Den Unterleichtersbachern ist heuer ein großes Fest durch die Lappen gegangen. 100 Jahre ist die Freiwillige Feuerwehr in diesem Jahr alt geworden. "Wir hätten drei Tage gefeiert. Das wäre gut geworden", ist sich Vorsitzender Oliver Schaub sicher. "Das Zelt war bestellt. Die Musik war bestellt. Der Pfarrer wäre gekommen", ergänzt Ralf Heil, dessen Stellvertreter. Doch das Fest fiel aufgrund der Auflagen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aus.

Offen bleibt, ob es im kommenden Jahr nachgeholt werden wird. Der Anlass aber ist natürlich nicht gestrichen worden. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr geht auf das Jahr 1892 zurück, berichtet Schaub. Damals gelang es jedoch nicht, die Mitglieder kontinuierlich zu halten. Erst 1920 schaffte es Kommandant Johann Reuß, dauerhaft "ideal gesinnte Männer um sich zu scharen", wie in einem Bericht aus den 1950er Jahren zu lesen ist.

Der Einsatz der Unterleichtersbacher Wehr überdauert nunmehr ein Jahrhundert. Heute gehören ihr 109 Mitglieder an, von denen 63 aktiv ausrücken. Für einen Ortsteil mit aktuell 322 Einwohnern ist das immens. "Der Rückhalt ist groß. Die Feuerwehr genießt nach wie vor großes Ansehen in der Bevölkerung", schildert Schaub.

Alarmierung zu Fuß

Aus heutiger Sicht ist die Brandbekämpfung mit einfachsten Hilfsmitteln in der Gründungszeit nicht mehr vorstellbar. Die Chronik berichtet unter anderem davon, dass im Jahr 1925 jeder Feuerwehrmann drei Mark für die Rockbeschaffung aufbringen musste. Ein Rock habe 17 Mark und eine Mütze drei Mark gekostet. Eine einzige kleine Handspritze stand der Feuerwehr damals zur Verfügung bis die Gemeinde im Jahr 1930 eine fahrbare Saug- und Druckspritze anschaffte.

Pferde oder Kühe konnten davor gespannt werden, oder aber die Männer packten zu und zogen sie selbst zum Brandgeschehen. In einer Zeit, in der es weder eine integrierte Leitstelle noch Telefone für die Bevölkerung gab, holten so genannte Feuerläufer Hilfe. Ein Dokument listet die Namen derer auf, die im Jahr 1902 damit beauftragt waren, im Brandfall nach Modlos, Oberleichtersbach, Schondra und Schönderling zu eilen. Auch vier Hornisten werden aufgeführt. Sie bliesen Alarm. Außerdem wurden bei Feuer die Kirchenglocken geläutet.

Kriegsjahre und ein verschobenes Fest

Der Zweite Weltkrieg ging auch an der Unterleichtersbacher Wehr nicht vorbei. Viele Wehrmänner wurden eingezogen, manch einer ließ sein Leben. Nur die Älteren blieben zurück. Gründungsmitglied Karl Schneider, so berichten es Aufzeichnungen, sammelte sie um sich. Doch "glücklicherweise blieb unser Dorf während des Krieges von Brand- und Kriegsschäden verschont", ist darin zu lesen.

Weil das 25-jährige Bestehen just auf das Jahr 1945 fiel, feierte die Feuerwehr erst das 30-jährige Gründungsfest im Jahr 1950 sehr groß. Fünf Jahre später, im Juni 1955, wurde eine neue Fahne geweiht. Sie ist bis heute der Stolz der Feuerwehr Unterleichtersbach. In den folgenden Jahrzehnten verbesserte sich die Ausstattung stetig. Inzwischen verfügt die Wehr über vier Fahrzeuge, von denen zwei noch genutzt werden.

Neubau dringend nötig

Die alte Spritze steht noch immer im Feuerwehrhaus und wird an besonderen Anlässen hervorgeholt. Sie wurde mit viel Liebe und Sorgfalt restauriert, erzählt Schaub. Auch der Bulli T1 aus dem Jahr 1963 steht in der Garage. "Den nutzen wir noch als Mannschaftswagen", berichtet Heil. Einen großen Wunsch haben die Feuerwehrler aus Unterleichtersbach: "Unser nächstes großes Projekt ist der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses", sagt Vorsitzender Oliver Schaub.

Ganz früher traf sich die Feuerwehr in der Kapellenstraße. Ab 1927 war sie zunächst in der Raiffeisenstraße und seit 1955 in der Bernbrunner Straße zu finden. Der Schulungsraum der Feuerwehr befindet sich in der Alten Schule, und das auch schon seit mehr als 40 Jahren. "Beide Gebäude sind renovierungsbedürftig", erklärt Schaub. Doch bisher habe man sich nicht einigen können, an welcher Stelle das Feuerwehrhaus gebaut werden solle.

Die Unterleichtersbacher Feuerwehr hofft, dass bald Bewegung in die Angelegenheit kommt. "Die Standortfrage sollte von der Gemeinde geklärt werden", sagt Heil.

106 Mitglieder hat die Freiwillige Feuerwehr Unterleichtersbach zur Zeit. Darunter sind aktive und passive Mitglieder.

61 Aktive Feuerwehrleute, darunter fünf Frauen, zählt die Unterleichtersbacher Wehr. Die Jugendgruppe hat etwa 15 Mitglieder.