Ein klassischer Koffer aus grauem Metall, Gewicht etwa 50 Kilo - das wird das Kunstwerk, das die Stadt Bad Brückenau zum DenkOrt Aumühle am Würzburger Hauptbahnhof beitragen wird. Das hat der Stadtrat mehrheitlich entschieden. Allerdings diskutierten die Räte zuvor leidenschaftlich auch über ein anderes Modell.

Vom Bahnhof Aumühle in Würzburg wurde der Großteil der Juden aus Unterfranken in die Vernichtungslager in Osteuropa abtransportiert. Darunter auch viele aus Bad Brückenau. An diese traurige Geschichte erinnert das Denkmal "DenkOrt Deportationen 1941 - 1944" am Würzburger Hauptbahnhof. Der Ort wurde auch deswegen gewählt, weil er präsenter ist als der abseits gelegene, sogenannte Aumühl-Ladehof.

Viele unterfränkische Kommunen haben ihren Beitrag zur Gedenkstätte geleistet, auch einige der 16 Orte im heutigen Landkreis Bad Kissingen, in denen vor Beginn der Nazi-Herrschaft jüdische Gemeinden bestanden.

Bad Brückenau fehlte bisher. Dabei lebten 1939 nachweislich noch 35 Juden in der Stadt. Für viele von ihnen wurden seit 2018 Stolpersteine verlegt.

Für den städtischen Beitrag zum DenkOrt Aumühle bat die Stadtverwaltung sieben Künstler aus der Region um Angebote. Zwei von ihnen gaben insgesamt drei Vorschläge ab. Darunter der Koffer aus Metall, aber auch ein ähnliches Modell aus Holz, 25 bis 30 Kilo schwer.

Etwas ungewöhnlich erscheint das dritte, viel abstrakter gehaltene Modell: ein rechteckiger Körper aus Stahl, der auf einem Gestänge aus vier ineinander verschränkten Rahmen ruht. Der Künstler hat die Idee dahinter beschrieben: "In meinem Entwurf möchte ich die Widersprüchlichkeit des Kofferpackens für eine Reise ins Konzentrationslager sichtbar machen. Das Volumen für den Inhalt ist nur durch Umrisse definiert. Der Koffer trägt nichts; es macht keinen Sinn, etwas dorthin mitzunehmen, wohin die Reise geht." Durch den massiven Griff könne der Koffer auch nicht getragen werden. "Von der Form her ein Koffer, von der Funktionalität her ein Bild der Sinnlosigkeit - Hoffnungslosigkeit - Widersprüchlichkeit."

Der Arbeitskreis "Stolpersteine", mit Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), seinem Stellvertreter Jürgen Pfister (PWG), dem städtischen Geschäftsleiter Michael Worschech, Kulturamtsleiter Jan Marberg, Dirk Hönerlage, Pfarrer Gerd Kirchner und als Besucherin Cornelia Mence hatte die drei Entwürfe diskutiert - und den Koffer aus Stahl empfohlen.

Hartmut Bös (Grüne), dem ersten Redner in der Stadtratssitzung, gefiel das abstrakte Modell besser. "Die Dramatik, die in der damaligen Situation an sich lag, drückt es für mich besser aus." Heribert Übelacker (CSU) war "der klassische Koffer lieber als die abstrakte Kunst, bei der ich viel erklären muss".

Claudio Kleinhans (PWG) sprach sich dafür aus, den vom Künstler mitgelieferten Text am Kunstwerk selbst mit anzubringen. "Wenn er nicht dabeisteht, kann man das Gepäckstück nicht verstehen." Heike Greenberg-Kremser pflichtete dem bei. "Wir wollen doch zur Diskussion anregen." Der abstrakte Entwurf hebe sich von den anderen ab.

Bürgermeister Vogel gab zu bedenken, dass am DenkOrt Aumühle keine Texte bei den Kunstwerken dabeistehen - und man auch keine anbringen könne. Für ihn war das abstrakte Modell weniger greifbar. Dirk Stumpe (FWK) meinte gar, dass es nicht als Koffer zu erkennen sei. "Es wird dadurch kaum zur Diskussion anregen."

Am Ende entscheiden sich zwölf Stadträte für den klassischen Metall-Koffer, fünf dagegen. Der Mottener Dirk Jäckel wird gemäß DenkOrt-Konzept zwei Exemplare anfertigen. Für unter 1000 Euro, wie Jochen Vogel mitteilte.

Ein Koffer wird in Würzburg stehen; über den Standort des zweiten in Bad Brückenau wird der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen entscheiden.

Möglich wäre laut Bürgermeister, das Kunstwerk bei der nächsten Stolpersteinverlegung im Herbst mitzuinstallieren. Zudem sollen am Würzburger Hauptbahnhof am 24. September weitere "Gepäckstücke" aufgestellt werden. Die beiden Metallkoffer müssten dann im August fertiggestellt sein.