Die Bilder die bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Naturschutzfragen zu sehen waren, unterstrichen die Aussage eines sichtlich verärgerten Landrates Thomas Habermann (CSU): Null Rücksicht und vor allem keinerlei Information. Die Zukunft des Wanderwegs ist gefährdet. Betroffen sind 2,7 Kilometer des Premiumwanderwegs Hochrhöner zwischen Langenleiten und dem Guckeipass. Beim Holzrücken wurden tiefe Fahrspuren in den Weg gedrückt. "Die Wegeschäden sind enorm," stellte der Landkreischef fest. Es ist nicht das erste Mal, dass man Ärger mit den Bayerischen Staatsforsten Bad Brückenau hat. Schon einmal habe man mit den Verantwortlichen gesprochen und gebeten, wenigstens Bescheid zu geben, wenn an den Wanderwegen Holzrückearbeiten anstehen. "Es wird einfach nicht kommuniziert!", stellte der Landrat nun erneut fest.

Der Rhönklub hatte das Landratsamt auf die enormen Schäden hingewiesen und vor Ort zeigte sich dann das "rücksichtslose Verhalten, das hier an den Tag gelegt wurde." Mittlerweile wurden "Gutmachungsversuche" vorgenommen, die aber längst nicht genügen, wie die Bilder zeigten. Derzeit sind diese 2,7 Kilometer touristisch nicht nutzbar, sagte Thorn Plöger, Gesellschafter und Geschäftsführer der neuen Rhön GmbH. Auch die Unfallgefahr sei zu groß. Wichtig sei es, dass die zerstörten Wanderwege wieder komplett hergerichtet werden. Sonst müsse man sich eine neue Streckenführung überlegen. Bei allem geht es auch um die Rezertifizierung des Premium Wanderwegs Hochrhöner.

Ausführliche Informationen gab es dann im Ausschuss Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Tourismus zum Punkt "aktuelle Entwicklung der Rhön GmbH-Gesellschaft für Tourismus und Markenmanagement. Geschäftsführer Thorn Plöger informierte, dass in der neuen Rhön GmbH die fünf Landkreise Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Schmalkalden-Meiningen, Fulda und der Wartburgkreis je die gleichen Anteile und Stimmberechtigung haben. Die frühere Dachmarke Rhön und die Tourismus GmbH Bayerische Rhön sind in diese neue Rhön-GmbH übergegangen. Sitz ist im Landratsamt Rhön-Grabfeld in Bad Neustadt. In einem Organigramm gab es entsprechende Auskünfte. Wichtig sei für die Zukunft die Stärke-Schwächen-Analyse. Zu den Stärken gehören derzeit das positive Image der Rhön und das starke Markenmanagement. Unausgereift ist noch die touristische Infrastruktur. Die Rhön hat überregional und international noch einen geringen Bekanntheitsgrad. Hier müsse man ansetzen. Dazu soll eine Qualitätsmanagement Konzeption erarbeitet werden.

Das Problem in der Rhön sei aktuell die fehlende Bettenanzahl. Anfragen können nicht bedient werden. Grund dafür ist unter anderem die Großbaustelle am Rhönklinikum, denn die Arbeiter dort sind in Rhön-Grabfeld untergebracht. "Wir könnten mehr Gäste unterbringen, wenn wir mehr Betten hätten," stellte der Geschäftsführer fest. Er plant deshalb ein neues Belegungssystem im kommenden Jahr. Die Pensionen und Hotels müssten sich darauf einstellen, dass der Gast nicht mehr nur ein oder zwei Wochen, sondern nur übers Wochenende oder höchstens drei Tage bleibt. Thorn Plöger forderte deshalb eine Anhebung der Preise und wird eine neue Webseite einrichten. Außerdem sollen Infos über Gästeanfragen künftig auch über Handy möglich sein. "Die Zeit der manuellen Buchungen geht zu Ende."

Angesprochen hat er die verschiedenen Informationsstellen in der Rhön, die aktuell von 220.000 Besuchern angenommen werden. Zusammen gefasst werden künftig die bisherigen sechs Angebotskataloge zu einer Ausgabe. Auf den Messen sollen auch Produkte aus dem Rhönladen zum Verkosten angeboten werden. "Wir müssen auch den Wust an Flyern reduzieren!" Gezielt sollen Messen besucht werden. Plöger: Bei einer Mainfrankenmesse kommt nicht die Zielgruppe, die die Rhön besucht." Urlaub auf dem Bauernhof, sei eines der Angebote, sagte der Geschäftsführer auf Nachfrage von Kreisrätin Ruth Scheublein, allerdings ist dies künftig unter dem Begriff "Landleben" zusammen gefasst. Hartmut Eppler sprach die Internetseite "Grabfeldtourismus" an und erfuhr, dass diese in die neue Rhön-Webseite durchaus eingebunden werden kann. Überhaupt sei das Grabfeld nicht außen vor, genau so wenig, wie die Hassberge. Sie haben ihre eigene Werbemöglichkeiten, allerdings müsse auf der Rückseite der Flyer der Vermerk "Rhön GmbH" stehen.
Hanns Friedrich