Den Ordner hält Walburga Fröhlich fest in den Händen. Stift und Schreibblock liegen darauf, immer bereit für neue Ideen. Im Ordner sorgfältig aufgeklebt sind Bilder von vergangenen Feiern, Ausflügen und Treffen im Pfarrheim, Maiandachten am Kapelli, Gymnastikstunden und vielem mehr. Sie lacht, wenn sie von diesen Erlebnissen erzählt.

Auf den Fotos sind viele Menschen zu sehen. Meist Senioren, die in geselliger Runde ihre Freizeit verbringen. Und es sind nicht wenige, die dort abgebildet sind. "Normalerweise sind es um die 30 Besucher, die an einem Seniorennachmittag zusammenkommen", sagt Fröhlich. Zu bestimmten Feiertagen könnten es noch viel mehr sein.

Die Organisation dahinter wird von Walburga Fröhlich und drei weiteren Frauen gestemmt. "Wir haben wenig Personalverschleiß", lacht sie. Gertrud Reuß, Lydia Jäger, Sigrid Schürlein und sie seien ein eingespieltes Team. Jede der vier Frauen habe ihre Aufgaben. "Der Tischschmuck bedarf zum Beispiel einer lange Vorbereitungszeit", erklärt Fröhlich und zeigt selbstgebastelte Weihnachtssterne aus der Papierverpackung von Teebeuteln.

Oder Engel aus gefaltetem Notenpapier. "Davon gab es 60 Stück", beschreibt sie, insgesamt 13 000 Mal musste Fröhlich dafür das Blatt Falten. Das habe sie ausgerechnet. Backen, Eindecken und Ausflüge organisieren, das sind die Aufgaben der Frauen, die sich für die Senioren in Riedenberg engagieren. "Die Geselligkeit ist mir unheimlich wichtig", sagt Fröhlich.

Die heute 70-Jährige stammt aus Sand am Main und kam 1986 nach Riedenberg. Ihren Mann Alfred hatte sie in Bad Kissingen beim Tanzen kennengelernt. Einige Jahre später, nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes,bot sie ihre Arbeitskraft im Pfarrgemeinderat an. Und dort freute man sich über ihr Interesse, bei der Gestaltung der Seniorennachmittage mithelfen zu wollen.

"Ich war die einzige, die damals ein Auto hatte", sagt sie. Das sei eine große Erleichterung für die Organisation gewesen. Und weiter: "Berührungsängste hatte ich noch nie", sagt sie über ihr Interesse an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Seit 1994 ist Fröhlich zudem auch für den Besuchsdienst an runden Geburtstagen zuständig.

"Das ist sehr zeitaufwendig und mit einer Berufstätigkeit kaum zu vereinbaren", sagt sie. Die Stunden, die sie in den vergangenen Jahren mit der Organisation von Ausflügen und bei Besuchen verbrachte, hatte sie vor einiger Zeit mal zusammengezählt. "Irgendwann landete der Zettel aber im Abfall", lacht sie, so wichtig sei er nun auch nicht.

Alleine im vergangenen Jahr 2019 habe es 36 runde und halbrunde Geburtstage gegeben, auf denen sie gemeinsam mit einer weiteren Ehrenamtlichen war. "Es bereichert einfach unwahrscheinlich", sagt Fröhlich. Trotzdem ist für sie jetzt die Zeit gekommen, den Ordner weiterzugeben. "Ich habe beschlossen, mit 70 Jahren aufzuhören", sagt sie mit fester Stimme. Es scheint trotzdem ein bisschen Wehmut mitzuschwingen. Sie werde nicht jünger und zuhause und im eigenen Wald gebe es genug zu tun, fügt sie hinzu.

Wie so oft fehlt auch in Riedenberg der Nachwuchs. "Ich verstehe gut, dass junge Frauen beruflich und familiär stark eingespannt sind", erklärt sie. Dafür sei die Aufgabe, so wie sie sie ausgeführt habe, viel zu groß. "Entweder ma mächts, oder ma lässt´s bleiben", ist ihre Einstellung.

In Zukunft möchte sie gerne selbst die Seniorennachmittage besuchen. Das ist eine neue Rolle für die 70-Jährige. Es ist zu ahnen wie schwer es ihr fällt, nicht mehr selbst mitzuhelfen.

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