Wie Handwerker Mitte des vorigen Jahrhunderts Leitungen verlegt haben, wurde in den vergangenen Tagen mehrfach bei Sanierungsarbeiten an den elektrischen Anlagen der Bad Brückenauer Friedenskirche deutlich. Die hohen Sicherheitsstandards von heute waren damals noch ferne Zukunftsmusik.

Als Relikt aus alten Zeiten galt bis vor Kurzem beispielsweise der Schaltschrank für Heizung, Licht und Glocken, der mit seiner unübersichtlichen Fülle von Anschlüssen noch aus der Erbauerzeit des evangelischen Gotteshauses zwischen 1957 und 1959 stammte. "Wir wundern uns immer wieder, dass das Ding überhaupt noch funktioniert", hatte Pfarrer Gerd Kirchner in der Vergangenheit regelmäßig erstaunt festgestellt.

Den Verantwortlichen der Kirchengemeinde war schon seit langem klar, "dass hier endlich etwas passieren muss". Außerdem hätte der TÜV bei den turnusmäßigen Überprüfungen dem "Dino für das Technikmuseum" niemals seinen Segen für den weiteren Betrieb erteilt.

Bereits Mitte 2019 wurden dann endlich die sprichwörtlichen Nägel mit Köpfen gemacht, der komplette Austausch des Objekts beschlossen und auf den Weg gebracht. Aber so einfach, wie die Kirchenleute sich das vor zwei Jahren vorgestellt hatten, gestaltete sich das Projekt keineswegs.

Schwierige Findungsphase

Etliche Experten hätten zwar vor einer eventuellen Auftragsvergabe einen intensiven Blick hinter die quietschenden Blechtüren des antiquierten Schaltschrankes geworfen, angesichts des wirren Durcheinanders von Kabeln und Schaltern aber dankend abgewunken, erinnert sich Kirchner an die schwierige Findungsphase. "Schließlich hat sich doch noch eine ortsansässige Elektrofirma bereit erklärt, die Sache endlich in Angriff zu nehmen", zeigt sich der Geistliche erleichtert.

Den Handwerkern, die derzeit im Turm der Friedenskirche arbeiten, offenbaren sich immer wieder neue unliebsame Überraschungen. "In den vergangenen Jahrzehnten ist wirklich viel improvisiert worden", gibt Kirchner unumwunden zu. Habe es eine Panne gegeben, dann sei schnell notdürftig repariert worden. "Wir sind dann aber an Grenzen gestoßen. Irgendwann geht eben nichts mehr".

Angesichts der umfangreichen Sanierung, auch etliche Zuleitungen und Leuchten innerhalb und außerhalb des Gotteshauses werden erneuert, wird sich die seinerzeit geschätzte Bausumme von rund 10 000 Euro locker verdoppeln, erläutert der Pfarrer mit einem Stirnrunzeln. Das sei "ein richtig großer Brocken". Er hofft nun, dass sich Spender und Sponsoren finden, um die Sache zu stemmen. "Wenn es um ihre Kirchen geht, haben die evangelischen Christen glücklicherweise schon häufig Herz und Geldbeutel geöffnet", zeigt sich der Pastor zuversichtlich.