Der Konflikt zwischen Waldeigentümern und Mountainbikern, er lässt sich am besten am Beispiel von Georg Rüttiger erzählen. Es war im Juli, als Rüttiger sich in seinem Waldstück oberhalb von Wildflecken zu schaffen machte. Als er sein Holz verräumt hatte, stieg er in sein Auto, setzte rückwärts in einen Weg zurück - und überfuhr dabei fast zwei Mountainbiker. "Die standen plötzlich neben meinem Auto. Ich war ganz erschrocken", berichtet er.

Zunächst hätten die Radler ihn ausgeschimpft, was er mit dem Auto auf einer Mountainbike-Strecke zu suchen habe. Dann wiederum sei er ärgerlich geworden, schließlich sei das sein Wald und sein Weg. Dann aber überprüfte Rüttiger, was die Sportler gesagt hatten, und fand die Hinweise auf eine ausgewiesene Mountainbike-Strecke. "Das war der erste Moment, dass ich davon erfahren habe", schildert Rüttiger.

Nur wenige Kilometer weiter brodelt es seit geraumer Zeit. Auch hier führt die neue Strecke durch Privatwald. Gemeinderat Klaus Rest (PWW) vertritt sieben Eigentümerfamilien aus Oberbach. "Wir finden es nicht richtig, dass wir im Vorfeld nicht gehört wurden", sagt er. Vor allem ärgere ihn die Art und Weise, wie mit den Waldbesitzern umgegangen werde. Haftungsfragen seien nicht geklärt, behauptet er. Zudem sei eine Alternativ-Route, die er dem Markt Wildflecken vorgeschlagen hat, nicht berücksichtigt worden.

Seilschaft unterstellt

Jagdpächter Hans-Jörg Blanks Kritik reicht noch weiter. Entgegen der Zusicherung nutze die Strecke nicht nur vorhandene Wege. Auf einer Länge von etwa 500 Metern hätten "Trupps der Initiatoren neue Wege mit Rechen, Schaufeln, Laubbläsern und Motorsägen geschaffen." Hans-Karl Heil, Vorstand der Oberbacher Jagdgenossen, nennt das "eine Frechheit, wenn man sich in einem Wald einen Weg schafft, ohne mit dem Eigentümer zu reden." Zudem seien Jürgen Metz, der Initiator der neuen Mountainbike-Strecken im Landratsamt Bad Kissingen, und Andreas Schubert, der die Wege pflegt, privat verbandelt. Mehr noch, Schubert verdiene sogar mit geführten Mountainbike-Touren Geld, prangert Blank an.

Andreas Schubert trainiert seit vielen Jahren das Mountainbike-Team Schwarze Berge des SV Markt Geroda. Als es die Mittelschule in Schondra noch gab, baute er dort eine Mountainbikegruppe auf und tatsächlich, er verdient mit geführten E-Mountainbike-Touren Geld. Die "Schubert und Wiegand GbR" in Gladenbach gebe es seit mehr als 20 Jahren, sagt er. Laut Internet vertreibt die Firma Brennstoffe. Erst vor zwei Jahren sei der Bereich der Mountainbike-Touren dazu gekommen, sagt Schubert. Das Geschäft mit geführten Routen durch die Rhön beschreibt er als zäh und schwierig, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Und dann wird Andreas Schubert deutlich: "Wenn ich mit diesen Rhön-Touren reich werden wollen würde, hätte ich überhaupt kein Interesse an ausgewiesenen Wegen. Ich würde mir ja mein eigenes Geschäft abgraben." Dass er einen Weg angelegt haben soll, wo vorher nur Wald war, sei "kompletter Unfug". Eines aber bestätigt er: "An der Strecke war ich unterwegs. Ich habe dort Äste zur Seite geräumt. Er tat das im Auftrag des Landratsamts. Das Team Schwarze Berge habe damit nichts zu tun.

Strecke offiziell gepflegt

Jürgen Metz wohnt in Singenrain. Als Abteilungsleiter für Kreisangelegenheiten zählt er zu den wichtigsten Verantwortungsträgern im Landratsamt. Metz fährt in seiner Freizeit - ebenso wie Schubert - leidenschaftlich gern Mountainbike. Seine Kinder trainieren im nahe gelegenen Geroda im Team Schwarze Berge. "Mit Herrn Schubert arbeite ich nicht deshalb zusammen, weil er kommerzielle Mountainbike-Führungen macht", stellt Metz klar.

Dann zeichnet er nach, wie es zu der Zusammenarbeit gekommen ist: Als der Landkreis über das EU-Förderprogramm Leader eine Studie über Mountainbike-Strecken in der Rhön erstellte, ließ die damit beauftragte Firma "Absolut GPS" aus Leipzig die Region von einem Experten erkunden. Es war Andreas Schubert. Nachdem das Konzept vorlag und die Strecken ausgewiesen und gepflegt werden sollten, übernahm Schubert diese Aufgabe, nun unmittelbar vom Landratsamt.

