"Ich erinnere mich noch sehr gut an alle Einzelheiten meiner Ordination. Da war die Kirche voll", blickt Niels Hönerlage zwölf Monate zurück. "Heute muss das Gotteshaus leer bleiben, zumindest für die nächsten Wochen". Das fühle sich schon merkwürdig an.

Gerade als ein bisschen Routine eingekehrt sei, er alles im Kirchenjahr einmal gesehen habe, stehe er plötzlich vor einer bis dahin völlig unbekannten Situation. "Es ist schön, hier zu sein. Gerade auch jetzt", macht der 32-Jährige mit Überzeugung deutlich. "Hilfsbereitschaft und Solidarität sind in den Ortschaften sehr stark zu spüren. Das tut gut. Da ist ganz viel christlicher Geist." Manchmal sei das den Menschen vielleicht gar nicht so klar, "dass bei uns aktiv Nächstenliebe im biblischen Sinne praktiziert wird".

Natürlich ändere sich das Arbeiten der Pfarrer und Pfarrerinnen momentan immens. Besuche, Schule ("Die fehlt mir besonders") und Gottesdienste fallen weg, Es gibt keine Kasualien, Trauerbegleitung findet nur im engsten Familienrahmen statt. "Das ist für mich eine merkwürdige Situation, aber langweilig wird es nicht". so Hönerlage.

Viel Energie werde gerade in der digitalen Kirche freigesetzt. Da stünden etliche Angebote zur Verfügung. Das sei mehr als nur ein Fernsehgottesdienst, der aber auch stärker angenommen werde als gewöhnlich. Dann wird der Geistliche ganz konkret: "Karfreitag, Osternacht, Ostern und der ökumenische Emmaus-Gang am Ostermontag, alles wird dieses Jahr anders. Ein wichtiger Teil des Kirchenjahres entfällt im Gottesdienstleben. In Weißenbach und Detter werden wir einiges nachfeiern, vielleicht unter freiem Himmel".

Über die Online-Andachten, so hat Hönerlage bereits jetzt festgestellt, erreiche er mindestens genauso viele Menschen wie sonst am Sonntag direkt in der Kirche. Zum Teil sei das sogar ein ganz anderer Personenkreis als sonst, "was auch sehr schön ist".

Seine Planung will der Pfarrer der aktuellen Entwicklung einfach anpassen. Dieses Jahr sei ohnehin keine Konfirmation vorgesehen gewesen, das komme den Organisatoren momentan sehr entgegen. Aber wie die anderen größeren Veranstaltungen wie beispielsweise Jubelkonfirmation, Open-Air-Gottesdienst an Christi Himmelfahrt im Pfarrgarten oder Kinderbibelwochenende über die Bühne gehen können, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen.

Abschließend nennt Hönerlage im Detail alle Dinge, die während der gottesdienstfreien Zeit angeboten werden. Es gibt offene Kirchen in Detter und Weißenbach und jederzeit telefonisch ein "offenes Ohr" für die Seelsorge unter der Rufnummer 09744/ 9272. Andachten liegen zum Mitnehmen ("Andachten to go") aus. Es gibt zudem die Möglichkeiten, in beiden Gotteshäusern Kerzen anzuzünden, für ein persönliches Gebet sowie für Fürbitten. Die Andachten sind auch im Internet (Facebook, Instagram, YouTube und Whatsapp) zu bekommen. Interessen sollten sich in dieser Sache an das Pfarrbüro wenden. Einkaufshilfen organisieren der Jugendclub Weißenbach, der Schützenverein Roßbach und der SV Detter-Weißenbach gemeinsam.