Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Alte Friedhof regelmäßig Thema im Bad Brückenauer Stadtrat. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung sorgte der optisch nicht gerade attraktive Zustand der Anlage vermehrt für Diskussionsstoff. Das ist den Verantwortlichen im Rathaus nicht verborgen geblieben. Mittlerweile wurde gehandelt.

Die ganze Angelegenheit bedurfte im Vorfeld detaillierter Überlegungen. "Der Großteil der begehbaren Flächen auf den städtischen Friedhöfen besteht aus einer Splittschicht. Dadurch kann leider auch das Unkraut sehr einfach wachsen und trägt somit zum teilweise ungepflegten Aussehen bei", erläutert Bauhofleiter Michael Krug. Die manuelle Beseitigung des unerwünschten Bewuchses sei äußerst zeitaufwendig. Auch alternative Methoden wie beispielsweise heißer Dampf oder eine Beflammung "sind nicht zielführender", so der Experte.

Schon lange geplant

"Planungen für den Umbau einiger Areale zu reinen Rasenflächen bestehen seitens des Bauhofes schon sehr lange", blickt Krug in die Vergangenheit zurück. Die Pflege solch eines Terrains sei mit einem geringeren Personalaufwand als bei einem anderen Untergrund möglich, ebenso würden die Abschnitte mit dichtem Grünbewuchs von der Optik her deutlich besser aussehen. Um sich im Vorfeld anstehender Veränderungen ein Bild zu machen, haben Vertreter der Stadt gezielt mehrere Friedhöfe anderer Kommunen besichtigt. Dort waren die entsprechenden Rasenflächen schon realisiert worden.

"Mit solch einem Umbau habe ich bereits in Motten und Kothen gute Erfahrungen gemacht", bestätigt Bad Brückenaus Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), der vorher Rathauschef in Motten war. "Dadurch wurden auch stillgelegte Grabstätten einfacher in Pflege und Unterhalt, gerade wenn es mehrere nebeneinander waren." Er, seine beiden Stellvertreter Jürgen Pfister (PWG) und Dieter Seban (CSU) sowie Friedhofsreferent Ralf Keßler (SPD) und Michael Krug hatten im letzten Jahr ausführlich über die Angelegenheit gesprochen. "Schon damals waren wir uns einig, dass dies auch für unsere Stadt eine Option ist", so Vogel.

Die Vorteile des Rollrasens

Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in Bad Brückenau in den vergangenen Wochen in die Praxis umgesetzt. Als Pilotprojekt konnten die städtischen Arbeiter Ende Juli eine erste Abteilung im Alten Friedhof an der Fuldaer Straße zum "Rasenfriedhof" umbauen. "Dazu haben wir den bisherigen Flächenbelag mit Schotter und Splitt komplett entfernt, Unebenheiten mit Mutterboden ausgeglichen", geht der Bauhofleiter ins Detail. Anschließend erfolgte die passgenaue Aufbringung des Rollrasens. Der Fachmann nennt in diesem Zusammenhang gleich mehrere Vorteile von Rollrasen: einfache und zügige Verlegung, schnelle Begehbarkeit, Wegfall von aufwendigen Pflegearbeiten in der Wachstumsphase. Die aktuell umgestaltete Fläche mit einer Größe von rund 500 Quadratmetern sei bisher sowohl von den Friedhofsbesuchern als auch von den städtischen Entscheidungsträgern sehr positiv bewertet worden, schildert Krug die ersten Eindrücke.

Die weitere Planung steht bereits fest. Aufgrund der guten Resonanz von vielen Seiten soll heuer noch ein zweiter Abschnitt im Alten Friedhof ebenfalls zur Rasenfläche umgebaut werden. Diese Fläche ist sogar noch größer und misst ungefähr 700 Quadratmeter.

Barrierefreiheit

Die aktuelle Maßnahme knüpft praktisch nahtlos an etliche Projekte an, die bei der Umgestaltung des Alten Friedhofs in der jüngsten Vergangenheit verwirklicht worden sind. So erleichtern beispielsweise die gepflasterten Hauptwege seit geraumer Zeit auch Personen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, die Mobilität auf der Anlage. Längst etabliert hat sich im Zusammenhang mit der Barrierefreiheit auch der behindertengerechte Zugang vom Fußweg an der Fuldaer Straße.

Und gerne denken die Verantwortlichen im Rathaus noch sechs Jahre zurück, als sich die Stadtverwaltung an der Aktion "Unser Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur" beteiligte. Damals landete der Gottesacker nach der detaillierten Bewertung durch eine Expertenkommission auf einem dritten Platz.