Seine temperamentvollen Erzählungen aus einem bewegten Leben könnten ganze Bände füllen. Der Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand war für den heute 79-Jährigen schon von Kindesbeinen an faszinierend. Pfarrer i.R. Günter Wagner fungiert als Kur- und Urlauberseelsorger im Raum Bad Brückenau und übernimmt damit zeitweise auch einige Aufgaben der beiden Geistlichen Gerd Kirchner und Friedrich Bodo Bergk.

Die Gottesdienstbesucher werden den Pastor unter anderem bei verschiedenen Feiern in der evangelischen Friedenskirche in der Stadt und in der Christuskirche im Staatsbad kennenlernen.

"Ich bin ein Spätberufener", sagt Wagner, der erst im Alter von 27 Jahren das Theologiestudium aufgenommen hat, im Gespräch mit dieser Zeitung. Seine ungewöhnliche Karriere beschreibt er mit wenigen Worten: "Mein Weg führte vom Bauern zum Pfarrer." Denn ursprünglich gelernt hat der gebürtige Marktstefter, der auf einem Aussiedlerhof aufgewachsen ist, den Beruf des Landwirts.

Das Leben abwechslungsreich gestaltet

Da er schon immer ein interessierter Mensch gewesen sei, habe er sein Leben als Geistlicher glücklicherweise sehr abwechslungsreich gestalten können. Ob nun Gemeindedienst an diversen Orten oder Religionsunterricht an unterschiedlichen Schulen, "jede Aufgabe war mit einem besonderen Reiz verbunden". Als äußerst spannende Zeit sind ihm die zehn Jahre als Gefängnisseelsorger in Erinnerung geblieben. Hinter Gittern treffe man schon auf eine spezielle Welt, die bei aller christlichen Nächstenliebe durchaus eine gewisse Härte und konsequentes Durchsetzungsvermögen erfordere. Aber selbst mit Strafgefangenen sei es möglich, eine gewisse Vertrauensbasis untereinander zu schaffen. Er bezeichnet es ohnehin als seine große Stärke, "immer direkt auf die Leute zuzugehen", und nennt sich daher selbst gern Lebensberater.

In seiner Freizeit organisierte Wagner mit viel Engagement und Herzblut Touren nach Israel und Ägypten sowie in einige weitere Länder. Bei diesen Unternehmungen machte er sich bei den Teilnehmern mit seinem umfangreichen Wissen schnell einen Namen als kompetenter Reiseleiter.

Auch wenn seine aktive berufliche Laufbahn bei der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern 2008 altersbedingt endete, ist der Begriff Ruhestand für Wagner praktisch ein Fremdwort. Denn nun schon seit 2014 ist der Geistliche im Sommer regelmäßig für einige Wochen als Kur- und Urlauberseelsorger in Deutschland unterwegs. "Und das sogar meistens zweimal pro Jahr", wie er nicht ohne Stolz betont. In den Wintermonaten betreute er bis zur Corona-Pandemie regelmäßig eine sogenannte Hausgemeinde mit deutschen Landsleuten am Roten Meer im ägyptischen Urlaubsort Hurghada.

Die Rhön als "Neuland"

Die Rhön ist für ihn und seine aus dem Iran stammende Frau Mahin, die seit elf Jahren in Deutschland lebt, "praktisch komplettes Neuland". Umso mehr freut sich das Ehepaar, das 2019 geheiratet hat, auf den Blick in die herrliche Natur, Streifzüge durch die schroffe Landschaft und in erster Linie natürlich auf die Kontakte mit den Menschen vor Ort. "Nichts ist spannender als persönliche Begegnungen und Lebensgeschichten", bringt Wagner seine Erfahrungen auf den Punkt.

Mehrere interessante Unterhaltungen mit seinen Gastgebern, der Familie Ritter im Staatsbad, haben schon zu Beginn des mehrwöchigen Aufenthalts stattgefunden. Und für reichlich Gesprächsstoff war gleich gesorgt. Schließlich ist Helma Ritter als Ehrenamtliche seit vielen Jahrzehnten aktiv in das Leben der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau eingebunden.