Alles in allem hat die Brückenauer Rhönallianz das Corona-Jahr gut überstanden. Die Leitkommune Bad Brückenau erhielt vom Freistaat Bayern 1,66 Millionen Euro als Ausgleich für ausgebliebene Gewerbesteuereinnahmen. Die Gemeinden Geroda, Motten, Oberleichtersbach, Riedenberg, Schondra, Wildflecken und Zeitlofs freuen sich insgesamt über 1,26 Millionen Euro zusätzliche Unterstützung. Die Situation ist stabil.

Unklar ist jedoch, wie sich die Pandemie in den kommenden Jahren auf die kommunalen Haushalte auswirken wird. In Bad Brückenau liegt die letzte Kreditaufnahme fünf Jahre zurück. Seither kalkulierte der Kämmerer stets neue Schulden ein, die bisher aber nicht gebraucht wurden. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 219 Euro gibt es noch genug Altlasten, die abbezahlt werden müssen. Angesichts der anstehenden Projekte erscheint es jedoch als wahrscheinlich, dass die Stadt nicht ohne neue Kredite auskommen wird - auch wenn sich Kämmerin Julia Spahn mit konkreten Aussagen zurückhält.

Noch schwieriger aber ist die Situation in Wildflecken. Fast vier Millionen Euro Schulden und eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1344 Euro schränken den Spielraum für Investitionen stark ein. Allerdings ist davon eine Million Euro als reiner Überbrückungskredit anzusehen. Der Markt hatte die Summe aufgenommen, weil Fördermittel für die Sanierung der Schule und den Neubau der Turnhalle noch nicht ausgezahlt wurden.

Überbrückungskredit war nötig

"Dieser Kredit wird nach Eingang der restlichen Zuweisungen der Regierung von Unterfranken vollständig getilgt", sagt Daniel Kleinheinz, Geschäftsleiter der Verwaltung. Für die Jahre 2021 und 2022 plant die Gemeinde keine neuen Schulden. Stattdessen würden Rücklagen gebildet, um für anstehende Aufgaben zu sparen. Der Bau einer Kläranlage oder der Anschluss ans Abwassernetz von Bad Brückenau steht dringend an. Auch die Sanierung eines Tiefenbrunnens für die Trinkwasserversorgung werde in den nächsten Jahren erhebliche Kosten verursachen, blickt Kleinheinz voraus.

Was die Pandemie angeht, so verzeichnet Wildflecken bisher keine größeren Einbußen. "Das Corona-Jahr ging für den Markt Wildflecken erfreulicherweise gut aus", berichtet Kleinheinz. Ähnlich sieht das der Kämmerer von Zeitlofs. "Die Auswirkungen werden sich vermutlich erst in den nächsten Jahren zeigen", gibt Lothar Schöppner Auskunft. Seit neun Jahren hat die Gemeinde keinen neuen Kredit mehr benötigt.

Laut Finanzplan soll sich das erst ab 2023 ändern. Zwei Großprojekte stellen den Markt Zeitlofs vor finanzielle Herausforderungen: Rund 3,7 Millionen Euro soll die Sanierung der Grundschule kosten. Hierbei sind die Kosten zur Herrichtung eines Ausweichquartiers bereits mitgerechnet. Für den Umbau der Trinkwasserversorgung im Gemeindegebiet rechnet der Kämmerer sogar mit insgesamt 4,6 Millionen Euro.

Zwei Vorzeige-Kandidaten

Für die vier Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) kann Kämmerer Lothar Ziegler noch keine Aussage darüber treffen, wie stark sich die Pandemie finanziell auswirkt. Fest steht aber: Unter den VG-Gemeinden sind Geroda und Riedenberg zwei Vorzeige-Kandidaten. Geroda führt mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 29 Euro die Rhönallianz an. Dahinter folgt Riedenberg mit 33,84 Euro pro Einwohner - wobei dazu gesagt werden muss, dass beide Gemeinden die kleinsten der Rhönallianz sind.

Riedenberg plant allerdings, im nächsten Jahr erstmals seit 2004 wieder neue Schulden zu machen. Der Ortskern soll umgestaltet werden. Auch in Schondra ist angedacht, einen neuen Kredit aufnehmen. Der Markt hat noch Verbindlichkeiten in Höhe von 283.619 Euro. Es stehen aber größere Ausgaben an. Nachdem die Gemeinde in drei Trinkwasserbrunnen investierte, wird nun noch eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut. Daran werden die drei Brunnen später angeschlossen.

Kaum Schulden gemacht

Oberleichtersbach nahm, ebenso wie Schondra, seit 2006 keinen Kredit mehr auf. Im kommenden Jahr ist - so wie in den meisten Allianzgemeinden - keine Neuaufnahme geplant, schildert Ziegler. Wegen des großen Gewerbegebiets am Buchrasen zählt Oberleichtersbach zu den florierendsten Gemeinden des Landkreises. Schuldenfrei ist die Gemeinde dennoch nicht: Erst im zurückliegenden Jahr unterschritten die Verbindlichkeiten die Marke von 100 Euro pro Einwohner.

Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 81 Euro steht Motten etwas besser da. Den letzten Kredit nahm die Gemeinde im Jahr 2015 auf. Kämmerer Steffen Schneider geht allerdings davon aus, dass 2021 wieder Schulden gemacht werden müssen. Derzeit wird das Kinderhaus neu gebaut. Die Kosten: drei Millionen Euro. Auch die Verbesserung des Wasserwerks steht in den kommenden Jahren an.

Ein "Corona-Defizit" zu beziffern, findet Schneider schwierig. "Durch die örtliche Unternehmensstruktur sind wir für dieses Jahr nicht von massiven Einbrüchen bei der Gewerbesteuer ausgegangen, was sich letztlich auch bewahrheitet hat." Allerdings könne niemand wissen, ob die Einnahmen der Gemeinde ohne Pandemie nicht vielleicht deutlich höher ausgefallen wären. Auch er macht sich eher Sorgen, was spätere finanzielle Auswirkungen für Motten bedeuten könnten.