"Von solch einer Resonanz hätte ich nicht einmal geträumt", sagt Pastor Gerd Kirchner mit Blick auf eine eindrucksvolle Statistik. Denn inzwischen verzeichnet der YouTube-Account der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau fast 9000 Aufrufe. Rund acht Monate ist der Seelsorger jetzt schon regelmäßig im Internet mit markanten Worten und bewegten Bildern präsent.

Sohn Robin hatte Idee

Angestoßen hat die ganze Geschichte der Pfarrerssohn Robin Kirchner. "Seit Anfang März gab es bei uns Zuhause die Diskussion, wie man während der Corona-Pandemie den Gottesdienst fortsetzen kann", erinnert sich der 27-Jährige, der im September sein Studium zum Diplom-Ingenieur der Verfahrenstechnik abgeschlossen hat. Er kam auf die Idee, kurze Video-Andachten zu erstellen. "Mein Vater war am Anfang skeptisch, die Möglichkeiten auf Plattformen wie YouTube zu nutzen", blickt der Junior auf die Ausgangslage zurück. "Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass er sich zeitmäßig von einem Ein-Stunden-Gottesdienst auf eine zehn bis 15 Minuten lange Predigt runterbrechen musste."

Aussagekräftige Clips

Das Konzept sei aber nach dem "Austausch unterschiedlicher Argumente zwischen den Generationen" schnell klar gewesen. Aussagekräftige Clips mit passenden Bildern oder kleinen Filmsequenzen mit Bezug zu den Versen im Kirchenjahr sollten entstehen und ins Netz eingestellt werden. Anfangs stand beispielsweise das mittlerweile stadtbekannte "Dienstfahrzeug" des Pfarrers, ein kleines orangefarbenes Elektro-Auto mit dem Aufkleber "Unterwegs im Namen des Herren" am Heck, als durchgehendes Motiv im Mittelpunkt des Geschehens.

"Gedreht wurden die Videos von mir und meiner Freundin Tanja Neubauer. Die Musik stammte meist aus Taizé oder aus der Klassik", schildert Robin Kirchner das Prozedere. Das junge Paar hatte sich seinerzeit zur Realisierung der neuen Idee extra eine einfache GoPro-Kamera mit einem Stabilisator gekauft, wenn nötig wurde der Ton mit einem Pocket-Recorder mitgeschnitten. Da der 27-Jährige schon früher als Hobbymusiker immer mal wieder kleinere Musikvideos produziert hatte, verfügte er noch über die notwendige Software auf dem Rechner. "So habe ich die ersten 13 Videos hergestellt und dabei gleichzeitig meinen Vater eingelernt. Seit Juni schneidet er jetzt seine eigenen Filmchen und betreibt auch selbst den YouTube-Kanal."

Alltag des Pfarrers in Corona-Zeiten

Die anfängliche Skepsis gegenüber der zeitgemäßen Präsentation auf einer modernen Plattform ist bei Pfarrer Gerd Kirchner nicht zuletzt angesichts vieler tausend Klicks längst gewichen, zumal er auch immer wieder seine eigenen Vorstellungen in die Produktionen einbringen konnte. "Ich wollte nicht einfach daheim im Sessel sitzen und dabei gefilmt werden, wie ich aus dem Evangelium vorlese. Etwas Action durfte schon dabei sein", bringt der Geistliche seine Intention auf den Punkt.

So beinhalten die interessanten Videos nicht nur das gesprochene Wort mit ins Ohr gehender Musikuntermalung, sondern zeigen unter anderem auch den Alltag des Pfarrers in Zeiten von Corona. Darüber hinaus werden sakrale Bauten und andere kirchliche Elemente, immer passend zum jeweiligen Bibeltext, ins rechte Licht gerückt.

Gitarre und Laienschauspieler

Eine große Rolle spielt außerdem der Blick auf Gottes Schöpfung in der herrlichen Landschaft der Rhön. Nicht fehlen dürfen natürlich jene Sequenzen, in denen der Pfarrer in bekannter Manier selbst zur Gitarre greift.

"Immer wieder werde ich von allen möglichen Leuten auf mein Talent als Laienschauspieler angesprochen", freut sich Gerd Kirchner. Das zeige ihm, "dass auch die ältere Generation fleißig im Netz unterwegs ist". Und außerdem übersteige die Zahl der Klicks um ein Vielfaches die übersichtliche Schar der realen Gottesdienstbesucher.

Mit seiner Kamera war Sohn Robin Kirchner übrigens kürzlich zusätzlich noch in einer ganz anderen Mission unterwegs, und zwar bei der mittlerweile dritten Stolpersteinverlegung in Bad Brückenau. "Dieses Video habe ich für die amerikanischen Angehörigen der Opfer produziert", erläutert der Hobbyfilmer.