Yoansy Antonio Naranjo Figueredo möchte arbeiten. So wie es der 41-Jährige, den sie in Weißenbach "Kuba" nennen, jahrelang in der Metzgerei Schumann in Weißenbach getan hat. Doch er darf nicht, seit das Verwaltungsgericht Würzburg seine Klage gegen die Ablehnung seines Asylantrags abgewiesen hat. Jetzt befürchten er und seine Familie tiefe Einschnitte, ja sogar eine Abschiebung. Das ärgert auch andere im Markt Zeitlofs. Und ruft eine Reaktion hervor.

Kuba - das ist die karibische Insel vor der Küste Floridas, von der Naranjo Figueredo mit seiner Frau Yudiangni Garcia Perdomo und den beiden Kindern Lismary und Jean Carlos 2015 floh. Der Weg der Familie führte über Russland, Montenegro, die serbische Hauptstadt Belgrad und Tschechien nach Deutschland. Nach der Aufnahme im zentralen Auffanglager Zirndorf wurden die Kubaner mit anderen Asylbewerbern erst in Schondra, dann in Zeitlofs untergebracht.

Große Hilfsbereitschaft in der Rhön

Die kubanische Familie erlebte große Hilfsbereitschaft in der Rhön. Eine Bilderbuch-Integration begann. Metzgermeister Karlheinz Schumann stellte Naranjo Figueredo in Vollzeit in seinem Weißenbacher Familienbetrieb ein. Vor wenigen Monaten bezogen die Kubaner ein Häuschen am Thüngenschen Schlosspark, das ein Unternehmer eigens für sie als Mieter hergerichtet hatte.

Yudiangni Garcia Perdomo hat einen Minijob in der Gastronomie im Staatsbad Brückenau gefunden. Tochter Lismary, inzwischen 16, besucht die Mittelschule; sie und Jean Carlos, der in Zeitlofs lernt, bekamen 2017 ein Schwesterchen, Liz Emely. Die Fünfjährige besucht den Weißenbacher Kindergarten.

Das alles steht jetzt auf dem Spiel. Naranjo Figueredos Antrag auf Asyl lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bereits im Mai 2018 ab. Die Klage, die er mit Hilfe einer Würzburger Anwältin dagegen anstrengte, verhandelte das Würzburger Verwaltungsgericht im Oktober 2018. Wenig überraschend lehnte es auch sie ab, denn Kuba gilt den deutschen Behörden nicht als Land, wo Menschen verfolgt oder gar gefoltert werden.

Von Berufung abgeraten

Mitte Dezember wurde diese Entscheidung rechtskräftig; davon, eine Berufung zu beantragen, riet die Anwältin wegen zu geringer Chancen ab.

Nun hängen die Kubaner in der Luft. Der 41-Jährige, ja die ganze Familie fürchtet, in ihr Heimatland abgeschoben zu werden. Wenn er doch wenigstens arbeiten und sich ablenken könnte. Aber auch das ist bei seinem Status im Moment nicht möglich.

"Eine Abschiebung der Familie steht derzeit nicht zur Diskussion"

Immerhin: Johannes Hardenacke, Sprecher der Regierung von Unterfranken, kann die Angst vor einer abrupten Abschiebung nehmen. Die Asylverfahren der Frau und der Kinder beziehungsweise die Klagen dazu vor dem Verwaltungsgericht seien noch nicht entschieden. Deswegen hätten diese eine sogenannte "Aufenthaltsgestattung" (anders als der Mann). "Eine Abschiebung der Familie steht derzeit nicht zur Diskussion." Das sei rechtlich nicht zulässig, so Hardenacke.

Sprachkenntnisse, eine Ausbildung, feste Arbeit

Für Naranjo Figueredo gehe es nun darum, seinen Aufenthalt in Deutschland zu legalisieren. Heißt: Er könnte eine Duldung "aus humanitären Gründen, vor dem Hintergrund der guten Integration" erlangen. Kriterien dafür: Sprachkenntnisse, eine Ausbildung, feste Arbeit.

Für den Duldungsanspruch wichtig sei auch ein "Mindestaufenthalt im Bundesgebiet". Bei Erwachsenen liegt der laut dem Regierungssprecher bei sechs Jahren, bei Kindern mindestens vier Jahre. Kriterien, die der Kubaner weitgehend erfüllt (auch wenn er derzeit nicht arbeiten darf). Seine Chancen auf eine Duldung stehen also gut.

Selbst etwas zum Einkommen beitragen

Dennoch: Da sind andere Sorgen. Zum Beispiel die, ohne Verdienst von der Metzgerei Schumann die Miete für die Wohnung nicht bezahlen zu können und ausziehen zu müssen. Naranjo Figueredo hat sich nie auf die staatlichen "Grundleistungen" verlassen, die ihm und seiner Familie als Asylbewerber zustehen. Er wollte selbst etwas zum Einkommen beitragen, auch wenn ihm das auf das Geld vom Staat angerechnet wurde. Welche Leistungen ihm jetzt zustehen, weiß er nicht.

Auch fürchtet die Familie, aus der Krankenkasse zu fliegen, weil sie die Beiträge nicht mehr bezahlen kann. Und das jetzt, wo Sohn Jean Carlos wegen gesundheitlicher Probleme im Krankenhaus war.

Aktiv einen Antrag stellen

All das wäre weniger schwierig, wenn Naranjo Figueredo eine Duldung hätte und damit wieder arbeiten dürfte. Dafür muss er aber laut Regierung von Unterfranken selbst aktiv einen Antrag stellen. "Für den Antrag wird aber weder Pass noch Aufenthaltsgestattung benötigt."

Dass das so ist, hat der kubanischen Familie nach deren Angaben bisher keiner mitgeteilt. Vor Corona fuhren die Erwachsenen immer zur Zentralen Ausländerbehörde in Schweinfurt, um ihre Aufenthaltsgestattung zu verlängern. Doch persönliche Besuche sind wegen Ansteckungsgefahr derzeit weitgehend tabu. Und telefonisch verständliche Informationen einholen, ist für die Familie wegen der überschaubaren Sprachkenntnisse schwierig.

Derzeit kann sich die Familie nicht einmal ausweisen. Nach eigenen Angaben hat sie ihre Aufenthaltsgestattungen am 14. Dezember zur Verlängerung an die Ausländerbehörde geschickt, aber erst Mitte Januar eine Empfangsbestätigung erhalten. Wann die Gestattungen zurückkämen, wüssten sie nicht; über andere Dokumente verfügten sie nicht.

Figueredos Hilfe in Metzgerei dringend benötigt

Karlheinz Schumann regt diese Hängepartie auf. Der Metzgermeister würde Naranjo Figueredo lieber heute als morgen wieder einstellen. Denn in seinem Familienbetrieb schaffen jetzt nur noch er und seine Schwester; Naranjo Figueredos Hilfe würde dringend benötigt.

Schumann und seine Frau Karina wollen sich nun verstärkt um die Duldung und eine neue Arbeitserlaubnis für "Kuba" kümmern. Bürgermeister Matthias Hauke fragte bei Landrat Thomas Bold (CSU) und politischen Entscheidungsträgern wie Sabine Dittmar (SPD), Manuela Rottmann (Grüne) und Sandro Kirchner (CSU) an. Alle hätten positiv reagiert. Yoansy Antonio Naranjo Figueredos Wunsch nach Arbeit - er könnte bald wieder wahrwerden.