Das Thema Solarpark südlich von Unterleichtersbach - es taucht wieder auf wie Phönix aus der Asche: Der Oberleichtersbacher Gemeinderat befasst sich an diesem Mittwoch mit einem Antrag der Firma Anumar aus Ingolstadt, die das Projekt übernommen hat. Reißt die Sache alte Wunden wieder auf?

Der Solarpark - er soll im Prinzip an derselben Stelle entstehen wie sein gescheiterter Vorläufer, auf einem Hanggrundstück zwischen Bernbrunner Straße und Wiesenstraße. Anna-Lea Wenger vom Anumar-Marketing nennt eine Fläche von 8,4 Hektar. Dort sollen die südlich ausgerichteten Solarmodule und sämtliche technische Anlagen unterkommen. "Die Eigentümer der Flächen sind auf uns zugekommen", erklärt Wenger, wie Anumar zum Projekt kam.

Warum setzt ein Unternehmen aus Ingolstadt auf einen Solarpark, der vor mehr als zwei Jahren im Gemeinderat und beim Bürgerentscheid im Juni 2018 krachend scheiterte? Anna-Lea Wenger spricht von einem "bewährten Kommunalkonzept mit einem Mehrwert für den Bürger" bei Anumar.

Für den Solarpark werde eine "separate Betreibergesellschaft vor Ort" gegründet. Die Gewerbesteuer bleibe in Oberleichtersbach. Die Einwohner könnten sich direkt daran beteiligen. "Wir haben auch einen günstigen Regionalstromtarif bei den Stadtwerken angefragt", so Wenger.

Bedenken gegen das Projekt

Die Gefahr, dass unter den Solarmodulen nichts mehr wachsen könnte, sieht sie nicht. Diese seien schräg aufgestellt; der Schatten falle unterschiedlich aus. Imker könnten dort ihre Bienen fliegen lassen. Ein Niederwildzaun lasse kleinere Tiere, wie zum Beispiel Hasen, durch. Im Gemeinderat werde ein Referent das Projekt noch genauer vorstellen.

In der Facebook-Gruppe "Solar"Park" Unterleichtersbach? Nein Danke!!!!" hatten sich beim ersten Photovoltaik-Projekt Gegner organisiert. Auch den neuen Vorstoß sehen sie kritisch. Der jetzige Solarpark sei seit Herbst im Gespräch, vom Standort und den Ausmaßen her sehr ähnlich. Nur unter dem Deckmantel einer neuen Firma. "Die Leute können das Thema Solarpark nicht mehr hören", meint ein Mitglied der Gruppe, das nicht mit Namen in der Zeitung stehen will.

Warum soll der Solarpark in der freien Natur, nur wenige Hundert Meter vom Waldrand entfernt, entstehen, fragt sich die Person. "So eine Anlage steht ja 20 bis 30 Jahre." Außerdem: Wenn eine Anlage stehe, müsste der Gemeinderat auch weitere genehmigen.

Die Ablehnung des alten Gemeinderates spreche klar gegen das wieder aufgewärmte Projekt. Aber vor allem der Bürgerentscheid vom Juni 2018. Damals hatten sich 627 Wahlberechtigte gegen und 394 für einen Solarpark bei Unterleichtersbach ausgesprochen. Immerhin 1025 Oberleichtersbacher - und damit 60,72 Prozent der Wahlberechtigten in der Großgemeinde - hatten abgestimmt.

Peter Plobner aus Unterleichtersbach würde ein Grundstück von 0,5 Hektar für den Solarpark einbringen - "zur Verpachtung an Anumar", wie er sagt. Das Projekt sei ungefähr dasselbe wie vor zwei bis drei Jahren, bestätigt auch er. Ein Eigentümer sei weggefallen, dafür ein anderer hinzugekommen.

Das jetzige Projekt besitzt aus Plobners Sicht gegenüber dem alten einen großen Vorteil: die Bürgerbeteiligung. Dies sei auch der Grund für den Wechsel von der Energiebauern GmbH zu Anamura. Man müsse vor Ort etwas für Energiewende und Klimaschutz tun, meint der Mitinitiator. "Wenn alle sagen, wir machen hier nichts, sondern woanders soll etwas geschehen, funktioniert das nicht."

Plobner setzt auch darauf, "dass neue Leute im Gemeinderat sitzen." Deswegen habe man die Kommunalwahl 2020 abgewartet. Der Befürworter hofft auf "ein anderes Verständnis für den Energiewandel". Dass er und die anderen Grundstücksbesitzer sich am Solarpark gesundstoßen könnten, kann der Unterleichtersbacher nicht nachvollziehen. "Man profitiert durch die Verpachtung. Aber reich wird man damit nicht."

Vom Gemeinderat erhofft sich Plobner nun eine klare Entscheidung. Aber was stimmt ihn zuversichtlich?

Beim Bürgerentscheid 2018 hätten falsche Behauptungen, vor allem zur Größe des Solarparks, den Befürwortern das Genick gebrochen, glaubt er. Das habe viele, die zuvor pro Projekt waren, abgeschreckt. Solche Fehlinformation gebe es nun nicht mehr.

Angst vor neuen Gräben

Bürgermeister Dieter Muth (Aktive Wählergruppe Breitenbach/Mitgenfeld) möchte das Solarpark-Projekt nicht vorab bewerten. "Da muss man die Entscheidung des neuen, relativ jungen Gemeinderates abwarten." Das Gremium habe schon einmal offen diskutiert; eine Tendenz habe er nicht erkennen können.

Muth befürchtet, dass in der Dorfgemeinschaft wieder Wunden aufbrechen, die nach dem Bürgerentscheid mühsam verheilt schienen. In einem inzwischen gelöschten Facebook-Post fielen die Worte "Haufen" und "Hetzer" als Bezeichnung für die Solarpark-Gegner. Peter Plobner musste sich schon mal als "Geldgeier" verhöhnen lassen. Die jeweiligen Gespräche mit beiden Lagern sind noch immer von Vorwürfen geprägt. Aber auch Ängste vor Einschüchterungen der anderen Seite sind vorhanden.

Die Gemeinderäte müssen also am Mittwoch nicht nur über den Solarpark-Antrag, sondern auch die Gemeinschaft im Dorf abstimmen. Eine große Öffentlichkeit wird es in der Alten Schule Breitenbach nicht geben. Laut Dieter Muth sind wegen Corona maximal fünf Zuhörer zugelassen.