Beim Gedanken an eine Kaserne kommen einem oft Bilder der amerikanischen Besatzer in den Sinn. Die Kaserne war deren Lebensmittelpunkt. Kindergärten, Schulen und Freizeitvergnügen gab es für sie in der Kaserne. Doch diese Bilder sind schon Jahrzehnte her. Viele Gebäude müssen ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Dass diese Gebäude auf dem heutigen Gelände der Bundeswehr nicht mehr auf dem neusten Stand sind, wird erst sichtbar bei einer Fahrt durch das Gelände der Bundeswehr. Aus den 1930er Jahren stammen die meisten Gebäude der Rhön-Kaserne in Wildflecken. Nutzbar sind viele davon nicht mehr. "Etwa 100 an der Zahl sollen in den nächsten Jahren abgerissen werden, denn für eine Sanierung sind sie zu heruntergekommen", sagt Oberstleutnant Christoph Peschel.

60 Millionen-Investition

Die Rhön-Kaserne soll wieder fit gemacht werden, und das sehr umfassend: Zwei Aspekte bereiten den Weg für die vielen Baumaßnahmen: "Der Standort Wildflecken ist ein wichtiges Standbein für die Bundeswehr", sagt Gerhard Gremminger, stellvertretender Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Hammelburg. Zweitens bekomme das Thema Sicherheit einen höheren Stellenwert. Deshalb wurde erst kürzlich für 3,2 Millionen Euro ein Wachgebäude mit Zaun und Sicherheitssystem errichtet (wir berichteten). Und das ist noch längst nicht alles: Die Investitionen in den Ausbau der Bundeswehrinfrastruktur können sich sehen lassen. Die Baumaßnahmen auf dem gesamten Gelände halten Detlef Stauss vom Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Hammelburg auf Trab. Er ist Objektmanager in Wildflecken und verantwortet mit seinem Team die Betreuung der Infrastruktur. Für insgesamt 60 Millionen Euro, die bis zum Jahre 2023 investiert werden, laufen derzeit mehrere Großprojekte, die teilweise fast abgeschlossen sind: Dazu gehört ein Küchengebäude für Übungstruppen mit einer Stärke bis zu 750 Personen und einem Kostenvolumen von 5,7 Millionen Euro und eine neue Werkhalle für die Instandsetzung von Fahrzeugen für 2,7 Millionen Euro sowie zwei neue Unterkunftsgebäude für insgesamt 7 Million Euro, die alle im Laufe des Jahres beendet werden.

Weitere Großbaustellen

Auch im beginnenden Jahr ist viel geplant: Die Bundeswehr-Feuerwache wird neu gebaut und im Sommer wird die IT-Verkabelung für den W-LAN-Ausbau in den Unterkünften vorangetrieben. "Das alles soll zu einer Attraktivitätssteigerung der Bundeswehr führen", so Gerhard Gremminger. Die Baumaßnahmen in den Kasernen der Bundeswehr in Wildflecken und Hammelburg unterliegen allesamt dem Staatlichen Bauamt Schweinfurt. Die Summe der gesamten Bauarbeiten bei der Bundeswehr macht einen wesentlichen Anteil der Baumaßnahmen vom Staatlichen Bauamt aus. Das Geld für den Ausbau der Bundeswehr Standort kommt allerdings direkt vom zuständigen Verteidigungsministerium.

Ziel ist Standortsicherung

"Die Bauarbeiten in den Kasernen werden von regionalen Firmen ausgeführt", sagt Objektmanager Stauss. So komme das Geld der Region zugute. Dann zählt er auf: Die Firmen Stolz, Hahn, Väth, Glöckle, Zehe, Brömmel und Burger, um nur einige der beteiligten Firmen zu nennen.

Auch die zukünftige Spezialisierung der Rhön-Kaserne spielt eine große Rolle für hohen Bauinvestitionen. "Jeder der 13 Truppenübungsplätze in Deutschland kann einen besonderen Service in verschiedenen Bereichen anbieten: Hier haben wir ein hochwertiges Gefechtssimulationszentrum, und die Bundeswehr plant den Bau eines neuen Rechenzentrums - Wildflecken ist dabei nach wie vor in der Auswahl", sagt Roman Jähnel, Oberstleutnant und Dienstältester am Standort Wildflecken. Für die Marktgemeinde würde dies ein Zuwachs von weiteren Arbeitsplätzen bedeuten. Bau und Unterhalt der hochmodernen Gebäude wären ein weiterer Investitionsschub für die Region. Mit einer Entscheidung wird dieses Jahr gerechnet. Auch beim Bekleidungszentrum am Arnsberg gibt es Überlegungen für eine Vergrößerung der Lagerkapazitäten.

Alle diese Maßnahmen sind zukunftsweisend für den Standort Wildflecken und in einem Nutzungskonzept strukturiert ausgeplant sowie genau auf den Bedarf abgestimmt - die Kaserne ist damit für die nächsten Jahre gut aufgestellt und der Standort gesichert.

Wichtige Zahlen

60 Millionen Euro wird in den Standort Wildflecken investiert.

Etwa 100 Häuser sollen in den nächsten Jahren aufgrund der alten Bausubstanz abgerissen werden.

283 Gebäude stehen momentan auf dem Gelände der Rhönkaserne.