Mit Spannung war dieser zweite Prozesstag im Mordprozess in Fulda erwartet worden: Der Angeklagte hatte angekündigt, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Dass er seine Ex-Freundin getötet haben soll, bestreitet er und erzählt eine andere Geschichte.

Wortreich, aber wenig zusammenhängend - so könnte man die Erklärung des Angeklagten beschreiben. Die Vorwürfe gegen ihn, die in der Anklage geschildert worden waren, findet er "sehr merkwürdig und schrecklich". Er betont: "Wenn man einen Menschen ins Gefängnis schickt, dann muss man sich zu 100 Prozent sicher sein, dass der Mensch es getan hat."

Angeklagter stellt Beweise infrage

Seit dem Tattag am 7. Dezember sitzt der 31-Jährige in Untersuchungshaft. Er stellt infrage, dass es Beweise gebe, behauptet, dass am Tatort von ihm keine Spuren gefunden worden seien. Nachdem er in der Wohnung seines Bruders festgenommen worden war, habe ein "Terror" gegen ihn angefangen. Er habe weder seine Familie noch seinen Anwalt anrufen dürfen. Eine Dolmetscherin übersetzt, was der Rumäne in seiner Muttersprache erklärt.

Richter Josef Richter fragt den Angeklagten ganz konkret, ob es stimmt, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, ob er seine 35-jährige Ex-Freundin am 7. Dezember in Fulda getötet habe. Darauf sagt der junge Mann - diesmal auf Deutsch - sofort und entschieden: "Nein."

"Sehr schöne Beziehung"

Er berichtet von einer "sehr schönen Beziehung. Wir haben uns gegenseitig respektiert, haben uns Geschenke gemacht." Im März 2020 habe er der 35-Jährigen - nach vier Monaten Beziehung - einen Heiratsantrag gemacht. An ihrem Geburtstag und an dem Tag, an dem die Scheidung mit ihrem Ex-Mann durch gewesen sei. "Sie hat Ja gesagt."

Es habe keine Krisen gegeben, keinen Streit, keine Probleme. Auf die Frage, ob er manchmal aggressiv gewesen sei, sagt er: "Nein, niemals", - wieder auf Deutsch. Auf Rumänisch fügt er hinzu: "Sie wollte mir helfen, den Führerschein zu schaffen." Doch als er die praktische Prüfung abgelegt habe, sei dort ein Mann gewesen. Dieser habe eine Pistole bei sich getragen. Der Angeklagte habe dann einen Vertrag unterschreiben sollen. "Ich dachte, der ist für den Führerschein. Es war ein großer Fehler." Darin sei vereinbart worden, dass seine Freundin ein Schutzgeld zahlen soll. Sie sei "unschuldig da hineingeraten". Dieser Mann habe ihn und auch die 35-jährige Ärztin terrorisiert, er habe sie ständig verfolgt - an ihrer Arbeitsstelle, an ihrer und an seiner Wohnung. Seine "Frau", wie er sie bezeichnete, habe deswegen oft geweint.

Die Person sei jemand aus dem Bekanntenkreis der Getöteten gewesen. Doch später in der Befragung sagt er, es sei jemand gewesen, der ihn "in einer Bande haben wollte". Der Mann habe ihn 2018 kontaktiert, nachdem der Angeklagte wegen einer früheren Straftat nach neunmonatiger Haft das Gefängnis verlassen hatte.

Angeklagter: Dunkles Auto und unbekannter Verfolger

Dass der Angeklagte am Tattag, am 7. Dezember 2020, am Herz-Jesu-Krankenhaus auf die 35-jährige Ärztin gewartet habe, das bestätigt er. Auch dass er hinter ihr in den Hinterhof ihres Wohnhauses gefahren sei. Sie habe ihm ein Zeichen gegeben, sie könne jetzt nicht sprechen und rufe ihn später an. Er sei nicht ausgestiegen und wieder rückwärts aus der Hofeinfahrt rausgefahren - daraufhin sei ein dunkles Auto in den Hof hinein gefahren. Wer darin saß? Das habe er nicht gesehen. "Die Scheinwerfer blendeten mich." Doch er tippt auf den unbekannten Verfolger.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Christian Knöchel fragt den Angeklagten, ob er manchmal Stimmen höre. Dieser antwortet auf Deutsch entschieden: "Nein. Ich bin nicht paranoid und ich bin nicht krank." Seine Mutter habe aber mal zu ihm gesagt: "Du bist verrückt. Niemand verfolgt dich." Richter Josef Richter fragt, ob er einmal in Ruhe ein Gespräch mit Dr. Knöchel führen möchte. Der Angeklagte sagt: "Nein. Ich möchte hier in der Verhandlung diese Enthüllungen machen."

Prozess wird am Freitag fortgesetzt

Wieso er in den Monaten der U-Haft geschwiegen habe, will der Richter wissen. Daran sei sein ehemaliger Anwalt schuld, betont der Angeklagte. Deshalb hatte er bereits im Ermittlungsverfahren einen neuen Verteidiger beauftragt. Doch auch mit diesem ist er nicht mehr zufrieden. Der Richter erklärt ihm, er könne zum nächsten Verhandlungstag einen neuen Anwalt beantragen. Der Prozess wird am Freitag, 23. April, fortgesetzt. Jessica Vey