Es gibt Tagesausflügler, die kommen eigens in die Rhön, um das blaue Blütenmeer der Lupine zu bewundern. Äußerst widerstandsfähig ist die Pflanze, die ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie als Zierpflanze in Europa eingeführt. In die Rhön kam die Lupine 1942 - sie wurde ausgesät, um die Qualität der Böden zu steigern. Weil Knöllchenbakterien den Stickstoff aus der Luft binden, macht die Lupine nährstoffarme Erde fruchtbar. Für die mageren Bergwiesen der Hochrhön aber bedeutet sie das Aus.


Heimische Pflanzen werden zurückgedrängt

"Man hat beobachtet, dass die Lupine sich dermaßen ausbreitet, dass man Bedenken haben muss, dass heimische Pflanzen zurückgedrängt werden", sagt Bärbel Ludwig von der Bergwacht Bischofsheim. Unter der Chef-Koordination von Torsten Kirchner von der Wildlandgesellschaft Bayern organisiert sie einen Teil der ehrenamtlichen Lupinenmahd in der Hochrhön. Eine Ausnahme, denn die artenreichen Wiesen im Naturschutzgebiet dürfen normalerweise nicht betreten und Pflanzen nicht gepflückt werden.


Enges Zeitfenster für die Mahd

Seit neun Jahren bringt sich die Bischofsheimer Bergwacht bei der Lupinenmahd ein, Ehrenamtliche aus anderen Bergwachten - zum Beispiel aus Oberbach - helfen. Auch der Rhönklub, Mitarbeiter des Landratsamts Bad Neustadt und andere Freiwillige machen mit. Fünf- bis sechsmal innerhalb von zwei Wochen rücken sie aus.
"Wir müssen in einem Zeitfenster mähen, wo die Vögel, die am Boden brüten, ihre Jungen schon durch haben, die Samen aber noch nicht reif sind", erklärt Ludwig.


Bis zu 60 Blüten

Die bis zu 50 Zentimeter hohen Blütentrauben bringen bis zu 60 Blüten hervor. Schon eine einzige Pflanze kann ungefähr 2000 Samen bilden und bis zu sechs Meter weit schleudern. So verbreitet sich die Lupine im neuen Lebensraum. Heimische Kräuter, die den ursprünglich kargen Boden der Rhön als Nahrungsgrundlage brauchen, haben das Nachsehen.

Natürlich werden die Aktivisten mitunter belächelt. Manch ein Nachbar lässt sich auch gern ein paar Samen mitbringen - für den eigenen Garten. Neuerdings dürfen sich die Ehrenamtlichen anhören, warum sie sich überhaupt die Arbeit machen, wenn demnächst im Nationalpark die Natur tun und lassen dürfe, was sie wolle. Für solche Einwände hat Bärbel Ludwig kein Verständnis. Bei der im Raum stehenden Ausweisung eines Nationalparks gehe es doch um den Wald. "Die Hochrhön mit ihren Blumenwiesen hat mit einem Nationalpark Rhön nichts zu tun."

Weitere Termine zur Lupinenmahd: An diesem Samstag, 24. Juni, Treffpunkt um 9 Uhr Parkplatz Schornhecke; Mittwoch, 28. Juni, 17.45 Uhr, Parkplatz Schornhecke. Weitere Infos gibt Bärbel Ludwig, Tel.: 0171 / 2194 754.