Bad Brückenau und seine Bürgermeister. Eine unendliche Geschichte von Vergötterung bis Verdammung. Die beschauliche Sinnstadt geht nicht gerade zimperlich um mit ihren Stadtoberhäuptern und schon gar nicht den Bewerbern um den Bürgermeisterstuhl. Wer Dirk Stumpe (PWG, 45) und Jochen Vogel (CSU, 48) schon etwas länger kennt, dem dürfte nicht entgangen sein, dass sich der anstrengende, kleinstädtische Wahlkampf auch in den Gesichtern der beiden Kontrahenten niedergeschlagen hat.

Am Wochenende fiel in der Stichwahl eine Entscheidung. Bis dahin standen beide voll in der Schusslinie ihrer jeweiligen Kritiker. Schonungslos. Angriffsfläche für politische Gegner boten beide Kandidaten genug, gleichwohl die Charaktere unterschiedlicher kaum sein könnten. Dort der bodenständige dreifache Familienvater Jochen Vogel aus Motten, der einst direkt nach der Realschule ins Rathaus ging, vom Mottener Urgestein Karl Will zum einzig legitimen Nachfolger auserkoren wurde und seitdem in der Gemeindeverwaltung verwurzelt geblieben ist. Und auf der anderen Seite der selbstständige Junggeselle Dirk Stumpe, der in seiner wechselhaften beruflichen Karriere schon viele Höhen und Tiefen in der Sinnstadt miterlebt hat und dessen Privatleben von seinen politischen Gegnern immer wieder genüsslich, gnadenlos und unerbittlich aufs Tableau gehievt wird.

Dass man dem einen vorwarf, er habe ja nichts außer kommunales Verwalten gelernt, und dem anderen ankreidete, er sei recht scharf auf einen lukrativen Job gewesen, brachte den sachlichen, politischen Diskurs keinen Meter weiter - hätte man ihn fair und ernsthaft betreiben wollen. Nicht weniger unsinnig und kleinbürgerlich waren Diskussionen darüber, dass der eine recht gerne Fasching feiert, gelegentlich Segelflugzeug fliegt und der andere Motorrad fahren liebt und Werbefilme für sich in der Sinnflut dreht. Den 31-jährigen SPD-Kandidaten Jan Marberg eingerechnet, hatte Bad Brückenau diesmal drei verhältnismäßig junge, hochmotivierte Bewerber um das Bürgermeisteramt am Start. Das alleine war ein durchaus positives Signal für die Kommunalpolitik.

Dass man dem ein oder anderen Kandidaten die persönliche Eignung für das Amt von Vornherein aus privaten oder vermeintlich politischen Gründen absprach, war zwar typisch für die Kleinstadt Bad Brückenau, aber zeugte von ganz wenig Verständnis für das Wesen der Demokratie. Wer mit ausgestrecktem Finger auf andere zeigt, sollte nie vergessen, dass dabei drei Finger seiner Hand auf ihn selbst gerichtet sein könnten. Gott sei Dank geht jeder Wahlkampf mal zu Ende.