Der Kreis - er beginnt sich zu schließen. Stolz schaute Sabine Hein auf den Rohbau des Werkes, das sie selbst vor Jahren angestoßen hatte. Als besonderer Gast war die frühere Verwaltungsleiterin der Franz-von-Prümmer-Klinik zum Richtfest des benachbarten Bad Brückenauer Medzentrums erschienen.

Hein hatte immer gesagt, dass es ein solches ambulantes Ärztezentrum braucht, um die Zukunft des kleinen Krankenhauses und damit die medizinische Versorgung in Bad Brückenau und Umgebung zu sichern. "Ich finde es überwältigend, vor dem Bau zu stehen, den ich wild mit initiiert habe", äußerte sich die Frau, die nun schon mehr als zwei Jahre für die Vinzenz-Gruppe in Fulda arbeitet, beim Richtfest.

Und Hein schob nach: "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es die richtige Entscheidung ist und zukunftsweisend die Gesundheitsversorgung mitsichert - auch wenn nun das Medizinische Versorgungszentrum der Klinik nicht mehr mit dabei ist."

Lob für raschen Baufortschritt

Das sahen andere Redner bei der kleinen Feier im künftigen Innenhof zwischen Medzentrum und Klinik ähnlich, allen voran Alexander Bechtler, Vertreter des Investors IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt aus Gießen. Er ließ die Entwicklung der vergangenen Monate und Jahre noch einmal kurz Revue passieren, mit Anklängen an all die Zweifel am Standort, aber auch den Betreiberwechsel bei der Prümmer-Klinik und die damit verbundene, von Hein angesprochene Umorientierung beim MVZ, das nicht mit ins Ärztehaus einzieht.

Landrat Thomas Bold (CSU) lobte die Entscheidung des Bad Brückenauer Stadtrats pro Medzentrum, auch wenn der Standort nicht unumstritten war. Er wünschte ein "volles Haus, belegt mit qualifizierten Ärztinnen und Ärzten". Und Jürgen Pfister (PWG) bedankte sich bei den Bauleuten "für den raschen Fortschritt".

Der Baufortschritt: Mit ihm können die Verantwortlichen wirklich zufrieden sein. In einer Zeit von Facharbeitermangel und Nachschubproblemen leistete die Firma Burger Bau pünktliche Arbeit. Laut Bauleiter Thomas Alles wurde der Rohbau nach fünf Monaten Bauzeit schon Ende April abgeschlossen; der Richtspruch, den nun Oberbauleiter Klaus Gundalach verlas, hätte also vielleicht schon eher stattfinden können. Derzeit sind laut Alles noch Abdichtungsarbeiten am Flachdach im Gange; die Elektroinstallation als erster Teil des Innenausbaus steht in den Startlöchern. In den oberen Stockwerken sind bereits die Fenster drin.

Laut einer Pressemitteilung der IWG könnte die Schlüsselübergabe für die ersten Mieter bei gleichbleibendem Bautempo im Frühjahr 2023 erfolgen. Das Medzentrum Bad Brückenau biete "über drei Vollgeschosse verteilt eine vermietbare Fläche in der Größenordnung von 1700 Quadratmetern".

Im ersten Obergeschoss seien neben einer bereits an die hausärztliche Gemeinschaftspraxis Dres. Nelkenstock, Hagitte und Abert vermieteten Fläche noch 260 Quadratmeter für einen weiteren ärztlichen Mieter frei. Das Erdgeschoss soll Gewerbemietern vorbehalten bleiben. Neben einem Sanitätshaus soll eine Bäckerei mit Café einziehen. Damit hat sich am Stand der Vermietung gegenüber dem Spatenstich im Oktober 2021 nichts wesentlich verändert.

Wie Alexander Bechtler gegenüber dieser Redaktion erläuterte, kann die IWG noch rund 300 Quadratmeter im Medzentrum für eine flexible Gestaltung anbieten. "Ein ambulanter Radiologe" steht da ganz oben auf seinem Wunschzettel, eventuell auch ein Gynäkologe. Wahrscheinlich nicht mit einem Hauptsitz, denn Bad Brückenau und Umgebung gelten, was die Arztsitze angeht, als ausgelastet. Aber eine Zweitpraxis eines anderswo niedergelassenen Mediziners in Teilzeiträumen - das wäre schon vorstellbar.

Keine Konkurrenz mit dem MVZ

Übrigens: Sowohl Alexander Bechtler als auch André Eydt, Geschäftsführer der Prümmer-Klinik, betonen, dass zwischen Krankenhaus-MVZ und Medzentrum keine Konkurrenz zueinander darstellen. Vielmehr würden sie das stationäre Angebot der Klinik als auch sich untereinander ergänzen. "Eine gute medizinische Versorgung lebt vom Austausch der Fachdisziplinen", fügt Eydt hinzu. Wie Bechtler spricht auch er eine Einladung an Fachärzte aus, "hierher zu kommen."