Deutschland hat Roland Techou nach mehr als acht Monaten Deutschkurs in Dingden am Niederrhein schon gekannt. "Der Kreuzberg hat mich dann aber doch überrascht: Ein Kloster mit eigener Brauerei - das gibt es in Benin nicht." Der 36-jährige Priester aus Westafrika beginnt im Herbst sein Promotionsstudium an der Universität in Trier, das er 2018 mit dem Doktor in Philosophie abschließen möchte.

Vertretung für Armin Haas

Den August über ist er als Urlaubsvertreter für Pfarrer Armin Haas in der Pfarreiengemeinschaft "Oberleichtersbach/ Schondra" in der Rhön aktiv - wie insgesamt 91 Geistliche aus 15 Ländern, die dieses Jahr in den Ferien Dienst im Bistum Würzburg leisten. Bei freier Kost und Logis erhalten die Aushilfspriester bundesweit für vier Wochen Dienst 600 Euro. Techou kommt aus dem Erzbistum Cotonou. Als viertjüngstes Kind und einziger Sohn eines Försters und einer Händlerin wuchs er mit vier Schwestern in einem Dorf bei Cotonou auf.
Priester wollte Techou schon von klein auf werden, weil sein Heimatpfarrer ihn als Persönlichkeit begeisterte. "Meine Großfamilie war anfangs wenig begeistert davon, als ich von meinem Berufswunsch erzählte. Der einzige Sohn kann doch unmöglich ein zölibatär lebender Priester werden. Heute sind sie aber alle stolz auf mich", sagt Techou.
2008 empfing er in Cotonou durch Erzbischof Marcel Honorat Léon Agboton die Priesterweihe. Danach war Techou als Spiritual sowie als Lehrer für die Fächer Religion und Philosophie in einer 2000 Schülerinnen und Schüler zählenden Realschule mit angeschlossenem Gymnasium eingesetzt. Nach dem Bischofswechsel entschied der neue Erzbischof Antoine Ganyé, den talentierten Priester nach Deutschland zu schicken, damit dieser dort über den Philosophen Karl Jaspers promoviert.
Vom Gemeindeleben, wie er es in den vergangenen Wochen kennengelernt hat, ist der Afrikaner sehr angetan. "Der Glaube ist hier sehr vital. Wenn ich in einem Ort am Sonntag Messe feiere, ist auch die nächste Werktagsmesse dort gut besucht." Meist seien es Senioren, die zum Gottesdienst kommen, aber es sei auch immer eine Schar Ministranten anwesend. "Beim Vorbereitungskurs im Bistum Münster im vergangenen Jahr wurde uns Afrikanern gesagt: Die Deutschen sind etwas reserviert und kühl von ihrer Art. Ich mache hier ganz gegenteilige Erfahrungen", sagt der Priester aus Benin. Die Rhöner seien äußerst herzlich, offen spontan und gingen auf ihn zu. Wahrscheinlich auch deswegen spricht Techou schon derartig flüssig Deutsch. "Beim Predigen halte ich mich aber zurück, weil ich noch nicht so frei reden kann."
Bei Küsterin Mechthild Keßler, in deren Haus Techou für die Dauer seines Aufenthalts wohnt, fühlt er sich bestens aufgehoben, hat Familienanschluss und wird großzügig bekocht. Am liebsten esse er Kartoffeln. "Ich vermisse höchstens die Schärfe des heimatlichen Essens." pow