Eines muss man Projektentwickler Peter Richnow und seinen Mitstreitern von der "€-Co-Partner Peter Richnow, Klaus-Dieter Giese Co. GbR" aus dem brandenburgischen Eberswalde lassen: Hartnäckig sind sie. Und ideenreich. Bereits zum dritten Mal versuchen die mehr oder weniger selben Akteure, Windkraftanlagen im Roßbacher Forst bei Zeitlofs zu errichten.

Rückblende: 2013 und 2018 hatten sich Richnow & Co. schon einmal für das ausgedehnte Waldstück südlich von Roßbach interessiert. Vor neun Jahren waren auf einer Fläche von 940 Quadratmetern 18 Windräder geplant. Damals wurde von einem Pilotprojekt gesprochen, weil mit der Deutschen Bahn und Siemens zwei wirtschaftliche Schwergewichte beteiligt waren. Den im Roßbacher Forst produzierten Strom wollten die Ideengeber direkt in die Bahnstromleitung an der ICE-Strecke Würzburg - Fulda einspeisen.

Das grundsätzliche Problem des Standortes Roßbacher Forst damals wie heute: Er ist keiner, zumindest laut Regionalplan Main-Rhön. Dieser weist dort keine Vorrangflächen für Windkraft aus.

Zudem liegt das Waldgebiet im Landschaftsschutzgebiet "Bayerische Rhön" (LSG), wenn auch am westlichen Rand. Die Initiatoren aus Eberswalde versuchten damals, die avisierten Flächen aus dem LSG herausnehmen zu lassen; der Kreistag entschied am 18. Juli 2013 mehrheitlich dagegen.

Ein erneuter Vorstoß fünf Jahre später scheiterte eine politische Ebene tiefer. Der Zeitlofser Gemeinderat entschied, nach ursprünglicher Zustimmung mit 14:0 Stimmen, nach einer Bürgerversammlung im Februar 2019 mit 13:1-Stimmen, keinen "Antrag auf Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet" zu stellen. Großen Anteil an diesem Meinungsbild hatte sicherlich die neu gegründete Initiative "Für den Roßbacher Forst", die dem Projekt kritisch gegenüberstand.

Neuer politischer Wille zur schnelleren Energiewende

Peter Richnow ist überzeugt, dass sich die Widerstände von früher - insbesondere die fehlenden Vorranggebiete im Regionalplan und das LSG - jetzt überwinden lassen. Dabei setzt der Projektentwickler auf zwei wichtige Punkte: den politischen Willen zur Klimawende. Und die Innovationskraft seines Projektes. "Wir haben er vollkommen überarbeitet", sagt Richnow.

Mit Blick auf die neue Bundesregierung und deren Umweltpolitik ergänzt er: "Überall ist angedacht, dass es schneller gehen soll." Eine Beschleunigung von Klimaschutzprojekten werde kommen, "sonst erreichen wir die Klimaziele nicht. Wir benötigen dringend den Umstieg von Erdgas auf grüne und klimaneutrale Gase, wie vor allem Wasserstoff. "

Wasserstoff als Trumpfkarte

Was das Gesamtpaket des "bedeutsamen Leuchtturmprojektes" so attraktiv mache, seien die Wasserstoffkomponente und - neu - Photovoltaik. Deswegen sei man es noch einmal angegangen.

Das Verfahren könnte so laufen: Die Windkraftanlagen und zusätzlich im Umfeld platzierte Photovoltaikanlagen produzieren grünen Strom. Mit dessen Hilfe wird Wasser mittels Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Wasserstoff soll als Treibstoff der Zukunft fossile Energien aus Erdöl, Erdgas und Kohle ersetzen.

Richnow spricht von einer Wasserstofftankstelle für LKW und den Öffentlichen Nahverkehr. Und er stellt in Aussicht, mit dem anfallenden Sauerstoff das Bad Brückenauer Wasser aufzuwerten. Mit den Stadtwerken habe man Gespräche geführt. Auch mit Bundes- und Landesbehörden sowie Landratsamt und Zeitlofs' Bürgermeister sei man in Abstimmung.

