Der Schnee ist schon ganz braun von den vielen Schuhen, Pfoten und Kufen, die in den zurückliegenden Tagen über ihn hinweggegangen sind. Einige Meter weiter eröffnet sich den Besuchern am Berghaus Rhön das reinste Winterparadies. Weiße Hänge, soweit das Auge reicht, und vom Schnee eingezuckerte Bäume. Als gegen Mittag auch die Sonne durch die Wolken spitzt, wird es fast schon kitschig schön.

Viele Menschen haben an diesem Dienstagmittag den Weg ans Berghaus gefunden. Die Nummernschilder der Autos auf den Parkplätzen zeigen, dass auch aus Würzburg, Schweinfurt oder der Region Main-Spessart Gäste in der eingeschneiten Rhön zu Besuch sind. Eine Familie aus Karlstadt ist gerade dabei, ihre Sachen wieder im Auto zu verstauen. "Heuer sind wir zum ersten Mal hier", erzählen die Eltern, die mit ihren vier Kindern angereist sind. Auch in den Vorjahren habe es sie schon in die Rhön verschlagen, wenn es geschneit hatte.

In der Früh war es am Berghaus Rhön noch etwas ruhiger

Sie hätten sich schon früh auf die Beine gemacht, um größere Besucheranstürme zu umgehen, erzählen die beiden Eltern. "Und wir haben gehofft, dass unter der Woche weniger los ist." Diese Hoffnung hat sich bewahrheitet. "Es verteilt sich und man nimmt Rücksicht aufeinander", sagt die Mutter. Gegen Mittag nimmt das Besucheraufkommen zu. "Heute früh war wesentlich weniger los", berichtet die Karlstadter Familie.

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Ulrike und Thomas Schießer haben den Vormittag am Berghaus zum Spazierengehen genutzt. Die beiden Schweinfurter waren schon am Samstag vor Ort. "Da war hier die Hölle los", sagt Ulrike Schießer. Unter der Woche nun seien sie weitgehend alleine bis zur Platzer Kuppe unterwegs gewesen. Bei einem heißen Tee aus der Thermoskanne lassen die beiden nun ihren Blick über das Tal und den Tintenfass-Bergsee schweifen.

Alexander Fischer ist mit seinen beiden Söhnen und dem Nachbarsjungen ebenfalls aus Schweinfurt angereist. Mit dabei: Hund Willi, ein schwarzer Riese auf vier Pfoten. "Bei uns daheim ist alles grün", erzählt Fischer. In den Vorjahren sei die Familie zum Beispiel auch schon am Kreuzberg unterwegs gewesen. Corona bereitet indes keine größeren Bedenken. "Wir bleiben ja unter uns und haben mit den anderen keinen Kontakt", sagt Fischer.

Die Wanderwege und die Rodelbahn wurden präpariert

Auch Uwe Müller ist an diesem Dienstagmittag am Berghaus anzutreffen. Er arbeitet für den Naturpark Rhön. Gemeinsam mit einem Kollegen präpariert der Waldfensterer Wanderwege und Loipen in den Schwarzen Bergen inklusive der Rodelbahn am Berghaus Rhön; insgesamt 40 Kilometer Wegstrecke zwischen Schildeck und dem Guckaspass. Er und sein Kollege tun das täglich, ab 7 Uhr, und damit vor dem großen Zustrom an Wintertouristen, von denen die Ersten ab 8 Uhr eintreffen.

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"Es sind auf jeden Fall viel mehr Besucher als in den vergangenen Jahren", hat Uwe Müller festgestellt. Ihn freut's, lohne sich so doch seine Arbeit und die des Kollegen besonders. Den Besucherandrang halten beide für "erträglich". Durch ihre frühe Arbeitszeit hätten sie mit eventuellen Corona-Begegnungen nichts zu tun.

Auch privat sind Menschen aus der unmittelbaren Umgebung an diesem Tag am Berghaus unterwegs. Ein Familienvater aus dem Landkreis Bad Kissingen erzählt, dass er und seine Familie im Sommer auch oft in der Gegend wandern. Den Ansturm aus den weiterentfernten Gebieten und Städten scheint er kritisch zu sehen. Ob er am Wochenende auch ans Berghaus gekommen wäre? "Nee", sagt er und schüttelt nachdrücklich den Kopf.

Das Problem mit dem Besucheransturm: Die Region profitiert nicht

Wenn die Region wenigstens etwas von dem Ansturm hätte, sagt er schulterzuckend. Er habe schon ein etwas schlechtes Gefühl, was Corona betrifft, erzählt der Mann auf Nachfrage. Er und seine Familie versuchten, Abstand zu halten. Er deutet auf den Hang. Da links sei noch eine freie Stelle. Dann macht er sich auf den Weg und folgt seiner Familie, die die mitgebrachten Schlitten schon ein stückweit bergan gezogen hat.