Es war eine Besinnungsstunde, die zu Herzen ging - und kein Konzert im herkömmlichen Sinn. Den Titel "Gib mir Kraft" könne man als eine Bitte, als ein Gebet, verstanden wissen, meditierte Pater Georg, als er die vielen Besucher in der Klosterkirche auf dem Kreuzberg begrüßte.

Es sei der Wunsch des Trios "M & M" , allen Kummer und alle Sorgen hier vor dem Altar abzulegen und sich gefangen nehmen zu lassen von Klängen und Texten, die das Herz ansprechen. Den Applaus solle man sich für den Schluss aufbewahren - so sei die Möglichkeit gegeben, eine Stunde der inneren Einkehr zu erleben.


Schöne Stimmen

Die ausgebildeten Sängerinnen Ursula Friedrich und Franziska Fasel eröffneten das Konzert als Duett mit dem Titel "Der 1. Schritt", der als Aufforderung verstanden werden konnte, denn es hieß: "sei Licht für die Menschen, die im Schatten steh'n, mache den 1. Schritt auf sie zu und bringe ihnen Hoffnung und Gerechtigkeit". Als Solistin brillierte Ursula Friedrich mit dem zart und innig vorgetragenen "Liebe ist alles". Liebe hat Kraft, Liebe atmet Dankbarkeit, Liebe schenkt Vertrauen. Im Titel "Menschen" verbarg sich die simple Aussage, dass wir Menschen als Engel fungieren können. Dazu müssen wir nur an die Menschen denken, die uns brauchen. Das folgende "Manchmal brauchst du einen Engel" hielt diese inhaltliche Spur. Gott schickt einen Engel, wenn er unsere Sorgen spürt. Dieser Text und die einfühlsame Melodie gingen unter die Haut. Voller Zuversicht kam der Text im "Du rettest die Welt für mich" herüber. Hier legten die Interpreten voller Inbrust ein Zeugnis ihres Glaubens ab.


Atenlose Stille

Sehr still wurde es, als Eberhard Fasel von seinem eigenen Schicksal berichtete, von seinem Krebsleiden, seinen vielen Operationen und seiner Frage an Gott: Rettest Du auch mich? Das "Pie Jesus" (wunderbarer Jesus) von Andrew Lloyd Webber stellte an Ursula Friedrich hohe Ansprüche, die sie einfühlsam meisterte. Ganz andere Töne dann im fetzigen "Hey, Jesus liebt mich" - vorgetragen von Vater und Tochter Fasel. Es sprach schon allein vom Rhythmus alle an.

"Gib mir Kraft" gab dem Konzert den Titel. Und es war wie ein Gebet, eine Bitte: In der Stunde meiner Angst, gib mir Kraft. Innig und überzeugend kam das "Wie soll ich ihn nur lieben?" der Maria aus "Jesus Christ Superstar" herüber.

Alle Beiträge wie "Salz sein", "Wunderbarer Hirt" und "The Prayer" ließen erkennen: Hier interpretieren Akteure, die nicht nur ihre wunderbaren Stimmen erklingen lassen, sondern die Zeugnis ablegen für den christlichen Glauben, der Kraft, Mut, Vertrauen, Hoffnung und Freude bringen und zum Segen werden kann. Wunderbar vom Trio vorgetragen wurde der Blick in das himmlische Jerusalem, wo es "Straßen aus Gold und Tore aus Perlen" geben wird, ein sehr bewegender Beitrag. Ein Segenslied ließ das Konzert ausklingen und der Applaus, der aufbrandete, brachte das Gotteshaus zum Beben. Bei der Zugabe hatten die begeisterten Zuhörer die Möglichkeit zum Mitsingen, denn "Von guten Mächten wunderbar geborgen" hat längst seinen Siegeszug durch die Welt angetreten.