Ein interessanter Aspekt: In der neuen Projektübersicht erscheint - wie 2013 - die Einspeisung von Windenergie ins Stromnetz der Deutschen Bahn. "Die Leitungsaufnahmekapazität wurde von der Deutschen Bahn bereits überprüft und positiv bewertet", so Richnow. Diese Direktversorgung der Bahn nennt er als Grund, warum seine Firma den Roßbacher Forst als Standort bevorzugt: Die Entfernung zur ICE-Strecke sei mit sechs Kilometern relativ gering. Und die Windräder würden auf einem Hochplateau von 400 Metern stehen. Ein klarer Vorteil in Sachen Windhöffigkeit.

Wartmannsrother Flächen uninteressant

Deswegen erscheinen dem Projektentwickler auch die im Regionalplan weiter südlich, auf Wartmannsrother Gemarkung, ausgewiesenen Flächen uninteressant: zu tief gelegen, zu weit entfernt von der Bahnstrecke. Heute müsse man solche Projekte auch wirtschaftlich betrachten. Es gebe "enorme Preissteigerungen bei den Windkraft- und PV-Anlagen, bei den Fundamenten, bei den Kabeln und dem gesamten Zubehör ". Je länger eine Leitung, umso teurer werde sie. Dazu kämen die Leitungsverluste an Strom.

Peter Richnow schätzt, dass die Investitionssumme "doppelt so hoch wie 2018 wird". Genaue Zahlen kann er noch nicht nennen, sie hängen von der Preisentwicklung auf dem Markt ab. 2013 war von 110 Millionen Euro die Rede. Ende November/Anfang Dezember 2022 will er zum offiziellen Start mit noch näheren Informationen, in Abstimmung mit den Gemeinden, Ämtern und Behörden sowie den Flächeneigentümern, an die Öffentlichkeit treten. Mit der Umsetzung des "Grünstromwerks Roßbacher Forst" rechnet er "nicht nächstes Jahr; das wäre Quatsch". Dreieinhalb bis vier Jahre würden vergehen. Zunächst seien komplexe Voruntersuchungen nötig.

Kein Nachweis des Schwarzstorches

Die dürften auch die Vorkommen streng geschützter Vogelarten betreffen. Im Frühjahr 2013 verschwand ein langjähriger Brutplatz des Schwarzstorchs im Roßbacher Forst. Es wurde nie geklärt, ob der Horst mutwillig entfernt wurde. Für Richnow hat sich das Thema Schwarzstorch erledigt. Er ist überzeugt, dass es ihn in dem Waldgebiet nicht mehr gibt.

Die Frage nach dem Vorkommen kann die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt nicht beantworten. Aus der Pressestelle heißt es: "Der Landkreis selbst hat hierzu keine Kartierung durchgeführt, weiter ist uns auch keine durchgeführte Kartierung bekannt, die seither ein Vorkommen bestätigen würde."

Währenddessen haben die Gegner früherer Windkraftprojekte den erneuten Vorstoß sehr wohl wahrgenommen. Zeitlofs Stellvertretender Bürgermeister Volker Roth engagierte sich vor vier Jahren in der Initiative "Für den Roßbacher Forst". Man habe sich noch nicht zusammengesetzt, um die Sache zu bewerten. Man wisse noch nicht, was wirklich geplant sei, wie groß der Windpark und wo die Standorte genau sind. Sicher werde man wieder die Größenordnung kritisch sehen und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Man dürfe aber die Energiekrise nicht außer acht lassen.

Als Bürgermeister-Vize will Roth selbst die Angelegenheit "neutraler bewerten als beim letzten Mal. Er glaubt, dass die Initiatoren "ein gutes Konzept brauchen werden, wenn sie Befürworter dafür finden wollen".