Die Parkplätze und Zufahrtsstraßen: dicht. Die Rodelpisten: sehr gut besucht. Der Zustrom von Touristen in die Rhön hat auch die Schwarzen Berge - speziell das Berghaus Rhön und das Würzburger Haus - erreicht. Manch einer fragte sich angesichts des Gewusels: Ist das noch coronakonform? Polizei Bad Brückenau und Landratsamt Bad Kissingen schildern ihre Sicht.

Thomas Vöth, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau, hat dem Landratsamt Montagmittag "ein paar Zeilen" geschrieben. Darin die Bitte um Auskunft: Wie schätzt die Behörde die Lage vor Ort ein? Und wenn nötig: Welche Maßnahmen will sie ergreifen?

"Außergewöhnliche Größenordnung"

Dass Touristen bei gutem Wetter die Rhön heimsuchen, sei in jedem Winter so gewesen, sagt Vöth. Dieses Jahr spricht er jedoch von einer "außergewöhnlichen Größenordnung". Mit entsprechenden Folgen: Kleinunfälle und zugeparkte Rettungswege an den Zufahrten zu den beiden Rhönhütten.

Bemerkenswert der Mehr-oder-weniger-Stau auf der Staatsstraße 2289 zwischen Wildflecken und der Kreuzung mit der B286 unterhalb der Sinntalbrücke bei Riedenberg. Wobei seine Kollegen Vöth berichteten, dass der Andrang vergangenen Samstag noch schlimmer war als Sonntag.

Mehrfach fuhren Polizeistreifen in den vergangenen Tagen die Schwarzen Berge ab. Wo es verkehrstechnisch etwas zu beanstanden gab, handelten die Beamten, verwarnten Autofahrer, die zum Beispiel falsch parkten oder Schilder missachteten.

Grüppchenbildung

Doch wie sah es bei Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz aus? Dem eigenen Augenschein nach bildeten sich insbesondere am Scheitel der Rodelpiste am Berghaus Grüppchen. Abstände wurden nicht immer eingehalten. Auch, weil es dort wegen parkender Autos eng ist. Von Halligalli und größeren Menschenansammlungen auf den Rodelwiesen hätten die Kollegen nichts berichtet, sagt hingegen Thomas Vöth.

Menschlich kann der stellvertretende Inspektionsleiter den "Drang der Menschen, rauszugehen und den Schnee zu nutzen", verstehen. Persönlich hält Vöth das Infektionsrisiko draußen im Schnee für überschaubar. Die meisten Ansteckungen fänden in geschlossenen Räumen statt. So sieht es auch das Landratsamt.

Lage nicht so dramatisch

Die Infektionsschutzverordnung gibt es laut Vöth nicht her, den Besucherandrang selbst aus Schweinfurt oder Würzburg zu unterbinden. "Bewegung an frischer Luft ist ja erlaubt." Und die Angehörigen zweier Hausstände (maximal fünf Personen) dürften sich treffen.

Polizei kann selbst nicht sperren

Thomas Vöth verweist darauf, dass die Polizei eine vollziehende Behörde darstellt. Einschränkenden Maßnahmen - wie zum Beispiel Sperrungen - müssten vom Landratsamt in Bad Kissingen kommen.

Dort kennt man die Lage vor Ort durchaus. "Die Parkplätze in der Rhön waren am Wochenende gut gefüllt, an manchen Orten auch überfüllt", berichtet die Behörde auf Anfrage. Besucher hätten sich jedoch auf den Wegen, in den Loipen und an den Hängen gut verteilt, sodass es nicht zu größeren Menschenansammlungen gekommen sei.

Verständnis für die Menschen

Auch das Landratsamt hält es "gerade in der aktuellen Situation für nachvollziehbar, dass Menschen in die Natur hinaus wollen, in der Rhön Ruhe suchen, was trotz des ,Ansturms' möglich ist, oder sich wünschen, dass sich die Kinder mal im Schnee austoben können".

Eine Sperrung der Parkplätze vor Ort stuft das Landratsamt als nicht sinnvoll ein. "Die Parkplätze in der Rhön wurden umsichtig und gezielt ausgewählt, um das Biosphärenreservat und damit die sensible Flora und Fauna zu schützen."

Sperrung "nicht zielführend"

Würden die Parkplätze nun für Besucher gesperrt, wäre das aus Sicht der Behörde nicht zielführend: "Die Menschen würden trotzdem in die Region kommen und dort wild parken." Das wäre fatal und noch dazu kaum kontrollierbar. "Außerdem wäre dann die Gefahr groß, dass die Leute - nachdem sie irgendwo einen ,Parkplatz' gefunden haben - querfeldein laufen und sich damit in streng geschützten Zonen bewegen, wo sie Natur zerstören würden." Das Landratsamt appelliert weiter an die Eigenverantwortung.

Deraußen keine Superspreader-Ereignisse

Es seien bisher weltweit keine Superspreading-Ereignisse im Freien festgestellt worden, erklärt das Landratsamt. Allerdings sei es auch im Freien wichtig, einen Abstand von 1,5 Metern zu halten. Könne dieser nicht sicher eingehalten werden, sollten zusätzlich Masken genutzt werden. Das gelte auch für die überfüllten Parkplätze, wie das Landratsamt betont: "Auf Supermarkt-Parkplätzen ist Maskentragen Pflicht, insofern sollten die Menschen auch auf allen anderen Parkplätzen vorsichtig und umsichtig sein."