Ein schwarzes, sichtlich neues Wachgebäude steht mitten im Wald, unwirklich und fast zu modern für das abgelegene Fleckchen Erde. Mit dem Auto sind es nur wenige Minuten vom Ort Wildflecken in die Kaserne, und doch öffnen sich Tore zu einer anderen Welt.

Die Kaserne ist im Umbruch, das sieht der Besucher bereits am Eingang. Im Vorfeld des bisherigen Wachhäuschens ist eine moderne Zugangskontrollanlage entstanden. Noch ist es nicht in Betrieb und wird momentan ausschließlich über eine Zivilwache organisiert. Ab Herbst regelt das technische System automatisch den Zugang zum Gelände. Die "Operationszentrale" im neuen Wachgebäude am Eingang steht schon und wird technisch von der Firma Airbus ausgestattet und auch betrieben. Betreten darf sie niemand. "Zu viel sicherheitsrelevante Technik", sagt Oberstleutnant Christoph Peschel, stellvertretender Kommandeur, der unter anderem für die Sicherheit zuständig ist. Das Lager Hammelburg werde mit der gleichen Technik ausgestattet, fügt er hinzu. Dazu komme ein Außenzaun mit einer Länge von sechs Kilometern um die Kaserne herum. Mit Hilfe von Kameras, Bewegungssensoren und einer automatische Zugangsberechtigung wird die Kaserne für mögliche Bedrohungen fit gemacht.

Auch ästhetisch spricht der Kasernenzugang eine ganz andere Sprache als zuvor. Die Gestaltung der Fassade mit grauem und schwarzem Material erinnert an das Basaltgestein der Rhön. Aus einem Guss erscheinen Wachhaus und Einlass. "Der militärische Sicherheitsbereich ist zukünftig nicht mehr nur eine optische Grenze , sondern eine reelle", sagt Oberstleutnant Christoph Peschel.

Politisch bedingt

"Geschuldet sind die erhöhten Sicherungsmaßnahmen der sicherheitspolitischen Lage", erklärt der stellvertretende Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Hammelburg, Gerhard Gremminger, der ebenso für Wildflecken zuständig ist. Auf die steigende reelle Bedrohung nach den Anschlägen in Amerika im Jahr 2001 und die zunehmenden politisch motivierten Anschlägen in Europa reagiert die Bundeswehr mit einer Erhöhung der Sicherungsmaßnahmen in den eigenen Einrichtungen. "Die Landesverteidigung ist wieder stärker in den Fokus gerückt", fügt er hinzu. Dafür wird eine Menge Geld in die Hand genommen: 3,2 Million Euro kostet alleine der Bau des neuen Wachgebäudes mit Zaun und Sicherheitssystem. An beiden Standort, Hammelburg und Wildflecken, wird weiter sehr viel investiert. "Insgesamt ist die Bundeswehr ein wichtiger Auftraggeber des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt", sagt Gremminger. Das Bauamt betreut im Landkreis Bad Kissingen alle Bundes- und Landesliegenschaften. Dazu gehören neben den Bundeswehrstandorten auch die drei Staatsbäder. Das Geld für den Ausbau der Bundeswehr, betont Gremminger, komme aber direkt aus Berlin vom zuständigen Ministerium.

Auch weitere Investitionen in die Zukunft der Bundeswehr können sich sehen lassen: 60 Million Euro insgesamt in neue Gebäude und den Ausbau der Standortschwerpunkte sind für die Kaserne Wildflecken bis zum Jahr 2023 veranschlagt. Damit bekommt nicht nur das Thema Sicherheit einen hohen Stellenwert, sondern auch der Ausbau des Bundeswehrpersonals und der Infrastruktur sowie die Sicherung des Standortes.