"Die Auftragssumme ist zu gering, um eine öffentliche Ausschreibung zu machen", erklärt Metz. Das Landratsamt habe aber zwei weitere Angebote eingeholt. Die Firmen hätten allerdings abgesagt, unter anderem weil die Entfernung in die Rhön zu weit gewesen sei, als dass sich der Aufwand gelohnt hätte. Um die Haftungsfrage zu klären habe der Landkreis zudem eine Vertragserweiterung abgeschlossen, die ausdrücklich private Grundstückseigentümer einschließt. Die Bayerischen Staatsforsten, auf deren Gebiet ein Großteil der neuen Strecken verläuft, hätte der Nutzung sonst nicht zugestimmt, gibt Metz Auskunft.

Politisches Klima gestört

"Wir legen keine neuen Wege an. Wir legen keine Hindernisse an. Wir reaktivieren aber sehr wohl alte Wege", geht Metz auf den Vorwurf ein, das Landratsamt habe sich nicht an seine Zusagen gehalten. Die Untere Naturschutzbehörde habe den Verlauf genehmigt. Die Alternativ-Strecke, die Gemeinderat Rest vorgelegt hat, sei ebenfalls geprüft worden. Sie verlaufe allerdings größtenteils auf asphaltierten Wegen, was nicht den Kriterien entspreche und die Förderung in Frage stellen könnte. Nur in einem Punkt räumt Metz Versäumnisse ein: "Das einzige, was hier nicht optimal gelaufen ist, ist, dass wir beschildert haben und die Information der Waldbesitzer erst nachträglich erfolgt ist."

Die nachträgliche Information wird seit Dienstag, 8. Dezember, in den Wildfleckener Nachrichten an alle Haushalte verteilt. Das ist aber nicht das erste Mal, dass die Bürger vom Mountainbike-Konzept erfahren. Im Februar 2018 wurden die Pläne im Gemeinderat öffentlich vorgestellt. "Die Interessenvertreter haben wir sehr wohl eingeladen", blickt Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) zurück. Einem Zeitungsbericht von damals zufolge muss die Debatte sehr lebhaft und konstruktiv geführt worden sein - offensichtlich auch mit Rederecht der betroffenen Bürger während der Sitzung. Der Gemeinderat stimmte schließlich dem Konzept einstimmig zu.

Kleinhenz macht die Art und Weise, mit der der Konflikt derzeit ausgetragen wird, zu schaffen. "Die Situation ist für mich das Unglücklichste, was ich in der Kommunalpolitik erlebt habe." Er wünscht sich, dass der Sachverstand und die Debattenkultur, auf die der Gemeinderat in den vergangenen sechs Jahren stolz gewesen sei, wieder einkehren möge.

Die Kritiker überzeugt das nicht. "Solange sich die Radfahrer auf den Wegen vom Staatsforst tummeln, hat niemand was dagegen", sagt Heil von den Jagdgenossen. Der Wildfleckener Waldbesitzer ist ebenfalls nicht zufrieden. "Aus meiner Sicht müssten die Gesetze geändert werden, denn sie stammen aus einer Zeit, wo es noch keine akkubetriebenen Fahrräder gab", sagt Rüttiger.

So ist die Rechtsgrundlage:

Verfassung Die Bayerische Verfassung sowie mehrere andere Gesetze garantieren, dass sich grundsätzlich jeder in freier Natur aufhalten darf - unabhängig davon, wem der Grund und Boden gehört. Ausnahme ist natürlich die militärische Nutzung. Das Waldgesetz für Bayern greift dies auf. So ist Radfahren auf Privatwegen in der freien Natur erlaubt, wenn dies auf nach dem Naturschutzrecht geeigneten Wegen geschieht.

Verfahren

Das Bayerische Naturschutzgesetz regelt, dass Eigentümer oder sonstigen Berechtigte es dulden müssen, wenn Gemeinden oder Organisationen, die sich der Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege widmen, Markierungen und Wegetafeln anbringen. Die Untere Naturschutzbehörde muss das allerdings genehmigen. Die Betroffenen Waldeigentümer und Jagdpächter müssen vor der Anbringung darüber informiert werden. Dies geschieht im Landkreis Bad Kissingen in der Regel über die Bekanntmachung im Amtsblatt der jeweiligen Gemeinde und des Landratsamtes.

Verkehr Die Benutzung der Wege beschränkt sich auf Fahrzeuge ohne Motorkraft. Fahrräder mit elektrischer Unterstützung stellen aber eine Ausnahme dar. Denn laut Straßenverkehrsgesetz gelten Pedelecs (Pedal Electric Cycles), die sich ab einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde abschalten, nicht als Kraftfahrzeuge. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Bayern bestätigt, dass Pedelecs als Fahrräder gelten und dementsprechend auf allen für Fahrräder zugelassenen Wegen im Wald fahren dürfen. Räder, deren elektrische Unterstützung sich nicht bei 25 Kilometern pro Stunde abschaltet - wie bei manchen E-Bikes sowie S-Pedelecs - werden dagegen als Kleinkraftrad behandelt. Für sie gilt das freie Betretungsrecht im Wald folglich nicht. Sie sind aber deutlich weniger verbreitet.

Quellen: Landratsamt Bad Kissingen/ADFC Bayern