In dieser Woche hat die Bad Brückenauer Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks angekündigt, ihre Amtszeit zu verkürzen. Schon im nächsten Jahr wird also ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Damit reagiert sie auch auf den Unmut mancher und macht den Weg frei für die nächste Generation.

Ob Brigitte Meyerdierks eine gute Bürgermeisterin für die Stadt war, wird ganz wesentlich davon abhängen, wer ihr Nachfolger wird - so bitter das auch ist. Findet sich einer im Format des früheren Oberleichtersbacher Kollegen Walter Müller oder des heutigen Motteners Jochen Vogel, so würde ihre Amtszeit wohl im Nachhinein auf den Pinklauf sowie etliche Bauvorhaben, die die Verwaltung in Zeiten der Stabilisierungshilfe vermutlich ohnehin angestoßen hätte, reduziert werden. Gelingt es jedoch nicht, einen geeigneten Kandidaten nach vorne zu bringen, so werden sich einige noch nach der aktuellen Rathaus-Chefin zurücksehnen.

Dabei orientiert sich der subjektiv empfundene Stillstand, den viele Bürger wahrnehmen, gar nicht einmal so stark an Fakten. Brigitte Meyerdierks hat die Verwaltung umgekrempelt. Sie hat enorme Bauvorhaben in Angriff genommen: Anbau an die Grundschule mit Generalsanierung der Turnhalle, Generalsanierung der Dreifachturnhalle am Schulzentrum Römershag, Ausbau der Unterhainstraße und Erneuerung der Parkplätze an der Obermang sowie in der Ernst-Putz-Straße.

Die Unterhainstraße wurde ausgebaut und der Neubau des Seniorenzentrums Waldenfels städtebaulich unterstützt. In Volkers steht ein neuer Kindergarten, das Regenbogenland in der Stadtmitte wurde erweitert und saniert. Die Generalsanierung der Mittelschule läuft aktuell noch. Der Bau des Radwegs und die Beschaffung von Fahrzeugen für die Feuerwehr haben ebenfalls viel Geld gekostet. Und ja, zuletzt hat sie sogar die lange versprochene Stadtbeschilderung auf den Weg gebracht.

Das waren die größten Projekte und die Stadt hat in den vergangenen Jahren allein dafür insgesamt rund 26,4 Millionen Euro ausgegeben. Es ist also nicht wahr, dass unter Meyerdierks nichts passiert wäre. Der subjektiv empfundene Stillstand aber geht einher mit dem Sterben der Innenstadt. Viele haben der Rathaus-Chefin ihren Satz, die Stadt sei nicht die Ludwigstraße, übel genommen. Denn kein Bürgermeister kann sich seiner Erfolge rühmen, während das Herz seiner Stadt jämmerlich zugrunde geht. Nun kann niemand den Strukturwandel in Deutschland und der Welt aufhalten. Dennoch hätte wesentlich mehr wesentlich früher passieren müssen.

Die Belebung der Innenstadt wird die wichtigste Aufgabe ihres Nachfolgers. Das ist nötig, und möglich. Egal wer nach Brigitte Meyerdierks kommt, er oder sie wird sich daran messen lassen müssen, ob sie oder er es schafft, die Menschen dieser Stadt mitzunehmen und nicht viele von ihnen unterwegs wieder zu verlieren. Das ist die eigentliche Herausforderung.

Umso deutlicher wird jetzt, nach ihrem Rückzug, wie blank die dastehen, die gerne laut tönen. Ein halbes Jahr ist nicht viel Zeit, um gute Kandidaten aus dem Hut zu zaubern. Die Zeit läuft.