßlos und macht uns die größten Schwierigkeiten unserer hoheitlichen Aufgabe der Wasserentsorgung nachgehen zu können."

Uwe Seidl, der per Videokonferenz zugeschaltet war, erklärte, dass es durchaus Ausnahmen gäbe, auch durch das Wasserschutzgebiet zu bauen, wenn bestimmte Vorgaben eingehalten werden und die betroffene Kommune zustimmen würde. Außerdem bedarf es noch der Zustimmung von Wasserwirtschaftsamt und Gesundheitsamt.

"Das bedeutet für uns aber auch eine immense finanzielle Unwägbarkeit, die die Kosten, noch während der Errichtung des eventuellen Kanals, erheblich in die Höhe treiben kann", gab Römmelt zu bedenken.

Das machte sprachlos

Im Gegenzug stellte Michael Garhammer in den Raum, dass die Stadtwerke, sollte die Gemeinde Riedenberg eine eigene Kläranlage bauen wollen, dem bisherigen Einleitepunkt in die Sinn nicht mehr zustimmen würde, da der Schutz des Trinkwassers für ihn Verpflichtung sei.

Eine Aussage, die die Räte erst einmal sprachlos machte. Römmelt wollte aber auf dieses Thema in dieser Sitzung nicht näher eingehen. "Da reden wir drüber, wenn die Entscheidung gefallen ist." Auf spätere Nachfrage zu diesem Thema erläuterte er, dass dieser Einleitepunkt vom Wasserwirtschaftsamt zugesichert sei, wenn man sich an die bestehenden Auflagen hält und daran hält er mit seiner Gemeinde unbedingt fest.

Ein Kläranlagen-Neubau in Riedenberg ist derzeit mit etwa 2,2 Millionen Euro kalkuliert.

"Wir müssen alles sehr gut abwägen, da das, was wir in der nächsten Zeit beschließen werden, noch unsere Kinder und Enkel betrifft", betonte Römmelt Schließt Riedenberg in Römershag an, werde das auf jeden Fall für alle Zeiten nicht mehr umkehrbar sein, so der Bürgermeister. Förderfähig seien beide Varianten, teilte Uwe Seidl mit.

Bauanträge gingen durch

Nachdem die Sitzung schließlich schon drei Stunden dauerte, beschlossen Bürgermeister und Gemeinderäte, die meisten noch auf der Tagesordnung stehenden Punkte, zu vertagen.

Lediglich über zwei Bauanträge wurde noch beschieden. So gaben die Räte ihre Einwilligung zum Neubau eines Einfamilienhauses mit Carport in der Farnsbergstr. 4.

Auch dem Neubau einer Doppelgarage in der Sinntalstr. 41 wurde zugestimmt.

Der Änderung des Bebauungsplanes "Südlich Breitenbach" in der Gemeinde Oberleichtersbach stimmten die Räte ebenso zu, da die Belange der Gemeinde Riedenberg nicht betroffen sind.

In einer vorherigen Version des Artikels stand fälschlicherweise bei den Baukosten für den 2670m langen Sammler nach Römershag veranschlagte 1.978 Euro.

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