Verbandstasche oder Verbandskasten gehören in jedes Fahrzeug. Im Notfall dienen sie der Erstversorgung vor Ort. Doch wer weiß schon, wie lange das Verbandszeug noch haltbar ist? Oder was im Kasten drin sein muss? Wir haben mit Herbert Markert, dem Leiter der Polizeiinspektion (PI) Bad Brückenau, und Thomas Menz vom Rotkreuz-Kreisverband Bad Kissingen über Neuerungen gesprochen.

Industrienorm überarbeitet

Wenn ein Autofahrer neuerdings eine Verbandstasche kauft, findet er darin zusätzlich ein Pflasterset, zwei Feuchttücher und einen Verband in Kindergröße. Diese Änderungen wurden in der überarbeiteten Deutschen Industrienorm (DIN) 13 164 festgelegt. Dafür wurde die Zahl der sterilen Kompressen reduziert. "So viele Kompressen hat man eh nicht gebraucht", findet Thomas Menz die Änderung schlüssig. "Lieber ein Pflaster mehr mit rein und dafür einige Kompressen, die sowieso nur verfallen, herauslassen."

Die neuen Feuchttücher dienen der Hautreinigung. "Bei einer Schürfwunde kann man durchaus mal drüberwischen", sagt Menz, der im Kreisverband für die Ausbildung zuständig ist. Aber: "Bei größeren Wunden sollte man nichts machen, da kommt es nur drauf an, möglichst schnell die Blutung zu stoppen."

Sehr sinnvoll findet Menz die neuen Verbandspäckchen und Pflaster in Kindergröße. Wegen der kleineren Gliedmaßen könne man bei Kindern mit dem regulären Verbandsmaterial nicht jede Wunde ideal versorgen. Und auch ein Pflaster für unterwegs sei wichtig: "Das Aua lässt meistens ganz schnell nach, wenn ein schönes Pflaster drüber ist", weiß Menz, denn: "Bei Kindern spielt vor allem der psychologische Effekt eine große Rolle."

Müssen Autofahrer ihre alten Verbandskästen nun wegwerfen? Nein, die Taschen und Kästen, die bisher im Gebrauch sind, können noch weiter verwendet werden. Auch sie enthalten genug Material, um im Notfall Erste Hilfe leisten zu können, betont Polizist Herbert Markert. "Der Verbandskasten hat den Zweck, die 15 Minuten zu überbrücken, bis der Rettungsdienst kommt", betont er. "Lieber einer, der zu alt ist, als gar keiner", laute deshalb die Devise.

Verwarnung mit fünf Euro

"Wir überprüfen bei unseren Verkehrskontrollen vor allem, ob überhaupt ein Verbandskasten im Auto ist", berichtet Markert. Wer gänzlich ohne Verbandskasten, mit nicht vollständigem Verbandszeug oder mit abgelaufenen Produkten unterwegs ist, muss mit einem Verwarnungsgeld von fünf Euro rechnen. Zudem gibt es eine Mängelanzeige: Der Autofahrer muss also später zur Dienststelle kommen und einen ordnungsgemäßen Verbandskasten vorzeigen. Wer noch einen alten Kasten im Auto hat, der noch nicht der neuen Vorschrift entspricht, aber sonst intakt ist, hat nach Angaben von Herbert Markert nichts zu befürchten.

Neues Auto, neuer Kasten

Trotzdem empfehlen Menz und Markert, ab und an mal nach dem Verbandskasten zu schauen. In der Regel sind sie fünf Jahre haltbar, dann könnten Kompressen nicht mehr steril sein oder Pflaster schlechter kleben. Einige Kästen sind aber auch länger haltbar. "Meine Empfehlung ist, immer bei einem neuen Auto auch den Verbandskasten zu wechseln, vielleicht kann man ja auch gleich beim Händler einen aushandeln." Ansonsten gibt es die Taschen und Kästen für acht bis 18 Euro in Baumärkten, Tankstellen und größeren Supermärkten.

Mit altem Material üben

Ausbilder Menz hat einen Tipp, was mit den alten Kästen zu tun ist: "Wenn ein Verbandskasten abgelaufen ist, ist das immer eine gute Möglichkeit, mit Kindern Verbände zu üben." So lernen Mädchen spielerisch den Umgang mit der Erste-Hilfe-Ausrüstung.

Neben Verbandskasten und Warndreieck gehört inzwischen auch eine Warnweste zur Grundausstattung. Um die Sicherheit zu erhöhen, muss seit August 2013 pro Fahrzeug eine Warnweste mitgeführt werden. "Ab 1. Juli 2014 wird das Fehlen dieser Warnweste geahndet", kündigt Markert von der PI Bad Brückenau an. Wie teuer die fehlende Weste für den Autofahrer tatsächlich wird, sei allerdings noch nicht bekannt. "Bei mir persönlich liegt in jeder Türablage eine Warnweste, es wird zwar eigentlich nur eine verlangt, aber aus meiner Sicht sollte jeder Insasse eine haben", sagt Markert.

Möglichst im Innenraum

Auch beim Verbandskasten empfiehlt der Polizist, ihn lieber im Innenraum des Fahrzeugs zu platzieren: Der Innenraum sei am besten geschützt, so erreiche der Autofahrer das Material auch, wenn sich der Kofferraum etwa nach einem Unfall nicht mehr öffnen lasse.

Die Warnweste ist auch Thomas Menz wichtig: "Das Wichtigste für Ersthelfer ist der Eigenschutz", weiß er aus eigener Erfahrung. Oft würden Helfer aus Leichtsinn selbst verletzt. Deshalb: "Immer zuerst Sicherheitsdreieck aufstellen, Warnweste anziehen und Handschuhe an, wenn man jemanden versorgen muss." Und: Während früher in der Ausbildung oft Techniken für Verbände geübt wurden, gelte heute: "Verbände müssen nicht schön sein, sondern die Blutung stoppen."

Einen letzten Aspekt hat der Bad Brückenauer PI-Chef: "Ein Warndreieck zehn Meter hinter dem Fahrzeug hilft gar nichts." Stattdessen müsse der reflektierende Hinweis auf der Bundesstraße 100, auf der Autobahn mindestens 150 Meter vorher stehen. "Und im Kurvenbereich natürlich schon vor der Kurve, damit nachfolgende Autofahrer rechtzeitig gewarnt werden."