Staatsministerin Huml, selbst Ärztin, kennt das Problem der Untergrenzen beim Pflegepersonal. "Der Gesetzgeber sagt ja: Eigentlich müsste ja mehr als dieses Mindestmaß an Betreuern da sein." Die politische Idee hinter dem System sei gut; es hapere an der Umsetzung. Solche Dinge müssten vor Ort entscheidbar sein.
Chancen durch Generalistik
Sabine Hein ließ durchblicken, dass die deutsche Geschäftsführung des Krankenhausbetreibers Capio das Wirtschaftliche der Prümmer-Klinik mittragen würden. Andere Konzerne seien da nicht so kulant. Sie sieht große Chancen, durch die sogenannte Generalistik mehr Personal zu gewinnen. Generalistik bedeutet, dass sowohl angehende Kinderkrankenpfleger, Altenpfleger als auch Gesundheits- und Krankenpfleger zwei Jahre dieselben Ausbildungsinhalte vermittelt bekommen, ehe sie sich im dritten Jahr spezialisieren. Die Prümmer-Klinik besitze dahingehend eine Kooperationsvereinbarung mit dem Klinikum Fulda. Auch sei eine Absichtserklärung da, mit dem Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) zusammenzuarbeiten.
Wie angespannt die Lage ist, machte Sabine Hein deutlich, als sie erwähnte, dass die Prümmer-Klinik 2016 bei der Staatsregierung in München einen sogenannten Sicherstellungszuschlag beantragt hatte. Der sollte helfen, den wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Den bekam sie nicht, weil einbestimmtes Kriterium nicht erfüllt war. Dabei ging es um die Anzahl von Patienten, die nicht zeitnah versorgt wären, wenn es die Prümmer-Klinik nicht mehr gäbe. In ihrem Einzugsgebiet waren es zu wenige.Und so sagt Hein: "Wir kämpfen und kämpfen. Man fühlt sich an der ein oder anderen Stelle schon verlassen."
Ein letzter Punkt, der ihr aufstieß, ist "die Abrechnung der akutgeriatrischen Komplexpauschale". Um einzelne Fälle von Patienten abrechnen zu dürfen, müssen bestimmte vorgegebene Strukturmerkmale erfüllt sein. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen sah das bei der Prümmer-Klinik nicht erfüllt. Er wandte bei der Beurteilung Landesrecht an, laut Hein hätte es aber Bundesrecht sein müssen. "Die Krankenkassen zahlten nun nicht nur die Pauschale nicht, sondern verweigerten teilweise die Zahlung kompletter Fälle." Die Klinik habe dadurch "Liquiditätseinbußen" gehabt. "Das, was die Kassen sich da erlaubt haben, war unter aller Sau", wurde Hein drastisch.
Melanie Huml bekräftigte, dass es "uns und mir wichtig ist, Krankenhäuser in der Fläche zu haben". Da sei man mit der Klinik, dem Medizinischen Versorgungszentrum und dem geplanten MedZentrum in Bad Brückenau sehr aktiv. Eine Überlegung sei, ob der Freistaat nicht finanzielle Defizite einzelner Häuser über einen gewissen Zeitraum ausgleichen könne. Landrat Thomas Bold (CSU) meinte, es müsse einen "allgemeinen Zuschlag für kleine Krankenhäuser" geben. MdL Kirchner versprach nachfassen, was die Untergrenzen beim Pflegepersonal angeht.
Alle beide und Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) setzten sich für das an der Prümmer-Klinik geplante MedZentrum ein. Meyerdierks sieht es als Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region, auch, falls es das Krankenhaus mal nicht mehr geben sollte.
Klinikdirektorin Hein äußerte auf Nachfrage den Eindruck, "dass die Ministerin sehr wohl weiß, wovon wir gesprochen haben und dass sie unsere Anliegen wahrnimmt". Sie erwartet nun, dass nachgearbeitet wird und zeitnah aus dem Gesundheitsministerium Antwort kommt.