Von Fritz Christ

Landauf, landab besteht der Wunsch, dass sich mehr Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren engagieren. Grund sind zurückgehende Zahlen bei den männlichen Einsatzkräften sowie die nachlassende Bereitschaft ehrenamtlich Führungsämter auszuüben. Von Seiten des Deutschen Feuerwehrverbandes gab es schon unterschiedliche Werbeaktionen, wie "Frauen an den (Brand)Herd" oder "Willkommen im Blaulicht-Milieu".

Zahlen des Verbandes belegen eine diesbezügliche Verschiebung. Die Zahl der männlichen Aktiven in den Freiwilligen Feuerwehren, die bundesweit bei über einer Million liegt, ist in den vergangenen Jahren um rund 70 000 zurückgegangen. Die Anzahl der weiblichen Einsatzkräfte ist dagegen von 60 000 auf rund 90 000 angestiegen. Den Frauen in den Einsatzabteilungen kommt eine immer größere Bedeutung in der Tagesalarmsicherstellung zu.

Seit dem 20. Lebensjahr Feuerwehrfrau

Auch beim jüngsten Feuerwehr-Großeinsatz am Bahnhof Jossa war eine ganze Reihe von Frauen im Einsatz. Bemerkenswert ist es allemal, wenn sich junge Frauen der anspruchsvollen Ausbildung für Atemschutzgeräteträger zur Verfügung stellen, was körperliche Schwerstarbeit bedeutet.

Ein Paradebeispiel für weibliche Dominanz ist die Feuerwehr Züntersbach. In dem Sinntaler Ortsteil mit seinen rund 650 Einwohnern ist die Führung der Einsatzabteilung schon seit vielen Jahren in weiblicher Hand. Nachdem Heike Schreiner rund zehn Jahre die Wehrführung innehatte, ist seit 2015 Ute Kötterheinrich Wehrführerin.

Die nunmehr 53-Jährige, die im Hauptberuf in der Elektrokonstruktion bei der Firma Tabbert arbeitet, ist bereits seit ihrem 20. Lebensjahr aktive Feuerwehrfrau. "Wir sind damals mit fünf Frauen in die Männerdomäne eingebrochen", erinnert sie sich schmunzelnd. Sie hat eine Vielzahl von Weiterbildungsseminaren und Lehrgängen, bis hin zum Gruppenführer, absolviert.

Ein Drittel der Aktiven sind Frauen

Ute Kötterheinrich gehörte im Jahr 1993 auch zu den Initiatoren zur Gründung der Züntersbacher Jugendfeuerwehr und sie war über 20 Jahre lang (1996 bis 2020) Jugendwartin. Noch heute ist sie neben dem Wehrführer-Amt stellvertretende Jugendfeuerwehrwartin.

Nicht nur die Führung, sondern die gesamte Einsatzabteilung der Züntersbacher Feuerwehr ist von Frauen geprägt. Unter den 30 Aktiven sind zehn Frauen - eine außergewöhnliche Quote. Und: Ute Kötterheinrich ist eine von nur wenigen Wehrführerinnen aller Feuerwehren des Main-Kinzig-Kreises.

Übrigens: Die Wehrführerin ist von zu Hause mit dem Ehrenamt vertraut: Ihr Vater Hermann Kötterheinrich war nahezu 50 Jahre lang ehrenamtlich kommunalpolitisch und vereinsmäßig tätig. Davon rund 20 Jahre lang (1997 bis 2016) als Züntersbacher Ortsvorsteher. 35 Jahre gehörte er dem Sinntaler Gemeindeparlament an. Ebenfalls 35 Jahre lang war er Vorsitzender des Verkehrsvereins Züntersbach.

Nicht nur die Wehrführung ist bei der Züntersbacher Feuerwehr in weiblicher Hand, sondern mit Vorsitzender Christina Rott auch die Vereinsführung. Die 27-Jährige, die vorher Beisitzer im Vorstand war, hat das Amt vor zwei Jahren vom langjährigen Vorsitzenden Udo Breitenbach übernommen. Die neue Vorsitzende gehört auch der Einsatzabteilung an und ist zudem die "rechte Hand" der Wehrführerin.

Im Vorstand gibt es noch weitere Frauen: Marion Erb, die seit zehn Jahren dem Vorstand angehört, Schriftführerin war und jetzt Pressewartin ist. Zudem gehören die langjährige Kassenwartin Nicola Hergenröther, Beisitzerin Karina Hergenröther und die stellvertretende Kassenwartin Sophia Koch dem Vorstand an. Alle Frauen gehören auch der Einsatzabteilung an und haben teilweise auch die anspruchsvolle Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger absolviert. Zur Führungsmannschaft zählt heute auch wieder die frühere Wehrführerin Heike Schreiner, die jetzt dem Wehrausschuss angehört.

Gemeindebrandinspektor Thomas Gärtner bekräftigt die Einzigartigkeit der Züntersbacher Frauen-Dominanz. In keinem anderen der zwölf Sinntaler Ortsteile gibt es gleichzeitig Frauen sowohl an der Spitze von Einsatzabteilung als auch im Feuerwehrverein.

"Ute Kötterheinrich und Christina Rott sind der beste Beweis dafür, dass Feuerwehr längst keine reine Männerdomäne mehr ist. Beide übernehmen Verantwortung und sind ein gut eingespieltes Führungsteam. Sie sorgen dafür, dass Einsatzabteilung und Förderverein eng und gut zusammenarbeiten", unterstreicht Bürgermeister Carsten Ullrich die besondere Situation bei der Feuerwehr Züntersbach.

Er fügt hinzu: "Bei den aktuellen Zukunftsfragen, Ersatzbeschaffung des Feuerwehrfahrzeuges und Anbau an das Feuerwehrhaus, vertreten sie engagiert die Interessen der Freiwilligen Feuerwehr Züntersbach und stellen wichtige Weichen".

Stolz auf die Frauen in der Feuerwehr ist auch der Züntersbacher Ortsvorsteher Harald Stelzner. Überhaupt sei das Engagement der Frauen in dem Ort herausragend.