Wenn Notlagen herrschen sind die Freiwilligen Feuerwehren erste Ansprechpartner. Ob Brände, Hochwasser oder Katastrophenlagen die Feuerwehren rücken aus. Solch ein Einsatz muss gut koordiniert und organisiert werden, vor allem wenn es Großeinsätze sind. Dann müssen nicht nur die technischen und fachliche Bereiche reibungslos sitzen, auch die Verpflegung großer Gruppen gilt es zu üben. Am Wochenende fand im Truppenübungsplatz Wildflecken eine solche Großübung des Landkreises Erlangen-Höchstadt statt.

Für den Verpflegungspart, war der Logistikzug des Hilfeleistungskontingents des Landkreises Bad Kissingen zuständig. Markus Bug von der Feuerwehr Kothen erklärt: Im Jahr 2013 waren viele Feuerwehren zum Hochwassereinsatz in Bayern unterwegs. Im Nachgang dieses Einsatzes wurde vom Bayerischen Innenministerium beschlossen, dass jeder der 96 bayerischen Landkreise verpflichtet wird Hilfeleistungskontingent aufzustellen. Ein solches Kontingent besteht aus Fahrzeugen, Maschinen, Material und Personal der freiwilligen Feuerwehren.

Es ist so aufgestellt, dass im Einsatzfall von jeder der beteiligten Wehren nur ein Teil zum Großeinsatz abgezogen wird und vor Ort noch immer genügend Personal und Gerät vorhanden bleibt, um die Einsatzfähigkeit sicher zu stellen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Gemeinden ohne einen Grundschutz bleiben.

Verpflegung für die ersten 48 Stunden Verpflegungsgruppenführer im Landkreis Bad Kissingen ist Sebastian Metz von der Feuerwehr Stangenroth. Er ist für den Speiseplan, den Einkauf und die komplette Organisation der Verpflegung zuständig. In einem Computer hat er Rezepte und Einkaufslisten. "Ich kann innerhalb von fünf Minuten einkaufen gehen. Wir können innerhalb von zwölf Stunden ausrücken." Ziel sei es die Verpflegung der Einsatzkräfte für die ersten 48 Einsatzstunden sicher zu stellen.

Gekocht wird frisch in einer Feldküche, die dem Logistikzug Bad Kissingen von der Bundeswehr 2016 für den Katastrophenschutz überlassen wurde. Die Feuerwehren haben sie in Feuerwehrrot lackiert. Metz hat eine Fortbildung zum Feldkoch absolviert. "Das hat nichts mit Kochen zu tun. Wir haben viel über Hygiene und Mengenberechnung gelernt". Denn gekocht wird in der Feldküche für bis zu 250 Personen. Die Anleitungen sind detailliert ausgearbeitet, damit gar nicht erst Fragen auskommen wie viel Kaffeepulver auf 20 Liter Wasser genötigt wird oder wie viel Salz ins Nudelwasser muss, wenn Nudeln für mehrere hundert Personen gekocht werden.

Die rote Küche

Die "rote Bad Kissinger Küche" wird mit Petrolium betrieben. 15 Frauen und Männer aus den Feuerwehren Stangenroth und Kothen gehören zur Verpflegungsgruppe. Nicht nur die klassische Gulaschkanone kann in der Feldküche zubereitet werden, sondern leckere und vollwertige Mahlzeiten. Es gibt zwei Bratpfannen, zwei Schnellkochkessel, die jeweils 140 Liter fassen, zwei Backrohre zum Aufbacken von Brötchen oder Warmhalten. "Wir können alles kochen, was das Herz begehrt von Suppe über Schnitzel zu Braten mit Klößen", sagt Metz. Die Feldküche ist mobil, es ist ein Anhänger der den Einsatzorten gefahren werden kann. Gedacht ist sie zur Versorgung der Hilfskräfte in Notlagen könnten aber auch betroffene Bevölkerung versorgt werden.

Ihr Standort ist bei der Feuerwehr in Stangenroth. Drei Kühlanhänger gehören ebenfalls zum Logistikzug, einer für Lebensmittel und zwei für Getränke. Vier Spülmobile mit Spülmaschine und Geschirr für bis zu 600 Personen gehören ebenfalls zum Kontingent. 48 Stunden autark bedeute auch, dass die Unterkunft geregelt ist. 200 Betten warten in einem Container. Allerdings wurden keine Zelte angeschafft, die Hilfskräfte müssten in einer größeren Halle untergebracht werden.

Lachen und Lob als Lohn

Bei der Übung in Wildflecken waren 185 Personen zu versorgen, zwei Abendessen, zwei Frühstücke und ein Mittagessen waren zu kochen. "Freundliche Gesichter. Lachen und Lob, dass es super geschmeckt hat", sind für Metz und seine Mitstreiter der schönste Lohn. Für Metz ist der Blick in die Biotonne ein Indikator ob er mit der Rezeptauswahl und der Zubereitung richtig lag. Einerseits ist ihm eine gute Kalkulation wichtig, andererseits sei es aber wichtiger, dass jeder satt werde. "Erfahrungen sammelt man nur durch praktische Übungen." Er habe Wurst für zwei Tage Frühstück eingekauft, am ersten Tag waren zehn Scheiben übrig. Eine Punktlandung. "Das Schlimmste wäre, wenn nichts mehr da ist und nicht alle statt werden." Bleiben Reste übrig, werden sie soweit es möglich ist weiter verwertet. Nudeln vom Mittagessen werden dann zu einem Nudelsalat für den Abend. Auch auf Vegetarier werde Rücksicht genommen. Bislang waren das Bad Kissinger Hilfeleistungskontingent und Logistikzug mit der Feldküche bei noch keiner Katastrophe im Einsatz. Natürlich möchte auch niemand eine Katastrophe herbei wünschen, doch die Stangenrother und Kothener Feuerwehren stehen parat wenn sie benötigt werden.

Hintergrund:

Ein Hilfeleistungskontingent ist unterteilt in verschiedene Untergruppen, die sogenannten Züge. Da gibt es das Standartkontingent mit mindestens einem Löschfahrzeug und Personal. Zwei solcher Standartkontingente sind die Basis des Hilfeleistungskontingents und kann drei bis vier Feuerwehrfahrzeugen und bis zu 23 Personen umfassen. Je nach Einsatzlage kommen Spezialkontingente hinzu. Über Hochwasserpumpen verfügt beispielsweise das Spezialkontingent aus Erlangen/Höchstadt, das Spezialkontingent des Landkreises Bad Kissingen kann bei Hochwasser mit Sandsäcken anrücken. 10.000 Säcke wurden angeschafft und eine Sandsackfüllmaschine. Weitere denkbare Einsatzlagen für Spezialkontingente wären Sturmschäden, Ölunfälle oder Schneekatastrophen.

Die beteiligten Einsatzkräfte müssen versorgt und verpflegt werden. So gehört zu einem Hilfeleistungskontingent auch ein Logistikzug. Es werde der Nachschub an Treibstoff und Material geregelt, Reparaturen organisiert oder vorgenommen. Sie sind für platte Reifen oder geplatzte Kühler zuständig. Idealerweise sollte ein Kfz-Mechaniker und ein Elektriker im Rüstwagens des Logistikzugs sitzen. Zur Logistik gehört auch die Verpflegung mit Getränken und Essen.

Ein Hilfeleistungskontingent kann Europaweit eingesetzt werden, über den Einsatz entscheide die Regierung.